zurück zum Artikel

ICANN-Treffen in Rom: "Fliegende" und mobile Domains

Monika Ermert

ICANNs Chef Paul Twomey erwartet eine zweistellige Zahl von Bewerbungen um die neuen Top Level Domains.

Beim Treffen [1] der Internet Corporation for Assigned Numbers (ICANN) in Rom verhielten sich die Bewerber fĂŒr die nĂ€chste Runde neuer Adresszonen im Netz noch ruhig. Doch mit dem NĂ€herrĂŒcken des Bewerbungsschlusses [2] wagen sich die "Neuen" langsam aus der Deckung. Gestern outete [3] sich ein Konsortium von neun Mobilcarriern und MobilgerĂ€te-Herstellern, die gemeinsam eine "mobile TLD [4]" starten wollen. Zu diesen hat sich als zehnter Partner inzwischen auch T-Mobile gesellt. ICANNs Chef Paul Twomey erwartet eine zweistellige Zahl von Bewerbungen um die neuen Top Level Domains.

Die MobilTLD soll die natĂŒrliche Heimat fĂŒr Inhalte sein, die speziell fĂŒr mobile EndgerĂ€te gemacht wurden. Endnutzer, die das GlĂŒck haben, Ihren Namen auf der zweiten Ebene zu ergattern, können ihr Mobiltelefon fĂŒr die Abwicklung zertifizierter E-Mails nutzen. Es gebe fĂŒr Multimedia-Handsets wenig angepasste Inhalte, sagt Ritva Siren, Nokia Projektmanager fĂŒr die mTLD-Initiative. Die Registrierenden sollen mit Richtlinien fĂŒr entsprechende Contentformate versorgt werden. "Inwieweit man das aber wirklich konsequent durchsetzen kann, weiß ich nicht", rĂ€umt Siren ein. Unternehmen, die Interesse an einer Reihe attraktiver Second Level Domains haben, sollen aber klar festgelegt werden. Als Beispiel nannte das Konsortium bislang nur .maps.mtld. Unternehmen und Enduser können abgesehen von diesen Spezialseiten ebenfalls direkt unter .mtld registrieren. Bevor das Handy mit eigenem Domainnamen ein echter Server wird, muss allerdings die SpeicherkapazitĂ€t der GerĂ€te und an den Anbieternetzen gearbeitet werden, so Siren.

Neue Ideen prĂ€sentierte in Rom der aero [5]-Vorsitzende Andrew Charlton. Um .aero, die Domain des Luftfahrtverbandes SITA, war es bisher Ă€hnlich still wie um .coop [6] oder .museum [7]. In einem Pilotprojekt mit dem Flughafen in Genf hat die Registry aber nun die Möglichkeiten der Spezialdomain erprobt. Laut Charlton geht es um die Ablösung des alten Telexverkehrs zwischen Flughafen und Fluglinien ĂŒber den gesamten Flugverkehr durch eine DNS-Lösung. Ein Webportal [8] fĂŒr Enduser erlaubt Statusabfragen zu FlĂŒgen von und nach Genf; es gibt auch eine Variante fĂŒrs Mobiltelefon.

Im nĂ€chsten Schritt soll jeder Flug eine eigene Domain fĂŒr die Zeit zwischen Start und Landung erhalten. "Wenn die TĂŒr der Maschine nach dem letzten Gast geschlossen ist, erlischt die Domain wieder und wird am nĂ€chsten Tag wieder aktiv", so Charlton. Damit der Flughafen Genf in die Phase zwei starten kann, musste .aero allerdings lange darĂŒber verhandeln, wer das Recht hat, die AbkĂŒrzungen von FlughĂ€fen und Fluggesellschaften zu verwenden. Charlton hofft, dass man in Zukunft auch die nicht registrierten AbkĂŒrzungen kostenlos in die Rootzone eintragen kann und nicht warten muss, bis die letzte Fluglinie ihren Namen registriert hat. Ohne ein Nutzungsrecht der KĂŒrzel funktioniert das System nicht. (Monika Ermert) / (anw [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-95017

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.icann.org/meetings/rome/
[2] http://www.icann.org/announcements/announcement-15dec03.htm
[3] https://www.heise.de/news/IT-Firmen-wollen-eigene-Domain-fuer-mobile-Internet-Dienste-94937.html
[4] http://www.mtldinfo.com
[5] http://www.nic.aero/
[6] http://www.nic.coop/
[7] http://musedoma.museum/
[8] http://ba723.aero/
[9] mailto:anw@heise.de