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IDF: Rabiater Rambus-Ramp (Update)

Andreas Stiller

Intel hält unverdrossen an Rambus als Speichersystem der ersten Wahl bei Desktop-Systemen fest.

Intel hält unverdrossen an Rambus als Speichersystem der ersten Wahl bei Desktop-Systemen fest, auch wenn für den Pentium 4 SDRAM und DDR-RAM verfügbar sein wird. Das machte Intel-Fellow und emphatischer Rambus-Proponent Pete Williams unmissverständlich auf der traditionellen Memory Upgrade Session des Intel Developer Forum (IDF [1]) klar.

Im Sommer soll zwar der Brookdale-Chipsatz [2] für Pentium 4 mit SDRAM-Unterstützung herauskommen, aber wegen seiner beschränkten Bandbreite nur für den so genannten "Value"-Markt. Insgesamt erwartet Williams, dass Pentium-4-Systeme mit SDRAM nur ein Drittel des Gesamtmarktes für 2001 ausmachen dürften, was angesichts des späten Starts der preiswerten SDRAM-Konkurrenz ja so wenig nicht ist. Double-Data-Rate-Speicher (DDR-SDRAM), den Brookdale im ersten Halbjahr 2002 unterstützen soll, ist nur für Server vorgesehen. Und Intel wäre nicht Intel, wenn sich der Konzern einfach so den maßgeblich von AMD beeinflussten DDR-Spezifikationen unterwerfen würde. Hier hat Intel ähnlich wie seinerzeit bei PC133 eigene "Korrekturen" beziehungsweise "Klärungen" des vorhandenen JEDEC-Standards angemeldet.

Die geladenen Vertreter befreundeter Speicherhersteller standen Gewehr bei Fuß und verkündeten, den von Intel angekündigten aggressiven "Ramp" voll mitfahren zu wollen. Elpida [3], die Speichertochter von NEC und Hitachi, will ohne genaue Zahlenangaben den Rambus-Speicher aggressiv starten. Samsung, die Nummer eins im Speichergeschäft, will von 60 Millionen Rambus-Chips im Jahr 2000 auf 240 Millionen in diesem Jahr aufrüsten und erwartet etwa 30 Prozent Rambus-Anteil am Gesamtspeichergeschäft Ende des Jahres. Innovationsfreudig will Samsung dieses Jahr auch bereits mit Gigahertz-Rambus-Modulen aufwarten.

Am stärksten will sich aber Toshiba auf den hauptsächlich von Intel und Sony mit der Playstation 2 angeheizten Rambus-Markt stürzen. Von 20 Prozent Rambus-Speicher im ersten Quartal wollen die Japaner den Anteil auf 60 Prozent im 4. Quartal steigern – bekundeten sie zumindest auf dem IDF.

Im nächsten Jahr soll bei allen Speicherherstellern die Rambus-Wunderwaffe 4i ins Feld ziehen. 4i steht für vier unabhängige ("independent") Bänke. Aktuelle Rambus-Designs haben 16 oder sogar 2×16 Bänke, die jedoch paarweise einen gemeinsamen Vorverstärker (sense amplifier) benutzen und daher "dependent" (d) sind. Der Vorteil der 4i-Rambus-Chips ist, dass sie weniger Kontroll-Overhead und daher einen kleineren Chip-Kern (Die) benötigen, was sie preiswerter macht.

Aktuelle 16d-Rambus-Designs haben bis zu 25 Prozent größere Dies als SDR-RAMs; DDR-RAMs liegen je nach Organisation 5 bis 10 Prozent über den Single-Data-Rate-Brüdern. 4i-Rambus-Dies sollen nur ein paar Prozent über den SDR-RAMs liegen. Laut Williams führt die Reduzierung der Bänke bei 4i auch zu keiner Performance-Einbuße. Mit 4i, so rechnete Toshiba vor, bekommt Rambus das beste Preis/Leistungs-Verhältnis, wobei allerdings als Hauptfaktor die Anzahl gefertigter Chips in die Rechnung eingeht – und die will Toshiba ja massiv Richtung Rambus verschieben. (as [4]/c't) (jow [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-40319

Links in diesem Artikel:
[1] http://developer.intel.com/idf
[2] https://www.heise.de/news/Intel-streicht-Chipsaetze-und-verschiebt-USB-2-0-30750.html
[3] https://www.heise.de/news/NEC-Hitachi-heisst-jetzt-Elpida-Memory-27605.html
[4] mailto:as@ct.heise.de
[5] mailto:jow@ct.de