IBM steckt virtuelle Arbeitsplatz-Rechner in Blade-Server
Auch IBM kündigt jetzt ein Konzept zur Virtualisierung von Bürorechnern an, das aus einer Kombination aus Thin Clients, Blade-Servern, virtuellen Maschinen und Terminal-Server-Software besteht.
IBM kündigt mit dem "Virtualized Hosted Client" ein Konzept an, das typische Büro-Arbeitsplatzrechner in ein zentrales Rechenzentrum verlegt. Mit einigen speziellen Eigenschaften setzt sich das IBM-Konzept von den Ansätzen [1] der Konkurrenten ClearCube [2] und Hewlett-Packard [3] sowie von typischen Thin-Client-Lösungen [4] ab. Ab 2006 will die IBM-Sparte Global Services [5] erste Pilot-Systeme installieren.
Die Nutzung gewöhnlicher Bürocomputer kostet Firmen viel Geld (Total Cost of Ownership, TCO): Außer den Anschaffungs- und Energiekosten fallen Aufwendungen für Aufbau und Installation (Deployment), Wartung und Reparatur sowie Anwender-Unterstützung an; zusätzlich sind Desktop-Rechner ortsgebunden und bergen viele Sicherheitsrisiken. Der Einsatz von Notebooks bringt örtliche Flexibilität, ist aber noch teurer, birgt zusätzliche Risiken und hat ergonomische Nachteile. Thin Clients, die auf Terminal-Server zugreifen, schränken die Flexibilität der Anwender (und Anwendungen) wiederum deutlich ein. Das kann zu Akzeptanz-Problemen und Unzufriedenheit bei den Nutzern führen.
IBM will nun jeden einzelnen Anwender-PC in einer virtuellen Maschine auf einem Blade-Server [6] im Rechenzentrum emulieren. Auf den Blade-Servern läuft dazu beispielsweise ein firmenspezifisches Windows-XP-Image in einer VMWare-Infrastructure [7]-Umgebung, der über eine neue Funktion des Citrix Presentation Server [8] über das Netzwerk zugänglich wird. Auf den Büro-Schreibtischen stehen preiswerte Thin Clients (wie sie beispielsweise Igel [9] für weniger als 200 Euro anbietet), die den Zugriff auf den virtuellen, aber individuellen Anwender-PC ermöglichen -- laut IBM inklusive Zugriff auf USB-Schnittstellen und mit Audio- und Multi-Monitor-Funktionen.
Das Konzept soll sich beispielsweise auch für Tele-Arbeitsplätze und entfernte Firmen-Niederlassungen eignen. Prinzipiell wäre sicherlich auch der drahtlose Zugriff vom Notebook per VPN möglich. Ein Vorteil ist dabei, dass (bei geschickter Konfiguration temporärer Festplatten-Puffer) keine nichtflüchtige Datenspeicherung außerhalb des Rechenzentrums nötig ist -- sensible Kunden- oder Firmendaten lassen sich so besser schützen.
Die Firmen VMWare, Citrix und IBM gehören gemeinsam mit Intel, Brocade, Cisco, NetApp, Nortel und Novell zur Allianz Blade.org [10], die den stark wachsenden Blade-Server-Markt ankurbeln will.
IBMs PC-Virtualisierungs-Konzept ist auch schon ein erster Hinweis auf kommende Konkurrenz mit dem chinesischen Partner Lenovo [11], der die IBM-PC-Sparte gekauft hat [12]: Seit Juli vermarktet und verkauft Lenovo nämlich die ClearCube-PC-Blades. (ciw [13])
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[1] https://www.heise.de/news/HP-virtualisiert-Desktop-PCs-mit-Hilfe-von-Transmeta-CPUs-97653.html
[2] http://www.clearcube.com/
[3] http://www.hp.com/go/cci
[4] https://www.heise.de/news/Fujitsu-Siemens-stellt-Thin-Clients-mit-Transmeta-Prozessor-vor-99093.html
[5] http://www.ibm.com/services/
[6] http://www.heise.de/glossar/entry/Blade-Server-397205.html
[7] http://www.vmware.com/vinfrastructure/
[8] http://www.citrix.com/English/ps2/products/product.asp?contentID=186&ntref=hp_nav_US
[9] http://www.igel.de/igel_rubrik/powerslave,id,52,nodeid,52,p,0,_language,de.html
[10] http://www.blade.org/
[11] http://www.lenovo.com/
[12] https://www.heise.de/news/Lenovo-schliesst-uebernahme-von-IBMs-PC-Sparte-ab-157890.html
[13] mailto:ciw@ct.de
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