Infineon-AktionÀre sind sauer wegen Schumacher-Abfindung
Viele Infineon-AktionĂ€re sind mit ihrer Geduld am Ende. Die Aktie hat seit ihrem Höchststand weit ĂŒber 90 Prozent ihres Wertes verloren.
Viele Infineon [1]-AktionĂ€re sind mit ihrer Geduld am Ende. Die Aktie hat seit ihrem Höchststand weit ĂŒber 90 Prozent ihres Wertes verloren, im Boomjahr 2004 wurde kaum Geld verdient und fĂŒr das abgelaufene Quartal musste der viertgröĂte Chipkonzern der Welt eine Gewinnwarnung [2] herausgeben. "Ich habe das GefĂŒhl, dass man in diesem Unternehmen der Marktentwicklung immer etwas hinterherhinkt. Das Management reagiert, aber es agiert nicht", kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW [3]) am Dienstag auf der Hauptversammlung in MĂŒnchen. Henning Gebhardt von Deutschlands gröĂter Fondsgesellschaft DWS haut in dieselbe Kerbe: "Infineon ist im Wettbewerb eher Schlusslicht." Es sei nicht erkennbar, wie das Unternehmen den Gewinn nachhaltig steigern wolle.
Die AktionĂ€re nutzten die Gelegenheit zu einer Generalabrechnung mit der Ăra Ulrich Schumacher [4]. "Gott sei Dank sind wir endlich diesen unsĂ€glichen Schumacher los", sagte ein KleinaktionĂ€r. Der im MĂ€rz abgelöste Vorstandschef Schumacher hatte das Unternehmen im MĂ€rz 2000 zum Höhepunkt der New-Economy-Euphorie an die Börse gebracht. An der Wall Street fuhr er zur AktieneinfĂŒhrung mit dem Porsche vor. Die Anleger, die vielfach nichts ĂŒber das riskante ChipgeschĂ€ft wussten, rissen sich um die Papiere. Der Ausgabepreis lag bei 35 Euro, in der Spitze kosteten die Infineon-Aktien mehr als 90 Euro.
Inzwischen ist lĂ€ngst Katerstimmung eingekehrt. Die Geschichte von Infineon sei "Kapitalvernichtung de luxe", sagte ein AktionĂ€r. "Mein Geld arbeitet seit Jahren ehrenamtlich bei Infineon." Er und andere Anteilseigner forderten, Schumacher fĂŒr das abgelaufene GeschĂ€ftsjahr nicht zu entlasten. Trotz der Neugier der AktionĂ€re blieben die HintergrĂŒnde der Trennung von Schumacher auch auf der Hauptversammlung weitgehend im Dunklen. Es habe sowohl persönliche GrĂŒnde gegeben als auch unterschiedliche Ansichten ĂŒber die Ausrichtung des Unternehmens, sagte Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Schumacher habe fĂŒr die Auflösung seines Vertrags im Dezember [5] eine Abfindung von 5,25 Millionen Euro erhalten.
Der neue Vorstands-Chef, der frĂŒhere Conti-Vize Wolfgang Ziebart, ist seit September im Amt [6]. Er bekam durchaus einen Vertrauensvorschuss von den AktionĂ€ren. "Lieber wird Infineon von einem echten Vollblutmanager gefĂŒhrt als von einem Amateur-Rennfahrer", sagte DSW-Sprecherin Bergdolt. Allerdings sei die Geduld der AktionĂ€re endlich. Allein mit Kostensenkungen könne das Unternehmen nicht in eine profitable Zukunft gefĂŒhrt werden.
Im vergangenen Jahr hatte Infineon mitten im Halbleiter-Boom einen mageren Gewinn von 61 Millionen Euro gemacht. Inzwischen befindet sich die schwankungsanfĂ€llige Branche schon wieder im Abschwung. Allerdings wiesen Anteilseigner darauf hin, dass andere Unternehmen trotz des schwierigen Branchenumfelds ordentlich Geld verdienen. "Wie kann die LĂŒcke zu Unternehmen wie Samsung oder Micron geschlossen werden?", fragte Gebhardt von der DWS. Ziebart bat um Geduld. Er ist sicher: "Wir sind auf einem guten Weg und haben viel Potenzial." (Axel Höpner, dpa) / (tol [7])
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[3] http://www.dsw.info
[4] https://www.heise.de/news/Schumacher-Ruecktritt-Der-Porsche-ist-aus-der-Bahn-geschleudert-96069.html
[5] https://www.heise.de/news/Infineon-einigt-sich-mit-Ex-Chef-Schumacher-auf-Abfindung-123731.html
[6] https://www.heise.de/news/Infineon-Chef-Ziebart-tritt-an-103103.html
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