Innenministerium lÀsst Open-Source-Papier verschwinden
Eine im eigenen Haus erstellte Analyse zum Einsatz freier Software war offenbar dem Bundesinnenministerium nicht genehm.
Eine im eigenen Haus erstellte Analyse zum Einsatz freier Software in der Bundesverwaltung war höheren Stellen des Bundesinnenministeriums offenbar nicht genehm. Das Dokument, in dem die eigenen Experten das groĂe Einsparpotential und die Sicherheitsvorteile im Vergleich zu proprietĂ€rer Software aufzeigen, ist auf Weisung "von oben" aus dem Internet verschwunden.
Vergangene Woche hatte die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung fĂŒr Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt [1]) ihren KBSt-Brief 2/2000 mit dem Titel "Open Source Software in der Bundesverwaltung" im Internet zugĂ€nglich gemacht. Die KBSt untersteht dem Bundesinnenministerium (BMI); ihre Briefe dienen dazu, anderen Bundesbehörden Orientierung ĂŒber Entwicklungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der EDV zu geben.
Nachdem heise online ĂŒber den Brief berichtet [2] hatte, wurde der Text vom KBSt-Server genommen, tauchte Anfang dieser Woche noch einmal auf und ist nun offenbar endgĂŒltig verschwunden. Roger Kiel, Sprecher des Innenministeriums, bestĂ€tigte auf Nachfrage von c't, dass der KBSt-Brief auf Weisung des Ministeriums von dem öffentlichen Server entfernt worden ist. Das Papier sei lediglich fĂŒr den internen Gebrauch und nicht fĂŒr die Ăffentlichkeit bestimmt gewesen, sagte Kiel. Die PrĂŒfung des Einsatzes von Open-Source-Software in der Bundesverwaltung sei noch nicht abgeschlossen.
Nun findet sich die Veröffentlichung zwar immer noch in der Liste der KBSt-Briefe [3], der Link fĂŒhrt jedoch ins Leere, wĂ€hrend alle anderen KBSt-Briefe seit 1997 weiterhin zugĂ€nglich sind.
Die Idee, den Einsatz von Open-Source-Software als mögliche Alternative zu kommerzieller Software in der Verwaltung zu prĂŒfen, hatte in Fachkreisen breite Zustimmung gefunden. Daniel Riek, Vorstandsmitglied des Linux-Verbandes LiVe [4], Ă€uĂerte sein Bedauern ĂŒber die Entscheidung des Ministeriums. Der Linux-Verband propagiere schon seit lĂ€ngerem den Einsatz von Open-Source-Software und wĂŒnsche sich eine breite öffentliche Diskussion ĂŒber dieses Thema. "Der KBSt-Brief nennt mit den Kosten- und Sicherheitsvorteilen die Kernargumente, die auch nach unserer EinschĂ€tzung fĂŒr den Einsatz von Open-Source-Software sprechen", sagte Riek zu c't.
AusfĂŒhrlichere Informationen zum Inhalt der Studie finden Sie in der c't-Ausgabe 7/2000.
Siehe auch LinuxTag: Offener Brief an das Innenministerium [5] (odi [6])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.kbst.bund.de/
[2] https://www.heise.de/news/Open-Source-in-der-Bundesverwaltung-21449.html
[3] http://www.kbst.bund.de/papers/briefe/
[4] http://www.linux-verband.de
[5] https://www.heise.de/news/LinuxTag-Offener-Brief-an-das-Innenministerium-23326.html
[6] mailto:odi@ix.de
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