Im Lamborghini Aventador LP700-4 durch Raum und Zeit
Knapp 1,14 Meter ragt die neueste Kreation von Lamborghini in die Höhe. Der Aventador LP700-4 mit 700 PS starkem V12 absolviert den Sprint in 8,9 Sekunden – auf Tempo 200, versteht sich
Sant'Agata Bolognese (Italien), 5. Oktober 2011 – Nur knapp 1,14 Meter ragt die neueste Kreation von Lamborghini in die Höhe – damit reicht er manch einem Basketballer gerade bis zur Hüfte. Die Rede ist vom Aventador LP700-4, der auf besondere Weise den Tiefstapler gibt: Ein Auto, das in weniger als zehn Sekunden auf 100 km/h kommt, finden Durchschnittsfahrer schon ganz flott. Unsere Flunder braucht 8,9 Sekunden – um Tempo 200 zu erreichen.
Ecken und Kanten
Der Aventador ist auf Anhieb als Lamborghini zu erkennen: Eine Kombination aus Ecken, Kanten und Plattenlook gibt dem Wagen aus Norditalien sein unverwechselbares Aussehen. Über zwei Meter Breite versprechen schon optisch eine kaum zu übertreffende Straßenlage, und die Karbon-Heckklappe mit der stufenförmigen Motorabdeckung aus Glas sowie die Rückleuchten mit einer Nachtgrafik im Propeller-Design lassen selbst den Einheimischen die Augen übergehen: Jeder dreht sich um, egal wie alt, egal ob Frau oder Mann. Bei unserem Fotostopp in der Nähe des Örtchens Samone kommt eine Seniorin extra aus ihrem Haus, um schnell ein paar Fotos vom Wagen zu schießen.
Im Lamborghini Aventador LP700-4 durch Raum und Zeit (0 Bilder) [1]
Auch für Große geeignet
Erstmal in Fahrt, kann unser Aventador sein Äußeres in Transformer-Manier verändern: Ab einer Geschwindigkeit von 70 km/h fährt am Heck ein ansonsten beinahe unsichtbarer, weil perfekt in die Karosserie integrierter, Spoiler aus. Und wenn es dem Motor zu heiß wird, stellen sich im hinteren Seitenbereich große Klappen auf, um kühlende Luft zur Verbrennungsmaschine zu leiten. In den Innenraum des Sportlers gelangen wir über eine extrem breite Schwelle. Sitzen wir im Auto, ist von dieser Schwelle nichts mehr zu sehen – den Panzerschrank-dicken Türen sei Dank. Diese öffnen sich nach oben, der innere Türöffnungs-Griff sitzt in der Schwelle und schwingt nicht mit hoch. Platz gibt es im Aventador auch für große Menschen – sowohl die Kopf- als auch die Beinfreiheit gehen in Ordnung.
Plattenbau
Das Ledergestühl unseres Wagens gibt guten Seitenhalt für Beine und Rücken. Dabei bleibt es auch auf längeren Strecken recht bequem – wir steigen nach mehreren hundert Kilometern Fahrt nicht wie gerädert aus dem Lambo. Allerdings könnten wir uns für einen 350-km/h-Renner noch sportlichere Sitze vorstellen. Das Lenkrad ist schön klein und dick, die dahinter angeordneten Metall-Schaltpaddles sehen zwar stylisch aus, drehen sich beim Lenken aber nicht mit. Auffällig: Der Blinkhebel hängt auf der linken Seite rekordverdächtig tief, im Fall unseres Testfahrers in Kniehöhe. Allerdings kann man sich leicht daran gewöhnen, als störend empfinden wir diese Eigenheit nicht. Das Armaturenbrett nimmt die Plattenbauweise der Außenhaut auf, die steil aufsteigende Mittelkonsole scheint sich der Platten-Front entgegenzustemmen. Was niemandem verborgen bleibt: Die sensationelle Außenform des Lamborghini führt zu einer sensationellen Unübersichtlichkeit. Ohne die serienmäßige Rückfahrkamera geht gar nichts. Ihr Bild könnte ein bisschen hochauflösender sein, und wenn die Sonne auf den Bildschirm scheint, ist kaum noch etwas zu erkennen.
Raketen-Startknopf
Die Navi-Bedienung sitzt in der Mittelkonsole und erinnert ein wenig an das MMI (Multi Media Interface) von Audi – kein Wunder, schließlich gehören beide Marken zum Volkswagen-Konzern. Ebenfalls in der Mittelkonsole beheimatet: der unter einer metallicroten Abdeckung verborgene Startknopf. Diese Art Zündhebel nimmt schon optisch die Schubwirkung vorweg, die nach dem Anlassen einsetzt. Die gesamte Kabine ist stimmig gestaltet, passt ausgesprochen gut zum Kleid des Italieners. Und die Verarbeitungs-Qualität liegt auf Audi-Niveau, kann sich also sehen lassen. Nur die Lüftungsdüsen sind ein wenig schmucklos geraten – Mercedes hat beispielsweise mit dem SLS AMG vorgemacht, wie solche Düsen zum Show-Objekt werden. Gut hingegen: In den Gepäckschacht unter der Fronthaube passen mindestens zwei Flugzeugtrolleys.
Zweite Etage bitte
Was wir bei jeder Unebenheit merken: Der Aventador ist extrem steif. Das leichte Karbon-Chassis ist zugleich sehr verwindungssteif, was natürlich dem Fahrverhalten zugutekommt. Die Härte des Chassis wird vom Fahrwerk mit Pushrod-Aufhängung aufgenommen: Selbst beim hitzigen Kurvenzirkeln rund um Samone wankt der Italiener scheinbar keinen Millimeter. Außerdem können wir auf der Mittelkonsole mittels zweier Drückknöpfe zwischen den Einstellungen "Strada", "Sport" und "Corsa" hin- und herschalten. Strada hilft uns, auch lange Strecken ohne zu brutales Geruckel durchzuhalten. Sport ist perfekt für die ambitionierte Spitzkehre und Corsa gibt den Insassen die ultimative Rennhärte. Die Bodenfreiheit des Aventador beträgt ganze zwölf Zentimeter, was dem Fahrer beim Befahren von Rampen Sorgen bereiten könnte. Zum Glück ist ein Hebesystem für die Vorderachse serienmäßig mit an Bord. Per Knopfdruck steigt die Bodenfreiheit vorne um fünf Zentimeter – womit auch das Abfahren auf tiefer gelegene Feldwege problemlos gelingt. Das Heben und Senken funktioniert auch während der Fahrt. Lenken lässt sich unser Sportwagen ausgesprochen präzise. Der Lenkwiderstand geht in Ordnung, könnte aber für einen Supersport-Boliden noch einen Tick härter ausfallen.
Kraft satt
Der Motor unseres Aventador sitzt hinter den maximal zwei Passagieren: Zwölf Zylinder verreichten ihre Arbeit in insgesamt 6,5 Liter Hubraum. Schon das Anlassen ist ein Statement. Der Gasfuß steht auf der Bremse, wir klappen den kleinen roten Schutzdeckel hoch und drücken den Startknopf. Ein auch nur halbwegs leiser Start im morgendlich verschlafenen Wohngebiet ist nicht vorgesehen. Sobald die Maschine zum Leben erweckt ist, macht sie klar, wer Chef im Ring ist. 700 PS müssen irgendwie im Zaum gehalten werden. Die Leistung reicht für den Spurt von null auf 100 km/h in 2,9 Sekunden – unter drei Sekunden, ein Fabelwert für einen 1,5-Tonner. Maximal sind 350 km/h drin. Bei jedem Gasstoß haut der Aventador los – selbst Sportwagen-Kennern gibt er noch einen Kick.
Windmaschine
Die vier Endrohre des Aventador werden mittig am Heck in einer riesigen trapezförmigen Blende zusammengefasst. Auch wenn man drei Meter entfernt vom Fahrzeugheck steht, ist noch ein kräftiger Abgaswind spürbar, wenn der Fahrer aufs Gas tritt. Der Aventador grollt kernig vor sich hin, gibt akustisch genaue Rückmeldung über seinen Gemütszustand. Feinste Pedalbewegungen reichen für einen ordentlichen Schub – und der Kick-down führt zu brutalem Kreischen und zu dem Gefühl, dass der Asphalt hinter den Rädern Wellen schlägt. Den Normverbrauch gibt Lamborghini übrigens mit 17,2 Litern pro 100 Kilometer an – entsprechend 398 g/km CO2.
Traktion und Neutralität
Wirklich gut: Die immensen Momente leitet der Aventador über seine breiten Gummiwalzen nahezu verlustfrei in den Fahrbahn-Belag – dem Allradantrieb sei Dank. Der Vierradantrieb ist auch verantwortlich dafür, dass sich der Italiener in Kurven ausgesprochen neutral verhält. Unter- oder gar Übersteuern sind nicht drin. Selbst Anfänger würden mit dem Wagen ganz gut zurechtkommen – wenn sie sich von unten rantasten und brav im "Strada"-Modus bleiben.
Automatisierte Schaltung: hier passts
Mit den 690 Nm maximalem Drehmoment des Zwölfzylinder-Motors muss ein automatisiertes Siebengang-Getriebe fertig werden. Dieses knallt die Gänge spürbar rein. Bei "Sport" und "Corsa" werden die Stufen noch weiter ausgedreht. Automatisierte Schaltgetriebe haben traditionell einen überschaubaren Freundeskreis – wir gehörten nicht dazu. Egal ob Smart Fortwo oder der alte BMW M5/M6: Die Schaltvorgänge verlaufen unharmonisch oder schicken einen spürbaren Ruck der Länge nach durch den Wagen. Beim Aventador sehen wir das erstmals anders: Das Gängereinhauen passt zum Über-Sportler, verleiht ihm den letzten Schuss Bissigkeit und Charisma. Weichspülerei ist beim Aventador noch nicht angekommen – und der monstermäßige V12 hat in der Schaltung seinen passenden Partner gefunden.
Datenblatt
| Motorart | Ottomotor |
| Zylinder | 12 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 6.498 |
| Leistung in PS | 700 |
| Leistung in kW | 515 |
| bei U/min | 8.250 |
| Drehmoment in Nm | 690 |
| bei U/min | 5.500 |
| Autonews Datenblatt-ID | 30825 |
| Vollkasko-Klasse | N34 (vorläufig) |
| Schadstoffklasse | Euro 5 |
| CO2-Emission in g/km | 398 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 11,3 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 27,3 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 17,2 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 2,9 |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 350 |
| Kraftstoffart | Super |
| Tankinhalt in Liter | 90 |
| Zuladung in kg | 230 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1.575 |
| Radstand in mm | 2.700 |
| Höhe in mm | 1.136 |
| Breite in mm | 2.030 |
| Länge in mm | 4.780 |
| Bodenfreiheit in mm | 120 |
| Lenkung | Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, drei Servotronic-Kennlinien |
| Räder, Reifen hinten | 335/30 ZR 20 auf 20 x 12J |
| Räder, Reifen vorn | 235/35 ZR 19 auf 19 x 9J |
| Wendekreis in m | 12,5 |
| Bremsen hinten | Carbon-Ceramic-Bremsscheiben, innen belüftet, gelocht, 380 x 38 mm |
| Bremsen vorn | Carbon-Ceramic-Bremsscheiben, innen belüftet, gelocht, 400 x 38 mm |
| Radaufhängung hinten | querliegende Monotube-Dämpfer mit Pushrod-System |
| Radaufhängung vorn | querliegende Monotube-Dämpfer mit Pushrod-System |
| Spurweite hinten in mm | 1.700 |
| Spurweite vorn in mm | 1.720 |
| Kraftverteilung | variabel |
| Getriebe | automatisiertes Schaltgetriebe |
| Gänge | 7 |
| Antrieb | Allradantrieb (permanent) |
| Modell | Lamborghini Aventador LP700-4 |
Preisliste
| Liftanlage für die Vorderachse | Serie |
| schlüsselloser Zugang/schlüsselloser Start | Serie |
| Liftanlage für die Vorderachse | Serie |
| schlüsselloser Zugang/schlüsselloser Start | Serie |
| Modell | Lamborghini Aventador LP700-4 |
| Xenon-Scheinwerfer | Serie |
| Lederausstattung | Serie |
| Leichtmetallfelgen | Serie (vorne 19, hinten 20 Zoll) |
| MP3 | Serie |
| CD-Player | Serie |
| Navigationssystem | Serie |
| Automatikgetriebe | Serie (automatisiertes Schaltgetriebe) |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Klimaautomatik | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Grundpreis | 312.970 |
| Währung | Euro |
| ESP | Serie |
| ABS | Serie |
| ASR | Serie |
(imp)
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1352143
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/bilderstrecke/4731168.html?back=1352143;back=1352143
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4731168.html?back=1352143;back=1352143
Copyright © 2011 Heise Medien