ITU erarbeitet Update der Cybercrime-Konvention
Eine Arbeitsgruppe der International Telecommunicaton Union will in den nĂ€chsten Monaten einen globalen Rechtsrahmen fĂŒr den Kampf gegen Cybercrime entwickeln.
Einen globalen Rechtsrahmen fĂŒr den Kampf gegen Cybercrime will eine vom GeneralsekretĂ€r der International Telecommunicaton Union (ITU), Hamadoun TourĂ©, einberufene Expertengruppe [1] ausarbeiten. Das sagten TourĂ© und der norwegische Richter Stein Schjolberg [2] nach dem ersten Treffen der "High Level Group on Cybercrime" am vergangenen Freitag. Laut Schjolberg könne die Cybercrime-Konvention [3] eine Richtschnur sein, allerdings gebe es neue Bedrohungen im Netz, an die man bei Abfassung der Konvention nicht gedacht habe. Im Gegensatz zum Internet sei die Konvention "nicht dynamisch".
Der im vorigen Jahr neu gewĂ€hlte TourĂ© hatte unter dem Titel "Global Agenda on Cybersecurity [4]" das Thema Sicherheit zu einem Schwerpunktthema [5] der ITU erklĂ€rt. Erstmals tagte am Freitag die von TourĂ© einberufene Expertengruppe, an der Vertreter der ITU-Mitgliedsstaaten, der Industrie, der Wissenschaft und zivilgesellschaftlicher Gruppen teilnahmen. Die rund fĂŒnfzig Mitglieder beschlossen die Einrichtung von fĂŒnf Arbeitsgruppen, die sich um rechtliche, technische, organisatorische und um Fragen der internationalen Zusammenarbeit und der AufklĂ€rung und Fortbildung kĂŒmmern sollen. Die technische Gruppe wird dabei von einem Vertreter von Intel zusammen mit einem estnischen Regierungsvertreter geleitet. Ein erster Zwischenbericht ist fĂŒr Mai kommenden Jahres geplant.
"Wir wollen einen Vorschlag fĂŒr eine Modellgesetzgebung ausarbeiten, die global anwendbar ist, dabei aber interoperabel mit bestehenden nationalen und regionalen Regeln", sagte Schjolberg in seiner Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Recht. Die Attacken [6] auf Regierungs-, Banken- und Privatseiten in Estland, ĂŒber die sich die Teilnehmer ebenfalls informierten, habe gezeigt, dass zusĂ€tzliche MaĂnahmen notwendig seien. Bei der Abfassung der Cybercrime-Konvention des Europarates seien beispielsweise Phishing und Pharming noch nicht bekannt gewesen. Die Konvention sei ein EU-GewĂ€chs, einige Staaten sĂ€hen es aber gerne, wenn die UN sich des Themas annĂ€hme. Allerdings betonten TourĂ© und Schjolberg auch, dass man das "Rad nicht neu erfinden", sondern im wesentlichen LĂŒcken schlieĂen wolle.
In manchen LĂ€ndern gebe es noch keine Gesetzgebung gegen ComputerkriminalitĂ€t, erlĂ€uterte TourĂ©. Sein Ziel sei es, bis 2009 eine globalen Rahmen geschaffen zu haben, auf dessen Basis weltweit nationale Behörden fĂŒr Sicherheit im Netz sorgten. Diese sollten ihrerseits dann bei der BekĂ€mpfung von Spam und anderen Bedrohungen Hand in Hand arbeiten. Globale Probleme wie CyberkriminalitĂ€t erforderten globale Antworten. Nicht debattiert worden sei beim ersten Treffen ĂŒber Terrorismus im Internet, sagten Schjolberg und TourĂ©. "Wir nehmen an, dass Terroristen das Netz fĂŒr ihre Rekrutierung, Propaganda oder fĂŒr Finanzierungszwecke nutzen", sagte Schjolberg. Einen dokumentierten Fall von "Cyberterrorismus" gebe es aber noch nicht.
Mit der "Global Agenda on Cybersecurity" will TourĂ© praktische Lösungen vorantreiben, politische Diskussionen dagegen meiden. Die Definitionen davon, was Terrorismus sei, variierten von Staat zu Staat. Das gleiche gelte fĂŒr Pornographie. Was in dem einen Land verboten sei, falle in einem anderen unter die Meinungsfreiheit. Ideologische und politische Debatten könnten die von ihm geplanten Lösungen dagegen verzögern. Tony Rutkowski, Vice President Regulatory Affairs and Standards bei VeriSign, warnte davor, zu sehr auf das Thema Cybercrime zu starren, vielmehr solle man auf die Verbesserung der Netzsicherheit schauen.
In einem Punkt gab TourĂ© auf Journalistenfragen die diplomatische ZurĂŒckhaltung allerdings noch auf. Auf die Situation in Burma [7] angesprochen sagte der ITU-GeneralsekretĂ€r: "Keine Regierung hat das Recht, ihrer Bevölkerung den Zugang zum Netz abzuschneiden." Denn der sei, wie auch UN-GeneralsekretĂ€r Ban Ki Moon mehrfach erklĂ€rt habe, ein Menschenrecht. (Monika Ermert) / (anw [8])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-182615
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.itu.int/osg/csd/cybersecurity/gca/hleg/
[2] http://www.cybercrimelaw.net/content/author.html
[3] https://www.heise.de/news/Europarat-verabschiedet-Cybercrime-Abkommen-52440.html
[4] http://www.itu.int/osg/csd/cybersecurity/gca/
[5] https://www.heise.de/news/ITU-will-sich-um-Cybersecurity-und-die-Bekaempfung-der-digitalen-Spaltung-kuemmern-134463.html
[6] https://www.heise.de/news/DDoS-Angriffe-auf-estnische-Server-waren-kein-Cyberwar-138918.html
[7] https://www.heise.de/news/Regime-in-Birma-kappt-Internet-Verbindungen-180223.html
[8] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2007 Heise Medien