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IP-Adressen: Letzter IPv4-Block Europas geht zur Neige

Daniel AJ Sokolov
Screenshot von Netzwerk-Einstellungen

Europa hat kaum noch freie IPv4-Adressen. Der letzte europÀische /8-Block ist zu 99,8% verteilt. Anderswo sieht es nicht besser aus; lediglich in Afrika gibt es noch einen kleinen Vorrat.

Europa gehen die IPv4-Adressen aus. Der letzte Europa zugeteilte Block von 16,7 Millionen IPv4-Adressen ist praktisch weg. Mit Stand vom Dienstag sind davon nur noch rund 40.000 Adressen oder etwa zwei Promille des 185/8-Blocks verfĂŒgbar. Das geht aus einer am Donnerstag von der europĂ€ischen IP-Adressverwaltung RĂ©seaux IP EuropĂ©ens (RIPE) veröffentlichten Statistik [1] hervor. Der Gesamtbestand nicht zugeteilter europĂ€ischer IPv4-Adressen liegt erstmals unter zehn Millionen.

Von der globalen IP-Adressverwaltung IANA wird es keinen namhaften Nachschub geben. Sie hat bereits 2011 die letzten /8 [2]-Adresssblöcke (Legacy-"Class-A"-Netze [3]) den regionalen Adressverwaltungen ĂŒbertragen. RIPE erhielt damals den mit 185 beginnenden Block. Seither kommen von der IANA nur noch homöopathische Dosen [4] aus zurĂŒckgeholten BestĂ€nden. Im letzten Halbjahr erhielt RIPE von der IANA gerade einmal 2040 IPv4-Adressen, die auf sieben verschiedene Bereiche verstreut sind. Um solche "EinzelstĂŒcke" reißen sich die Provider traditionell nicht, weil ihre Nutzung ineffizient ist.

Durch eine sehr restriktive Vergabepolitik versucht RIPE, Zeit zu gewinnen. Der 185/8-Block wurde seit September 2012 in winzigen HÀppchen von jeweils 1024 Adressen an europÀische Provider verteilt. ProviderunabhÀngige Zuteilungen gibt es seither nicht mehr. Nun ist auch die 185/8-Suppe gegessen. RIPE bleibt die Resteverwertung.

Balkendiagram

Die jĂŒngste RIPE-Statistik ĂŒber verfĂŒgbare IPv4-Adressen. Der verschwundene dunkle Bereich ist der 185/8-Block, der als 2011 als letzter an Europa vergeben wurde.

(Bild: RIPE)

Manchmal gelingt es der Organisation, IPv4-Adressen zurĂŒckzuholen, etwa wenn ein ISP zusperrt, oder im unwahrscheinlichen Fall, dass ein anderer Adresseinhaber Adressen zurĂŒckgibt. ZurĂŒckgeholte Adressen landen zunĂ€chst in QuarantĂ€ne. Nach einiger Zeit kann RIPE diese Adressen wieder anderen ISP zuteilen. In diesem Topf waren am Dienstag aber auch nur noch etwa 9,1 Millionen IPv4-Adressen zur VerfĂŒgung.

In QuarantĂ€ne waren zuletzt 820.000 Adressen, die aber zum weitaus ĂŒberwiegenden Teil fĂŒr Sonderzwecke reserviert sind. Selbst diesen Bestand eingerechnet ergibt das weniger als zehn Millionen nicht zugeteilte IPv4-Adressen. Das ist ein historischer Tiefstand.

Bei den anderen regionalen Adressverwaltungen sieht es nicht besser aus: Die American Registry for Internet Numbers (ARIN) hat eine Warteliste [5] mit knapp 200 EintrĂ€gen, beim Asia-Pacific Network Information Centre (APNIC) sind es sogar an die 500 [6]. Vom Latin America and Caribbean Network Information Centre (LACNIC) liegt keine aktuelle VerfĂŒgbarkeitsstatistik vor; dort wurde bereits im Februar 2017 die höchste "DĂŒrrewarnstufe" ausgerufen. Lediglich AFRINIC hat noch gut zwölf Millionen [7] IPv4-Adressen zur VerfĂŒgung.

Es gibt einen Ausweg: IPv6 [8].

tipps+tricks zum Thema:

(ds [11])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.ripe.net/publications/ipv6-info-centre/about-ipv6/ipv4-exhaustion/ipv4-available-pool-graph
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Classless_Inter-Domain_Routing
[3] https://tools.ietf.org/html/rfc4632
[4] https://www.iana.org/assignments/ipv4-recovered-address-space/ipv4-recovered-address-space.xhtml
[5] https://www.arin.net/resources/request/waiting_list.html
[6] https://www.apnic.net/get-ip/get-ip-addresses-asn/unmet-ipv4-requests/#waiting-list-table
[7] https://www.afrinic.net/en/services/statistics/ipv4-exhaustion
[8] https://www.heise.de/thema/IPv6
[9] https://www.heise.de/tipps-tricks/Wie-finde-ich-meine-IP-Adresse-unter-Windows-heraus-3823461.html
[10] https://www.heise.de/tipps-tricks/IP-Adresse-unter-Mac-OS-X-herausfinden-3823527.html
[11] mailto:ds@heise.de