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IPv6-Adressen von TLD-Nameservern sollen in die DNS-Rootzone

Monika Ermert

RIPE-Technikspezialist Daniel Karrenberg fordert die ICANN zu schnellem Handeln auf.

Beim RIPE-Treffen [1] vergangene Woche in Amsterdam forderte Daniel Karrenberg, Technikspezialist beim RIPE NCC, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN [2]) solle sich endlich dazu entschließen, IPv6-Adressen fĂŒr DNS-Nameserver in die Root einzutragen.

Schon seit zwei Jahren wachse die Liste der Betreiber verschiedener Top Level Domains, die zusĂ€tzlich zu ihren IPv4-Nameservern auch IPv6-Nameserver zur VerfĂŒgung stellen wollen, so seine Kritik. Doch bislang zögern die ICANN-Verantwortlichen im Hauptquartier in Marina del Rey unter Hinweis auf die mögliche technische InstabilitĂ€t. Karrenberg reagierte darauf beim RIPE-Treffen mit der PrĂ€sentation von Ergebnisse der Untersuchung Adding IPv6 glue to the Rootzone [3], die er bereits im Oktober 2003 abgeschlossen hatte. Diese besagt, dass fĂŒr die Mehrzahl der TLD-Nameserver die Eintragung problemlos möglich sei.

In dem Papier erklĂ€rte Karrenberg, dass die BeschrĂ€nkung von DNS-Nachrichten auf 512 Byte (RFC 1035) ein Problem darstellt: In die per UDP versandten PĂ€ckchen mĂŒssen sowohl die Anfrage selbst als auch die Antwort auf diese Anfrage passen. Alle Informationen, die sozusagen hinten ĂŒberstehen, werden im Zweifelsfall abgeschnitten. Ist dabei die IP-Adresse des gesuchten Servers, geht die Anfrage ins Leere. Die lĂ€ngeren IPv6-Adressen brauchen bekanntermaßen mehr Platz, 16 Octets. Sollen fĂŒr eine Zone also zusĂ€tzlich IPv6-Adressen mit der Antwort versendet werden, kann es eng werden. Im schlechtesten Fall erhĂ€lt der anfragende Server eine unvollstĂ€ndige Antwort, und sendet die Fragen immer wieder.

Laut der Studie gehören die Top Level Domains der DeNIC [4] zu denen, bei denen Vorsicht geboten ist. Ein zusĂ€tzlicher Eintrag fĂŒr die de-Zone ist zwar möglich, ab zwei v6-EintrĂ€gen verzeichneten Karrenberg und die Kollegen allerdings 0,7, ab 3 0,9 Prozent drops. Damit schneidet die DeNIC-Domains verglichen mit .com oder .mil sogar noch gut ab, dort liegt ab drei v6-ServereintrĂ€gen die Fehlerrat bei 16 beziehungsweise 21 Prozent. Das gilt ebenfalls fĂŒr den zentralen Rootserver.

DeNIC-Vorstand Andreas BĂ€ĂŸ wies die Studie im GesprĂ€ch mit heise online zurĂŒck. Sie sei ĂŒber einen kurzen Zeitraum erstellt worden, deshalb sei sie nicht representativ, sagt er. Die DeNIC habe das Problem bereits adressiert und durch die VerkĂŒrzung lĂ€ngerer Nameserver-Namen wieder Bytes freigemacht, fĂŒgte er hinzu. In Amsterdam schlug BĂ€ĂŸ vor, per Anycast die Zahl der sichtbaren Server zu verkleinern. Auch dadurch wĂŒrden die glue-Informationen zu den .de-Servern in der .de-Zone wieder kleiner. Sobald auch innerhalb der .de-Zone mehr Ipv6-Adressen eingetragen werden, werde auch hier das Problem virulent. EndgĂŒltig gelöst werde es erst, wenn mit der weiteren Verbreitung von IPv6 durch den Umstieg auf das Protokoll EDNS0 (Extension Mechanisms for DNS, RFC 2671 [5]) die GrĂ¶ĂŸenbeschrĂ€nkung der UDP-Nachrichten aufgehoben werde, sagte der Vorstand.

Nach Ansicht von Karrenberg ist bei der ĂŒberwiegenden Mehrzahl der Nameserver der zusĂ€tzliche Eintrag von 5 v6-Adressen schon jetzt problemlos möglich. Vom frischgebackenen IANA-Manager [6] Doug Barton wollte Karrenberg daher wissen, wann sich ICANN in dieser Fragen bewegen werde. Ein Vorschlag fĂŒr das weitere Vorgehen habe ICANN's Root Server Advisory Committee schon vorgelegt. Sobald wie möglich sollen sich die ICANN-Direktoren damit befassen. "Das Verfahren lĂ€uft," versicherte Barton. Inwieweit der IANA-Manager allerdings rasch eine Änderung der glue-Informationen vornehmen könne, wenn Not am Mann sei, das mĂŒsse man zum Beispiel noch diskutieren. (Monika Ermert)/ (tol [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-92799

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ripe.net
[2] http://www.icann.org
[3] http://www.nlnetlabs.nl/ipv6/publications/v6rootglue.pdf
[4] http://www.denic.de
[5] ftp://ftp.rfc-editor.org/in-notes/rfc2671.txt
[6] http://www.iana.org/
[7] mailto:tol@heise.de