zurück zum Artikel

Hohe AufklÀrungsquote bei Software-Piraterie

Richard Sietmann

Bundesinnenminister Otto Schily hat die Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 vorgelegt.

Die Zahlen bestĂ€tigten "einmal mehr, daß Deutschland zu einem der sichersten LĂ€nder in der Welt gehört", erklĂ€rte Bundesinnenminister Otto Schily am heutigen Donnerstag sichtlich zufrieden, als er gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Heribert Rech die Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 [1] vorstellte. GegenĂŒber dem Vorjahr ist die Gesamtzahl der 6.633.156 erfassten Straftaten etwa auf dem gleichen Niveau geblieben, und die AufklĂ€rungsquote verzeichnet mit 54,2 Prozent den höchsten Wert seit der Erstellung der bundesweiten Kriminalstatistik ĂŒberhaupt.

Ein erhebliches Wachstum ist allerdings in den Bereichen der Computer- und Internet-KriminalitĂ€t zu registrieren -- fĂŒr Schily ein Spiegel fĂŒr das verĂ€nderte Einkaufs- und Konsumverhalten, bei dem Waren zunehmend im E-Commerce ĂŒber das Internet bestellt oder ersteigert werden. Insgesamt 82.541 FĂ€lle von Warenbetrug -- 54,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor -- brachten GeschĂ€digte im Jahr 2004 der Polizei zur Anzeige. In jedem zweiten Fall spielte das Internet eine Rolle. Und obwohl sie in der amtlichen Statistik nicht separat gezĂ€hlt werden, ist der Anstieg vor allem auf BetrĂŒgereien im Zusammenhang mit Internet-Auktionen zurĂŒckzufĂŒhren. "Umso wichtiger ist es, dass die vom TĂ€ter gelegten elektronischen Spuren auch noch nach Monaten zurĂŒckverfolgt werden können", plĂ€dierte Heribert Rech fĂŒr die umstrittene Vorratsdatenspeicherung [2]. Was er nicht erwĂ€hnte: Auch heute schon liegt die AufklĂ€rungsquote in diesem Bereich bei 92,5 Prozent.

Erneut gestiegen, um 12,2 Prozent auf 66.973 FĂ€lle, ist die Zahl der Computerdelikte, zu denen auch die 36.088 FĂ€lle des Missbrauchs PIN-geschĂŒtzter Debitkarten zĂ€hlen, von denen nur etwa jeder dritte aufgeklĂ€rt wird. Der Computerbetrug im engeren Sinne -- also die Manipulation von Rechnern, Programmen und Daten in betrĂŒgerischer Absicht -- nahm um 24,6 Prozent auf 14.186 FĂ€lle zu. Beim Missbrauch von Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten registrierte die Polizei 7.357 Delikte (+ 5,1 Prozent).

Deutlich stÀrker -- um 29,7 Prozent auf 12.196 FÀlle -- legten die "Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechts-Bestimmungen" zu. In dieser Rubrik verdoppelte sich die kommerziell betriebene Software-Piraterie auf 1.117 erfasste FÀlle. Wer hier erst einmal ins Visier der Fahnder geraten ist, hat schlechte Karten: Ebenso wie in der Sparte "private Software-Piraterie", wo die Polizei im vergangenen Jahr 2.782 Anzeigen aufnahm (+ 35,5 Prozent), liegt die AufklÀrungsquote bei 97 Prozent. (Richard Sietmann) / (jk [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-108531

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.bmi.bund.de/cln_028/nn_122688/Internet/Content/Broschueren/2005/Polizeiliche__Kriminalstatistik__2004__de.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-stimmt-gegen-Vorratsspeicherung-von-Telefon-und-Internetdaten-108033.html
[3] mailto:jk@heise.de