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Internet-Troll zu Freiheitsstrafe verurteilt

Johannes Haupt

Weil sich ein Mann bei Facebook und YouTube ĂŒber TodesfĂ€lle lustig gemacht hat, wurde er von einem britischen Gericht ins GefĂ€ngnis geschickt.

Ein 25-jĂ€hriger Brite muss ins GefĂ€ngnis, weil er sich im Internet ĂŒber die Tode von vier Teenagern lustig gemacht hat. Der arbeitslose Mann postete bei Facebook [1] herablassende Bemerkungen auf Trauerseiten von kĂŒrzlich Verstorbenen und auf die PinnwĂ€nde Hinterbliebener. Den Freitod eines 15-jĂ€hrigen MĂ€dchen, das sich vor einen Zug geworfen hat, kommentierte er auf einer Gedenkseite etwa mit "I fell asleep on the track lolz". SpĂ€ter postete er ein selbst erstelltes Youtube-Video, in dem das Gesicht des MĂ€dchens auf die Spitze einer Comiclokomotive [2] montiert war.

FĂŒr ein 14-jĂ€hriges MĂ€dchen, das infolge eines epileptischen Anfalls starb, erstellte der Mann sogar eine eigene Gedenkseite, die er ebenfalls mit gemacklosen Inhalten befĂŒllte. Unter anderem postete er am Muttertag die Nachricht "help me mummy, it's hot in hell". Eine Bekannte der Toten, die mit der Trollseite anfangs in Verbindung gebracht wurde, versuchte sich daraufhin mit einer Überdosis Drogen das Leben zu nehmen.

Am Dienstag wurde der Mann von einem Gericht in seiner Heimatstadt Reading zu 18 Wochen Haft verurteilt, der Maximalstrafe fĂŒr dieses Vergehen [3]. Wie der Guardian berichtet [4], wandte sich der Richter in der UrteilsbegrĂŒndung direkt an den Angeklagten: "Sie haben hinterbliebenen Freunden und Verwandten, die in Trauer waren, weiteres unermessliches Leid zugefĂŒgt. Die Vergehen sind so ernst, dass nur eine Freiheitsstrafe angemessen erscheint." Der Vater einer Verstorbenen Ă€ußerte die Hoffnung, das Urteil habe Signalwirkung fĂŒr andere Trolle, die im vermeintlichen Schutze der AnonymitĂ€t ihr Unwesen trieben. Ein Facebook-Sprecher sagte [5] der Daily Mail, im sozialen Netzwerk gebe es keinen Platz fĂŒr Trollerei. Bei Kenntnisnahme wĂŒrden die Accounts von Unruhestiftern umgehend gelöscht.

ZusĂ€tzlich zur Freiheitsstrafe wurde dem Mann die Nutzung von Websites wie Facebook, Twitter und YouTube innerhalb der nĂ€chsten fĂŒnf Jahre verboten. Der Verurteilte kannte keines der Opfer persönlich. Er leidet am Asperger-Syndrom [6] (eine Form von Autismus) und soll Alkoholprobleme haben. (jh [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1342866

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.facebook.com
[2] http://www.thomasandfriends.com/
[3] http://www.legislation.gov.uk/ukpga/1988/27/section/1
[4] http://www.guardian.co.uk/uk/2011/sep/13/internet-troll-jailed-mocking-teenagers
[5] http://www.dailymail.co.uk/news/article-2036935/Natasha-MacBryde-death-Facebook-internet-troll-Sean-Duffy-jailed.html
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom
[7] mailto:jh@heise.de