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IBM-Chef krempelt Big Blue um

Samuel Palmisano will die AbhÀngigkeit seines Unternehmens vom schwierigen HardwaregeschÀft weiter verringern.

Im GeschĂ€ft mit Dienstleistungen rund um den Computer fĂŒhrt IBM den Markt schon lange an. Rund 40 Prozent seines Jahresumsatzes [1] von knapp 86 Milliarden US-Dollar macht der grĂ¶ĂŸte Computerkonzern der Welt bereits mit seinem Service Business. Doch das reicht dem neuen IBM-Chef Samuel Palmisano nicht: Durch die 3,5 Milliarden US-Dollar teuere Übernahme [2] der Beratungssparte von PricewaterhouseCoopers (PwC [3]) will er die AbhĂ€ngigkeit seines Unternehmens vom schwierigen HardwaregeschĂ€ft weiter verringern.

Den Aufstieg zum weltweit grĂ¶ĂŸten Computerunternehmen verdankt IBM vor allem seinen Innovationen im Hardware-Bereich: Geschichte schrieb Big Blue 1981 mit dem ersten Personal Computer. Andere Meilensteine der Computer-Industrie kamen ebenfalls aus den IBM-Labors: 1964 wurde die legendĂ€re Großrechnerserie System/360 begrĂŒndet, 1971 kam das erste Floppy-Disk-Laufwerk auf den Markt, 1975 der erste Laserdrucker. Doch in vielen Bereichen wurde IBM dann von Konkurrenten ĂŒberflĂŒgelt, etwa von Compaq und Dell bei den PCs. Deswegen bereitete die Hardware-Sparte der IBM-FĂŒhrung zuletzt immer weniger Anlass zur Freude, zumal dieses GeschĂ€ft extrem konjunkturabhĂ€ngig ist.

Im Juni 2002 kĂŒndigte IBM an, sich von unrentablen Bereichen im HardwaregeschĂ€ft zu trennen. So wurde die Produktion von Festplatten [4] an den japanischen Elektronikkonzern Hitachi fĂŒr 2,05 Milliarden US-Dollar verkauft [5]. Zuvor war der Umsatz im ersten GeschĂ€ftsquartal von IBM um fast zwölf Prozent auf 18,6 Milliarden US-Dollar eingebrochen [6], der Gewinn sogar um 32 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar. "IBM scheint zum Schluss gekommen zu sein, dass das HardwaregeschĂ€ft zu brutal ist, selbst fĂŒr IBM", kommentierte damals Experte Steven Milunovic von Merrill Lynch den RĂŒckzug.

Ähnlich wie die Konkurrenten von Hewlett Packard und Sun Microsystems sucht IBM nun den Ausweg in der noch stĂ€rkeren Betonung des Service-GeschĂ€fts. Bereits heute arbeiten bei IBM Global Services rund 150.000 BeschĂ€ftigte in 160 LĂ€ndern, der Umsatz lag 2001 bei rund 37 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen nun rund 30.000 Berater von PwC, die auf die so genannte System-Integration spezialisiert sind. Zusammen mit PwC dĂŒrfte IBM seinen Vorsprung gegenĂŒber dem Hauptkonkurrenten HP behaupten können.

Palmisano setzt sich mit dem Milliarden-Deal klar von seinem VorgĂ€nger Louis Gerstner ab, der in der Vergangenheit immer wieder vor zu großen Übernahmen gewarnt hatte. Gerstner selbst hatte nĂ€mlich sehr durchwachsene Erfahrungen gemacht, als IBM 1995 das aufstrebende Software-Unternehmen Lotus fĂŒr ebenfalls 3,5 Milliarden US-Dollar schluckte, um Microsoft entgegen zu treten. Die Integration der "bunten Vögel" von Lotus in die hierarchischen IBM-Strukturen erwies sich damals viel schwieriger als erwartet.

Doch Palmisano konnte diesmal nicht widerstehen. Konkurrent HP wollte PwC im Jahr 2000 noch fĂŒr 18 Milliarden US-Dollar ĂŒbernehmen. Der Deal kam aber nicht zu Stande, da die HP-AktionĂ€re die Übernahme als zu teuer empfanden. Inzwischen war PwC gezwungen, vor dem Hintergrund der Debatte ĂŒber das Debakel beim Konkurrenten Andersen seine Beratungssparte zu verkaufen oder eigenstĂ€ndig an die Börse zu bringen. Und mit einem dann auf 3,5 Milliarden US-Dollar gesunkenen Kaufpreis muss dies in den Augen von Palmisano einfach ein SchnĂ€ppchen gewesen sein. (Christoph Dernbach, dpa) / (anw [7])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/IBM-verzeichnet-Ertragsrueckgang-47815.html
[2] https://www.heise.de/news/IBM-kauft-Consultingsparte-von-PricewaterhouseCoopers-66725.html
[3] http://www.pwcglobal.com/
[4] https://www.heise.de/news/IBM-machte-massiven-Verlust-mit-Festplatten-69011.html
[5] https://www.heise.de/news/IBM-und-Hitachi-besiegeln-Deal-ueber-Speichermedien-64264.html
[6] https://www.heise.de/news/IBM-macht-32-Prozent-weniger-Gewinn-61384.html
[7] mailto:anw@heise.de