ICANN und VeriSign einigen sich über neue Registry-Dienste
Die Internet-Verwaltung ICANN und VeriSign, nach Übernahme und späterem Verkauf von Network Solutions heute noch Besitzer der Registry-Dienste etwa für .com und .net, haben einen über Jahre dauernden Disput beendet.
Die Internet-Verwaltung ICANN [1] und VeriSign [2], nach Übernahme und späterem Verkauf von Network Solutions heute noch Besitzer [3] der Registry-Dienste etwa für .com und .net, haben einen über Jahre dauernden Disput beendet. Mit einer zwischen den beiden Streithähnen ausgehandelten Vereinbarung [4] sollen nun klare Regeln definiert sein, wie neue Dienste bei den Registrierungsdatenbanken für Web-Adressen (Registry) eingeführt werden können.
Entzündet hatte sich der Streit, als VeriSign den SiteFinder einführte: Anfragen nach nicht vergebenen .com- und .net-Adressen oder auch bei einfachen Vertippern bei der Adress-Eingabe wurden auf VeriSigns eigenen Suchdienst umgeleitet [5]. Dieser "Service" geriet schnell in die Kritik auch bei den Standardisierungsgremien [6] des Internet; das Internet Architecture Board (IAB) befürchtete etwa negative Auswirkungen auf die Stabilität des DNS und auf das vorhersagbare Verhalten von Usern, aber auch auf Anwendungen wie Spam-Filter.
Auf Druck der ICANN wurde SiteFinder Anfang Oktober 2003 vom Netz genommen. Im Februar 2004 ging VeriSign gegen ICANN vor Gericht, um sich gegen das Verbot des SiteFinder-Dienstes zu wehren: ICANN habe sein Mandat als technisches Koordinierungsgremium überschritten und geriere sich mehr und mehr als De-facto-Regulierer, hieß es bei VeriSign. Die Organisation habe die Einführung neuer Angebote und den Wettbewerb behindert. Diese Klage wurde in den USA aber bereits im August 2004 abgewiesen [7].
Mit der Einigung zwischen ICANN und VeriSign sollen nun die Registry-Services so klar definiert sein, dass sie auch Dienste wie den SiteFinder umfassen — der damit auch der Genehmigungspflicht durch die ICANN unterliegt. VeriSign erklärt sich außerdem damit einverstanden, keine Änderungen an den Registry-Diensten ohne vorherige Mitteilung an die ICANN vorzunehmen. Außerdem sollen neue Registry-Dienste vor der Einführung auf Sicherheit und Stabiltität getestet werden. Auch soll überprüft werden, dass sie keine Wettbewerbsbehinderung darstellen. Ein unabhängiges Experten-Gremium werde die technischen Aspekte neuer Registry-Dienste überprüfen, während die offiziellen amtlichen Kartellwächter eventuelle Wettbewerbsprobleme untersuchen solle.
Das ICANN-Board hat die Vereinbarung bereits abgesegnet, nun liegt sie zur öffentlichen Kommentierung [8] vor. (jk [9])
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[1] http://www.icann.org/
[2] http://www.verisign.com/
[3] https://www.heise.de/news/Verisign-stoesst-Teile-von-Network-Solutions-ab-86923.html
[4] http://www.icann.org/tlds/agreements/verisign/ICANN-VRSN-settlement-agreement-2005.pdf
[5] https://www.heise.de/news/VeriSign-fischt-Traffic-ab-85443.html
[6] https://www.heise.de/news/Internet-Architecture-Board-kritisiert-VeriSigns-Wildcards-85685.html
[7] https://www.heise.de/news/VeriSign-Klage-wegen-Sitefinder-abgewiesen-102471.html
[8] http://www.icann.org/announcements/announcement-24oct05.htm
[9] mailto:jk@heise.de
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