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Insolvenzantrag: E-Bike- und Fahrradhersteller Prophete ist pleite

Stefan Krempl

(Bild: Canetti/Shutterstock.com)

Das deutsche Unternehmen, das Discounter seit Jahren etwa mit erschwinglichen Lasten-E-Bikes und Zubehör rund ums Zweirad beliefert, steht vor dem Aus.

Unschöne Bescherung fĂŒr BeschĂ€ftigte und Kunden des nordrhein-westfĂ€lischen Fahrradbauers Prophete: Das 1908 von Hermann Paul Prophete in Halle gegrĂŒndete Unternehmen mit aktuellem Hauptsitz in Rheda-WiedenbrĂŒck musste kurz vor Weihnachten Insolvenz anmelden.

Über einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bielefeld berichten Lokalzeitungen wie "Die Glocke [1]". Die Traditionsfirma machte sich in den vergangenen Jahren vor allem als Lieferant vergleichsweise gĂŒnstiger E-Bikes an Aldi, Lidl & Co. einen Namen. Begehrt war etwa das mit einem Elektromotor ausgerĂŒstete Lasten-Bike Prophete Cargo [2].

Die Nachricht kommt nicht nur fĂŒr die Mitarbeiter ĂŒberraschend. Der Fahrradmarkt boomte vor allem im Corona-Jahr 2020 und erwies sich auch 2021 als stabil [3]. Vor allem E-Bikes legten im vorigen Jahr noch einmal zu. Von den rund 4,7 Millionen verkauften FahrrĂ€dern hatten 2 Millionen einen E-Antrieb. Schwierigkeiten machten aber LieferengpĂ€sse, warnte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) im MĂ€rz. Schon spĂŒrbar seien steigende Preise fĂŒr Rohstoffe wie Stahl und Nickel.

Weltweite Lieferunterbrechungen und steigende Materialkosten könnten mit zu den GrĂŒnden fĂŒr die wirtschaftlichen Turbulenzen zĂ€hlen, die Prophete ins Trudeln gebracht haben. Die genauen Ursachen fĂŒr die Pleite muss der bestellte Insolvenzverwalter Manuel Sack von der Kanzlei Brinkmann und Partner nun ausloten, wobei er nach eigenen Angaben noch ganz am Anfang steht. Er bestĂ€tigte gegenĂŒber der "Glocke", dass fĂŒr das Tochterunternehmen Cycle Union beim Amtsgericht Oldenburg ebenfalls ein Insolvenzantrag gestellt worden sei. Zusammen sollen beide Firmen 2018 auch mit Marken wie Kreidler, VSF Fahrradmanufaktur und Rabeneick einen Umsatz von 150 Millionen Euro generiert und an vier Standorten etwa 450 Mitarbeiter beschĂ€ftigt haben.

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Ab 2011 versuchte sich Prophete zusĂ€tzlich als Hersteller von Sport- und FitnessgerĂ€ten. Seit 2015 konzentrierte sich das Unternehmen aber wieder auf ZweirĂ€der und Zubehör wie Fahrradkörbe, Luftpumpen und Sattelabdeckungen, die auch ĂŒber große Supermarktketten zu beziehen sind. Ob die Firma etwa durch Entlassungen oder Einsparungen noch zu retten ist, muss der Insolvenzverwalter klĂ€ren.

Verbraucherrechte wie AnsprĂŒche auf Garantie, Austausch oder Reparatur bleiben auch bei ZahlungsunfĂ€higkeit zwar prinzipiell bestehen. KĂ€ufer mĂŒssen diese aber gegenĂŒber dem Insolvenzverwalter geltend machen. Dieser kann entscheiden, ob er die Ersuchen erfĂŒllt oder sie ablehnt. Oft bleibt Verbrauchern nur ĂŒbrig, ihre AnsprĂŒche zur Insolvenztabelle anzumelden, was laut Experten regelmĂ€ĂŸig einem faktischen Totalverlust gleichkommt.

Bereits gefertigte, aber noch nicht verkaufte Produkte dĂŒrften aufgrund des Ausfallrisikos in den nĂ€chsten Monaten zu ermĂ€ĂŸigten Preisen abgesetzt werden.

Update

Wir haben die Passage zu den Verbraucherrechten angepasst und erweitert.

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(sht [6])


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[1] https://www.die-glocke.de/kreis-guetersloh/rheda-wiedenbrueck/artikel/rheda-wiedenbrueck-fahrradhersteller-prophete-insolvent-1671735784
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Prophete-Cargo-Lasten-E-Bike-guenstig-im-Discount-6119937.html
[3] https://www.heise.de/news/Stabiler-Fahrradmarkt-im-Jahr-2021-Anteil-an-E-Bikes-legte-erneut-zu-6550653.html
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