Internethandel befeuert GeschÀfte der Paketzusteller
Ob Schuhe oder Wein, FernsehgerĂ€te oder Katzenstreu - immer mehr Deutsche kaufen im Internet ein. Das bringt auch Zustellunternehmen saftige ZuwĂ€chse, MarktfĂŒhrer ist die Deutsche Post DHL.
Lust auf Hektik, Hetze oder GedrĂ€nge? Nein, viele Verbraucher in Deutschland ordern in diesen Wochen ihre Weihnachtsgeschenke in aller Ruhe zu Hause per Mausklick im Internet. Aber nicht nur am Jahresende wird das Netz zur groĂen Einkaufsplattform. Der elektronische Handel boomt auch in diesem Jahr wieder ungebrochen â zur Freude von Onlineversendern und Paketdienstleistern.
Andrej Busch von der Deutschen Post DHL reibt sich die HĂ€nde: Der Manager verantwortet das Paket-GeschĂ€ft des Unternehmens und damit eine WachstumssĂ€ule des Logistikkonzerns. WĂ€hrend die Erlöse aus dem klassischen Briefbereich kontinuierlich schrumpfen, verzeichnet die Paketsparte dank Internet jĂ€hrlich satte zweistellige Zuwachsraten. Dabei hat der Manager inzwischen auch den Lebensmittel-Online-Handel ins Visier genommen. "In drei bis vier Jahren sollte ein bundesweit flĂ€chendeckender Service denkbar sein", sagte Busch der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung.
Und die Zahlen sprechen fĂŒr sich: So erwartet der Bundesverband Versandhandel in diesem Jahr im WeihnachtsgeschĂ€ft einen GeschĂ€ftszuwachs von ĂŒber 12 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2011 kletterten die Erlöse im Online-HandelsgeschĂ€ft um rund zehn Prozent auf 34 Milliarden Euro. Das war laut Verbandsangaben eine Anteil von 8,2 Prozent am gesamten Einzelhandelsumsatz. Tendenz steigend. Studien belegen, dass inzwischen drei Viertel aller Deutschen im Internet einkaufen. Und nicht nur zur Weihnachtszeit.
Bei der Paketzustellung erwartet die Post in diesem Jahr wieder ein RekordgeschĂ€ft. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr beim Paketvolumen einen Zuwachs von 10 Prozent auf 870 Millionen Sendungen verzeichnete, könnte in diesem Jahr schon die Milliardengrenze geschrammt werden. Allein in der Vorweihnachtszeit verdoppelte sich die Menge der Pakete und PĂ€ckchen von drei auf sechs Millionen StĂŒck tĂ€glich.
Aber nicht nur beim Branchenriesen, auch bei der Konkurrenz brummt das GeschĂ€ft. Bis zu 120 Prozent mehr an Paketvolumen als sonst ĂŒblich muss die Hermes-Gruppe in diesen Wochen bewĂ€ltigen. "Die Saison ist fĂŒr uns absolute Spitzenzeit", sagt eine Sprecherin des Unternehmens, das sich auf dem deutschen Markt hinter der Post als die Nummer zwei unter den Paketdienstleistern sieht. Auch bei Hermes ist das Internet der Treiber fĂŒr Wachstum. Drei Viertel aller Sendungen hĂ€tten einen Online-Hintergrund, heiĂt es in dem Unternehmen, sieben der zehn gröĂten deutschen VersandhĂ€ndler seien Kunden.
In Braunschweig eröffnete die Deutsche Post am Mittwoch ihr erstes von 25 geplanten mechanisierten Paketzentren [1]. Dem Branchenprimus will bei der Zustellung von Paketen Dampf machen. Eine Summe von insgesamt 750 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Ausbau seiner Paketnetze. Brief-Chef JĂŒrgen Gerdes hat ein klares Ziel vor Augen: "Wir werden schon bald Pakete deutschlandweit so schnell befördern können wie Briefe".
Andreas Marschner, der fĂŒr das Gesamtkonzept der neuen Paketverteilanlage in Braunschweig zustĂ€ndig ist umschreibt das so: "Heute bestellen und morgen ist es da". Auch wenn die Post im PaketgeschĂ€ft unbestrittener MarktfĂŒhrer ist, wĂ€chst der Druck durch die Konkurrenten. Ob sie nun Hermes, UPS, GLS oder DPD heiĂen, alle wollen ein gröĂeres StĂŒck von dem Kuchen eines sprudelnden ZustellungsgeschĂ€ftes.
Ein Blick auf die gesamte Branche zeigt, dass das Kurier-, Express- und PaketgeschĂ€ft (KEP) in Deutschland seit Jahren zulegt. Lagen die UmsĂ€tze der Branche im Jahr 2000 noch bei 10 Milliarden Euro, waren es im vergangenen Jahr knapp 15 Milliarden Euro. Entsprechend den Erwartungen der Unternehmen, heiĂt es in einer Studie [2] fĂŒr den Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK) lapidar, sei bis 2016 ein weiter Anstieg zu erwarten. (jk [3])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1763235
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Reaktion-auf-boomenden-Onlinehandel-Post-modernisiert-Paketzentren-1762758.html
[2] http://www.biek.de/tl_files/biek/downloads/papiere/KEP_Studie_2012.pdf
[3] mailto:jk@heise.de
Copyright © 2012 Heise Medien