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Inspektion deckt MissstÀnde bei Apple-Auftragshersteller Foxconn auf

Ben Schwan

Zu lange Schichten, zu wenig Geld und zu viele ZwischenfÀlle: Eine unabhÀngige Inspektion, die Apple beauftragt hatte, bescheinigt Foxconn problematische Arbeitsbedigungen.

Die von Apple selbst initiierte [1] Inspektion seines wichtigsten Auftragsfertigers Foxconn durch die Fair Labor Association [2] (FLA) hat zahlreiche MissstĂ€nde aufgedeckt. Zu den mehr als 50 Problembereichen zĂ€hlen laut dem Bericht [3] der Arbeitsschutzorganisation zu lange Arbeitszeiten und mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsschutzbedingungen. Foxconn habe zugesagt, die MĂ€ngel zu beheben, hieß es von der FLA. Das Unternehmen produziert in seinen riesigen chinesischen Werken unter anderem iPhones, iPads und Macs. Neben Apple sind aber auch Unternehmen wie Hewlett-Packard, Dell, Microsoft, Sony oder Intel wichtige Kunden von Foxconn.

Die FLA untersuchte drei Foxconn-Fabriken und befragte dabei ĂŒber 35 000 Arbeiter. In allen drei Werken sei die FLA-Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche ĂŒberschritten worden, ebenso wie die in China maximal erlaubte 40-stĂŒndige Arbeitswoche plus bis zu 36 Überstunden im Monat. Mehr noch: In heißen Produktionsphasen habe sogar die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit pro Kopf ĂŒber 60 Stunden gelegen. Foxconn habe zugesagt, die Arbeitszeiten bis Juli 2013 auf das Niveau der gesetzlichen Vorgaben zu bringen.

Ein Problem ist allerdings, dass viele Foxconn-BeschĂ€ftigte selber lĂ€nger arbeiten wollen, um mehr Geld zu verdienen. Foxconn versprach deswegen laut FLA, die entgangenen Arbeitsstunden auszugleichen. Zudem sollen erheblich mehr Mitarbeiter eingestellt werden, es wĂŒrden dafĂŒr zusĂ€tzliche Wohn- und KantinenkapazitĂ€ten aufgebaut.

Tim Cook bei einem Besuch einer Foxconn-Fabrik in dieser Woche.

(Bild: Apple)

"Apple und Foxconn haben sich mit unseren Empfehlungen einverstanden erklĂ€rt. Wir werden die Fortschritte prĂŒfen und öffentlich berichten", sagte FLA-Chef Auret van Heerden. Die zugesagten VerĂ€nderungen wĂŒrden das Leben der 1,2 Millionen Foxconn-BeschĂ€ftigten erheblich verbessern und einen neuen Standard fĂŒr chinesische Fabriken setzen, betonte er.

Apple war Anfang des Jahres als erstes Unternehmen der Elektronikbranche der FLA beigetreten, die unabhĂ€ngige Inspektionen von Fabriken unternimmt. Außerdem fĂŒhrt der US-Konzern seit mehreren Jahren eigene Kontrollen [4] bei Zulieferern durch, die ebenfalls viele MĂ€ngel aufdeckten, darunter einzelne FĂ€lle der BeschĂ€ftigung MinderjĂ€hriger. Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn waren immer wieder [5] scharf kritisiert worden.

Fast zwei Drittel der Foxconn-Arbeiter (64 Prozent) sagten in der FLA-Umfrage, sie könnten mit dem Gehalt nicht ihre GrundbedĂŒrfnisse finanzieren. Dabei gelten die Einkommen bei Foxconn bereits als ĂŒberdurchschnittlich in China, was die Jobs sehr begehrt [6] macht. Die FLA werde die Lebenshaltungskosten in den StĂ€dten Shenzhen und Chengdu untersuchen, um zu prĂŒfen, ob die GehĂ€lter ausreichend seien.

Außerdem sei die VergĂŒtung von ungeplanten Überstunden teilweise unfair geregelt, weil nur abgeschlossene 30-Minuten-Blöcke vergĂŒtet wĂŒrden, erklĂ€rte die Organisation. Wer nach diesen Bestimmungen 28 Minuten arbeite bekomme gar keine Überstunden bezahlt, bei 58 Minuten gebe es nur zusĂ€tzliches Geld fĂŒr eine halbe Stunde.

Mehr als 43 Prozent erklĂ€rten, dass sie ZwischenfĂ€lle selbst erlebt oder beobachtet hĂ€tten. In dieser Zahl wurden diverse Probleme – von Handverletzungen bis hin zu UnfĂ€llen mit Fabrikfahrzeugen – zusammengefasst. Bei Foxconn seien bisher nur ZwischenfĂ€lle registriert worden, die zu einer Unterbrechung der Produktion fĂŒhrten. Das werde sich ab sofort Ă€ndern, sagte die FLA: Jetzt soll jede Verletzung notiert werden. Zugleich bescheinigte die FLA Foxconn Fortschritte bei der PrĂ€vention von Aluminiumstaub-Explosionen. Im vergangenen Jahr waren bei zwei solcher Detonationen [7] in der iPad-Produktion 4 Menschen getötet und 77 verletzt worden. Die FLA soll neben Foxconn auch weitere Apple-Zulieferer wie Quanta oder Pegatron untersuchen [8].

Apple-Chef Tim Cook hatte diese Woche auf seiner China-Reise auch ein iPhone-Werk von Foxconn besucht [9]. Cook kennt die Fabriken gut: Er war lange fĂŒr das TagesgeschĂ€ft zustĂ€ndig und hatte auch die Zuliefererkette neu aufgebaut. Neben Apple gehören auch bekannte Anbieter wie Amazon, Dell, Nintendo, Hewlett-Packard, Samsung, IBM, Lenovo, Motorola, Sony und Toshiba zu den Foxconn-Kunden. (mit Material von dpa) / (bsc [10])


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[1] https://www.heise.de/news/Experten-untersuchen-Arbeitsbedingungen-bei-Apple-Zulieferern-1433531.html
[2] http://www.fairlabor.org/
[3] http://www.fairlabor.org/report/foxconn-investigation-report
[4] https://www.heise.de/news/Apple-aeussert-sich-zu-Arbeitsbedingungen-und-Lieferanten-1413308.html
[5] https://www.heise.de/news/Arbeitsbedingungen-in-China-Cook-weist-Vorwuerfe-zurueck-1423278.html
[6] https://www.heise.de/news/Bericht-Hohe-Nachfrage-nach-Foxconn-Jobs-1425208.html
[7] https://www.heise.de/news/Nach-Explosion-US-Sender-interviewt-geschaedigte-iPad-Arbeiter-1470821.html
[8] https://www.heise.de/news/Experten-untersuchen-Arbeitsbedingungen-bei-Apple-Zulieferern-1433531.html
[9] https://www.heise.de/news/Apple-Chef-schaut-bei-Foxconn-vorbei-1486204.html
[10] mailto:bsc@heise.de