Jede zweite Rufnummer in den falschen HĂ€nden
Nach Bekanntwerden des beispiellosen Diebstahls von 17 Millionen Handynummern bei der Telekom gibt es eine neue Debatte um die Sicherheit persönlicher Daten in Deutschland.
Nach Bekanntwerden des beispiellosen Diebstahls von 17 Millionen Handynummern bei der Telekom gibt es eine neue Debatte um die Sicherheit persönlicher Daten in Deutschland. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sprach sich im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur dafĂŒr aus, die Einhaltung der Bestimmungen in den Unternehmen schĂ€rfer zu ĂŒberwachen. Der Datenschutz sei "finanziell und personell viel zu schlecht ausgestattet".
Am Samstag hatte die Deutsche Telekom einen Spiegel-Bericht bestÀtigt, wonach ihrer Mobilfunksparte T-Mobile vor gut zwei Jahren Daten zu jedem zweiten Kunden entwendet [1] wurden, insgesamt mehr als 17 Millionen. Neben den Rufnummern wurden demnach auch alle Adressen kopiert.
GroĂe Unternehmen wie Mobilfunk-Firmen seien fĂŒr Datenklau besonders anfĂ€llig, sagte der Datenschutzbeauftragte weiter. Neben der Gefahr eines Diebstahls durch eigene Mitarbeiter gebe es eine weitere Möglichkeit: "Wir DatenschĂŒtzer haben seit Jahren die BefĂŒrchtung, dass ein Leck in der Ăbermittlung von Daten an Sicherheitsbehörden auftreten kann." Es sei mit Hacker-Angriffen und Datenmissbrauch zu rechnen.
Gesetzliche Bestimmungen, die den Einsatz etwa von digitalen Markern fĂŒr die RĂŒckverfolgbarkeit von Daten vorsehen, gebe es schon lĂ€ngst. Wer sich an die Vorschriften halte, könne inzwischen auch bemerken, wenn ein Mitarbeiter sich Zugriff zu gröĂeren DatensĂ€tzen verschaffe. Die Defizite lĂ€gen eher in der Umsetzung, kritisierte Weichert.
Der GrĂŒnen-Bundespolitiker Volker Beck forderte, die Vorratsspeicherung von Telefondaten sofort zu stoppen. Die Daten der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger seien bei der Deutschen Telekom nicht sicher, sagte Beck, der als Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der GrĂŒnen im Bundestag sitzt. Wo Datenberge entstĂŒnden, drohe stets fahrlĂ€ssiger oder krimineller Missbrauch, warnte der Politiker.
Die SPD bekrĂ€ftigte ihre Forderung, dass die Weitergabe von Daten an Dritte gesetzlich von der Zustimmung der Betroffenen abhĂ€ngig gemacht werden sollte. Gleichzeitig solle die Herkunft der Daten kĂŒnftig festgehalten und nachvollziehbar werden, verlangte der Datenschutzexperte der Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, in Berlin.
Dem Spiegel waren die DatensĂ€tze vor kurzem vorgelegt worden. Bundesweit hat T-Mobile aktuell mehr als 38 Millionen Kunden. Die Firma bot ihren Kunden den kostenlosen Wechsel der Rufnummer an. FĂŒr den Wechsel der Rufnummer und Fragen gibt es eine Gratis-Hotline fĂŒr T-Mobile-Kunden: 0800/ 330 034505.
Zu prominenten Betroffenen wollte sich Konzernsprecher Stephan Broszio nicht Ă€uĂern. Auf dem DatentrĂ€ger finden sich laut Spiegel nicht nur viele TV-Prominente wie Hape Kerkeling oder GĂŒnther Jauch, sondern auch eine groĂe Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von Politikern, Ministern, Ex- BundesprĂ€sidenten, WirtschaftsfĂŒhrern, MilliardĂ€ren und Glaubensvertretern, fĂŒr die eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen sicherheitsbedrohend wĂ€re. (dpa)/ (cp [2])
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