Innenminister fordern "Wegfahrsperre" gegen Handy-Diebstahl
Die Innenminister von Bund und LĂ€ndern wollen dem zunehmenden Klau von Mobiltelefonen entgegentreten und setzen dabei auf die Kooperation mit den Netzbetreibern. "Mehr Datenaustausch" lautet ihr Rezept gegen Einbrecher und Hooligans.
(Bild:Â dpa, Sebastian Kahnert/Illustration)
Die Innenminister von Bund und LÀndern wollen gegen zunehmende Eigentumsdelikte rund um MobilgerÀte vorgehen. "Wir wollen eine Art Wegfahrsperre, um Diebstahl und Raub von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablets unattraktiv zu machen", erklÀrte der Vorsitzende der
Innenministerkonferenz [1] (IMK), der nordrhein-westfĂ€lische Ressortchef Ralf JĂ€ger (SPD), am Freitag nach dem IMK-FrĂŒhjahrstreffen in Bonn. Technische Details nannte er nicht, da das Verfahren gemeinsam "mit den Providern" erst ausgearbeitet werden solle.
Bundesweit sind aktuell mehr als 1,64 Millionen normale Handys und Smartphones im Fahndungssystem der Polizei als gestohlen gemeldet. Allein in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Delikte seit 2009 um das Dreifache auf 67.000 im vergangenen Jahr an. Die Innenminister wollen daher "aktiven Verbraucherschutz" betreiben und der Entwicklung einen Riegel vorschieben.
Kill Switch in der Debatte
Der Bremer Innensenator Ulrich MĂ€urer (SPD) hatte vorab eine zentrale Datenbank ins Spiel gebracht [2], in der die IMEI-Nummern gestohlener GerĂ€te erfasst werden sollten. Mit diesem Vorschlag konnte er sich zunĂ€chst nicht durchsetzen. Den Innenexperten schwebt offenbar eher eine Anti-Diebstahl-Funktion vor, wie sie in den USA unter dem Stichwort "Kill Switch" etwa im Kongress diskutiert wird [3]. Hersteller wie Apple, Google, Microsoft oder Samsung wollen es mit einer eigenen Initiative [4] frĂŒheren Besitzern von Mobiltelefonen ermöglichen, entwendete GerĂ€te aus der Ferne zu deaktivieren und darauf vorhandene Daten zu löschen.
Die IMK hat zudem einen "verstĂ€rkten lĂ€nder- und staatenĂŒbergreifenden Informationsaustausch" beschlossen, um "international vernetzte und mobile Einbrecherbanden" besser bekĂ€mpfen zu können. Auch Lageerhebungen und gesonderte Analysen sollen zu diesem Zweck durchgefĂŒhrt werden. Die
Polizeiliche Kriminalstatistik 2013 hatte zuvor WohnungseinbruchsdiebstÀhle mit einem Anstieg um 3,7 Prozent auf 149.500 FÀlle als spezielles Sorgenkind neben Cybercrime ausgewiesen [5].
Den GefÀhrdern auf dem Fuà stehen
Einen verbesserten Datenaustausch und zusĂ€tzliche Mittel wie Meldeauflagen sehen die Innenminister auch als geeignete MaĂnahmen zum Einhegen von Hooligans an. Beim Umgang mit GewalttĂ€tern bei FuĂballspielen halten sie "eine vernetzte und lĂ€nderĂŒbergreifende Zusammenarbeit" fĂŒr notwendig.
Jeder GefĂ€hrder in diesem Bereich mĂŒsse spĂŒren, "dass ihm die Polizei in ganz Deutschland auf den FĂŒĂen steht", machte JĂ€ger klar. Wichtig sei es, dass bundesweit alle Ermittlungsbehörden "ĂŒber die gleichen Informationen verfĂŒgen, um rechtssichere Auflagen verhĂ€ngen zu können". Genaue Handlungsempfehlungen will die IMK noch erarbeiten. Die BeschlussvorschlĂ€ge [6] fĂŒr das Treffen sahen auch eine verstĂ€rkte Ăberwachung von Rockern dar, wovon im Nachhinein aber zunĂ€chst keine Rede mehr war. (axk [7])
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[1] http://www.mik.nrw.de/innenministerkonferenz-nrw-2014/aktuelles.html
[2] https://www.heise.de/news/Bremer-Innensenator-fordert-bundesweite-Datenbank-fuer-gestohlene-Mobiltelefone-2205038.html
[3] https://www.heise.de/news/US-Politiker-fordern-Kill-Switch-fuer-Mobiltelefone-2113329.html
[4] https://www.heise.de/news/Mobilfunkbranche-schmiedet-globale-Allianz-gegen-Smartphone-Klau-2171479.html
[5] https://www.heise.de/news/Kriminalstatistik-Sorgenkinder-Computersabotage-und-Schadsoftware-2215998.html
[6] https://netzpolitik.org/2014/beschlussvorschlaege-der-bundesinnenministerkonferenz-mehr-social-media-mehr-ueberwachung-mehr-zusammenarbeit/
[7] mailto:axk@heise.de
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