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Juristisches Hickhack im DeCSS-Prozeß geht weiter

Nico Jurran

Der Prozess gegen Matthew Pavlovich wegen einer Download-Möglichkeit fĂŒr DeCSS, mit dem sich die VerschlĂŒsselung und damit der Schutz vor nicht genehmigtem Abspielen von DVDs aushebeln lĂ€sst, geht weiter.

Nachdem sich im November das Hacker-Magazin 2600 entschlossen hatte, den Rechtsstreit um das DVD-Hacker-Tool "DeCSS" nicht vor den obersten US-Gerichtshof zu bringen [1], landet ein kalifornisches Verfahren um DeCSS nun wohl doch dort. Hauptfigur in diesem Fall ist Matthew Pavlovich, der 1999 auf seiner Homepage das Tool, mit dem sich die VerschlĂŒsselung und damit der Schutz vor von der Medienindustrie nicht genehmigtem Abspielen von DVDs aushebeln lĂ€sst, zum Download bereitgestellt hatte.

Die DVD Copy Control Association (DVD CCA) [2] reichte wegen dieser Download-Möglichkeit Klage gegen Pavlovich in Kalifornien ein, wo die Vereinigung auch ihren Sitz hat. Da Pavlovich zum Zeitpunkt der angeblichen Tat Student einer Hochschule im US-Bundesstaat Indiana war (auf deren Server sich auch die Website befand) und heute in Texas lebt, zweifelte der Beklagte jedoch [3] die örtliche ZustÀndigkeit des kalifornischen Gerichts an. TatsÀchlich wies das oberste Gericht des Staates Kalifornien das mit dem Prozess befasste Gericht im Dezember 2000 an zu erklÀren, warum ein Beklagter im Verfahren verbleiben solle, obwohl er seinen Wohnsitz nicht in Kalifornien hat.

Dies gelang der zustĂ€ndigen Richterin Sandra Day O'Connor beziehungsweise der KlĂ€gerin DVD CCA offenbar nicht, weshalb das oberste kalifornische Gericht im vergangenen Monat fĂŒr Pavlovich entschied. Somit hĂ€tte die Klage abgewiesen werden mĂŒssen -- ein folgenreiches Ergebnis fĂŒr die DVD CCA, zumal auch Beklagte in anderen DeCSS-Prozessen ihren Wohnsitz außerhalb des Sonnenstaates haben. Diesen RĂŒckschlag will die DVD CCA jedoch offenbar nicht hinnehmen: Im Gegenzug rief sie nun zur endgĂŒltigen KlĂ€rung der ZustĂ€ndigkeit den obersten US-Gerichtshof an, wodurch auch die Entscheidung des obersten kalifornischen Gerichtes keine Rechtskraft entfalten kann. Richterin O'Connor setzte daraufhin das Verfahren vor einer endgĂŒltigen Entscheidung aus.

Die DVD CCA verteidigte ihren Schritt mit der Gefahr, dass Pavlovich DeCSS abermals veröffentlichen könne. Pavlovichs Anwalt Allonn Levy Ă€ußerte derweil gegenĂŒber der US-Presse, dass es nicht erlaubt sein dĂŒrfe, einen "Studenten wegen seiner Beteiligung an einer Website durch das halbe Land vor ein Gericht zu zerren".

FĂŒr das Magazin 2600 ist das Urteil eines New Yorker Berufungsgerichtes rechtskrĂ€ftig, nach dem 2600 den DeCSS-Code weder veröffentlichen noch auf eine Veröffentlichung verlinken darf. (nij [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-72449

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Streit-um-DeCSS-geht-nicht-vor-obersten-Gerichtshof-68070.html
[2] http://www.dvdcca.org/css/
[3] https://www.heise.de/news/Juristisches-Hickhack-im-Prozess-um-DVD-Cracks-34933.html
[4] mailto:nij@ct.de