zurück zum Artikel

IBM schlÀgt datenschutzgerechte RFID-Chips vor

Cebit Detlef Borchers

Big Blue hat auf der CeBIT drei VorschlĂ€ge fĂŒr ein RFID-Chip-Design prĂ€sentiert, die vom Konsumenten einfach "enthauptet" werden können.

Nach EinschĂ€tzung von IBM werden RFID-Chips spĂ€testens in fĂŒnf Jahren auf hochwertigen Waren auftauchen, die von Konsumenten gekauft werden. Damit stelle sich fĂŒr jedes Unternehmen die Frage, wie ernst es den Datenschutz seiner Kunden nehme, so Kurt Rindle von der Retail + Distribution Sector Group der IBM. Aus diesem Grunde hat die IBM-Gruppe fĂŒr Sicherheit und Datenschutz [1] drei VorschlĂ€ge fĂŒr ein RFID-Chip-Design entwickelt, die vom Konsumenten einfach "enthauptet [2]" werden können. In einer Pressekonferenz stellte IBM seine VorschlĂ€ge im Detail vor.

Die von IBM so bezeichneten Clipped Tags sind RFID-Etiketten, die es dem Konsumenten ermöglichen, die Etiketten mechanisch zu verĂ€ndern und damit die LesegerĂ€te daran zu hindern, die Daten auszulesen. Technisch wird nur die Antenne des RFID-Chips zerstört, der voll funktionsfĂ€hig bleibt. Er kann mit einer Zusatzantenne wieder reaktiviert werden, wenn die Ware zur Reparatur eingeschickt und rĂŒckverfolgbar sein muss. FĂŒr die Zerstörung des Antennenkontaktes schlĂ€gt IBM drei Verfahren vor, die allesamt zur Patentierung anstehen: das "Rubbeln auf dem Etikett", das Wegknicken einer vorperforierten Bruchstelle oder das Wegnehmen einer abziehbaren Folie. Sollte sich das zustĂ€ndige Gremium EPCglobal [3] die VorschlĂ€ge zu Eigen machen, werde IBM auf seine Patente verzichten. gegenĂŒber dem von EPCGlobal entwickelten Kill-Command, der den Chip selbst zerstöre, hĂ€tten die IBM-VorschlĂ€ge den Vorteil, dass der Verbraucher nachvollziehen könne, ob das Etikett tatsĂ€chlich deaktiviert sei, so Rindle.

IBM stellt keine Chips her, sondern hat mit dem IBM RFIS Premises Server und der IBM WebSphere RFID Device Infrastructure zwei Lösungen fĂŒr das Supply Chain Management im Markt. Mit einer RFID-gestĂŒtzten Asset Tracking-Lösung fĂŒr Ölraffinerien und Chemiewerke ist IBM außerdem in Sicherheitstechnik aktiv. Zum Monatsanfang hatte IBM in Dublin ein 15.000 Quadratmeter großes RFID-Testcenter eröffnet. Sollten die VorschlĂ€ge von IBM von einem Chip-Hersteller wie Infineon oder Philips angenommen werden, so dĂŒrften entsprechende Chips schnell vom Handel nachgefragt werden, gab sich Rindle ĂŒberzeugt, denn die Chips seien in der Herstellung nicht teurer als normale RFID-Tags. Gleichzeitig brĂ€uchte der Handel nicht in GerĂ€te zur Chip-Deaktivierung investieren. Auch das Argument des Diebstahlsschutzes sei wichtig: Weil Clipped Tags einfach visuell kontrollierbar seien, werde es Langfingern schwer gemacht, mit enthaupteten Chips die Scannerkassen zu passieren.

Zum Thema RFID auf der CeBIT siehe auch:

(Detlef Borchers) / (anw [11])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-110045

Links in diesem Artikel:
[1] http://www-03.ibm.com/security/privacy/
[2] https://www.heise.de/news/RFID-mit-Handbremse-109387.html
[3] http://www.epcglobalinc.org/public_policy/public_policy_guidelines.html
[4] https://www.heise.de/news/Daten-und-Verbraucherschuetzer-fordern-bessere-Aufklaerung-ueber-RFID-Technik-110021.html
[5] https://www.heise.de/news/T-Systems-und-Intel-kooperieren-bei-RFID-Loesungen-109471.html
[6] https://www.heise.de/news/Unternehmen-fuerchten-um-Vorsprung-bei-RFID-Technik-109417.html
[7] https://www.heise.de/news/RFID-mit-Handbremse-109387.html
[8] https://www.heise.de/news/EU-Kommissarin-startet-Anhoerung-zur-RFID-Technik-109229.html
[9] https://www.heise.de/news/Buergerrechtler-demonstrieren-gegen-RFID-109160.html
[10] https://www.heise.de/news/Metro-trommelt-fuer-RFID-108821.html
[11] mailto:anw@heise.de