Hintergrund: Facebook macht mit weniger Werbung mehr Geld
Zehntausende Jahre verbringt die Menschheit auf Facebook. TÀglich. Daraus lÀsst sich Kapital schlagen. Das Facebook-Management sieht sich erst ganz am Anfang.
Facebook hat im zweiten Quartal [1] 25 Prozent weniger Reklameeinblendungen verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei Google [2] und Yahoo [3] war es mit einem Zuwachs von etwa 25 Prozent genau umgekehrt. Und wĂ€hrend Yahoos Durchschnittspreis je Einblendung um ein Viertel abstĂŒrzte, und jener Googles immerhin sechs Prozent nachgab, konnte Facebook den Preis um 125 Prozent steigern. Die Werber haben also pro Anzeige mehr als doppelt so viel gezahlt.
(Bild:Â southtyrolean [4] CC-BY 2.0 [5] )
Die drei wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr diese Inflation hat heise online anlĂ€sslich des ersten Quartals eleuchtet [6]. Diesmal half zusĂ€tzlich die FuĂballweltmeisterschaft der Herren mit. Drei Milliarden BetĂ€tigungen mit WM-Bezug von 350 Millionen verschiedenen Nutzern zĂ€hlte Facebook.
Autoplay Video
Ăberhaupt wird Video wichtiger, vor allem, wenn es sich von selbst abspielt ("Autoplay"). Facebook tastet sich langsam vor, derzeit laufen nur zwölf solcher Kampagnen. Die Agenturen hat Facebook gezielt eingeladen. FirmengrĂŒnder Mark Zuckerberg legt Wert auf hohe QualitĂ€t der Werbevideos, sonst scrollen die Nutzer in ihrem Newsfeed zu hĂ€ufig weiter.
Und die Autoplay-Videos sollen nicht nur Reklame sein: "Wir wollen auch viel organische Inhalte. Also versuchen wir, die Menge der (von der Ăffentlichkeit eingebrachten Videos) zu erhöhen, und von Inhalten, die die Leute teilen, wĂ€hrend wir die Autoplay Videowerbung intensivieren", umschrieb Zuckerberg seine Strategie Mittwochabend gegenĂŒber Finanzanalysten (Aufzeichnung [7]).
Zu viele Videos dĂŒrfen es aber auch nicht werden, sonst wird den Nutzern das Facebook-VergnĂŒgen am Ende noch zu teuer: "Wir wollen auch sicherstellen, dass wir nicht viel von den (Datenpaketen) der Leute verbrauchen. Also sind wir wirklich vorsichtig, wie wir das handhaben, und wie wir es in verschiedenen MĂ€rkten gut hinkriegen."
Regionale Unterschiede
Der regionale Aspekt ist Facebook wichtig. Nur weil etwas in Nordamerika ankommt, ist es noch lange nicht in aller Welt populĂ€r. Facebook versteht die US-MentalitĂ€t ziemlich gut und hat ein attraktives Angebot: "Im Schnitt verbringen Leute in den USA um die 40 Minuten jeden Tag (auf Facebook)", lieĂ Zuckerberg wissen. 20 Prozent davon mit mobilen EndgerĂ€ten. Aber in Nordamerika lassen sich kaum noch zusĂ€tzliche Nutzer finden. Die Asien-Region legt dafĂŒr am Schnellsten zu, wie die Tabelle zeigt:
| Nutzer in Millionen | DAU | â zu Q2/13 | MAU | â zu Q2/13 |
|
USA & Kanada |
152 | +7% | 204 | +3% |
| Europa | 206 | +13% | 292 | +7% |
| Asien | 228 | +26% | 410 | +21% |
| Rest der Welt | 244 | +25% | 411 | +19% |
| GESAMT | 829 | +19% | 1.317 |
+14% |
| DAU (Daily Active User) sind jene Facebook-Nutzer, die sich an einem Durchschnittstag im Juni in dem sozialen Netz betÀtigt haben. MAU (Monthly Active User) ist die Zahl der im gesamten Juni aktiven User. | ||||
Das schlÀgt sich in dem mit Abstand höchsten Quartalsumsatz je Nutzer (ARPU, Average Revenue per User) nieder; er liegt beim fast Dreifachen des Weltschnitts. Das lÀsst sich nur zum Teil mit geringeren Konsumbudget der Nutzer in anderen Weltregionen erklÀren. Selbst in Europa ist der ARPU weniger als halb so hoch. Doch hier wÀchst der ARPU am schnellsten:
| Quartalsumsatz je Nutzer in... | US-Dollar | â zu Q2/13 |
|
USA & Kanada |
6,44 | +49% |
| Europa | 2,84 | +52% |
| Asien | 1,08 | +44% |
| Rest der Welt | 0,86 | +37% |
| WELTWEIT | 2,24 | +40% |
| Angaben von Facebook bezogen auf den wahrscheinlichen Aufenthaltsort des Users im Zeitpunkt des Umsatzes | ||
Mark mag mehr!
Legt man die von Zuckerberg genannten 40 Minuten auf die Zahl der DAUs in den USA und Kanada um, ergibt das mehr als 11.500 Jahre. Jeden Tag. Weltweit hat Facebook aber mehr als fĂŒnf Mal so viele Nutzer. Auch wenn sie weniger intensiv "netzwerken", es kommen tĂ€glich mehrere Zehntausend Mannjahre zusammen.
Was dem Laien als enorme Zeitinvestition erscheint, ist dem CEO ein Zeichen, dass er erst einen Bruchteil des Kuchens ergattert hat. Zuckerberg am Mittwochabend: "In Summe verbringen Leute in den USA ungefĂ€hr neun Stunden pro Tag mit digitalen Medien im Fernsehen, am Handy und auf Computern. Also gibt es eine groĂe Gelegenheit, die Weise, wie Leute teilen und sich verbinden, zu verbessern â auch wie wir alle mit dem Rest der Medien interagieren."
FĂŒr ihn ist es "eine aufregende Sache, dass wir noch immer so viel Platz fĂŒr Wachstum haben." Zu Deutsch: 40 Minuten von 9 Stunden? Da muss mehr drin sein fĂŒr uns!
Die Marge wird sinken
Auch sein neuer Finanzchef Dave Wehner hat GroĂes vor: "Wir glauben, dass wir noch immer am Anfang stehen beim Ausbau all unserer Dienste und (dabei,) Facebooks Wirkung auf die Welt zu maximieren", sagte er, "Und wir beabsichtigen, weiterhin aggressiv in Mitarbeiter, Produkte und Infrastruktur zu investieren, in der zweiten JahreshĂ€lfte 2014 und darĂŒber hinaus." Das heiĂt, dass die Kosten steigen und die Marge wahrscheinlich sinken wird.
Ăberhaupt warnt Wehner vor deutlich steigenden Ausgaben im nĂ€chsten Jahr: Zu den erwĂ€hnten Investitionen gesellen sich signifikante Kosten fĂŒr Aktienprogramme, Abschreibungen, und die Betriebsaufwendungen fĂŒr WhatsApp und Oculus. Oculus gehört seit dieser Woche zu Facebook, die Ăbernahme von WhatsApp soll im Laufe des Jahres erfolgen. In den aktuellen Quartalszahlen sind diese Unternehmungen also noch nicht enthalten. Der Messenger und Instagram werden in nĂ€chster Zeit ĂŒbrigens keine nennenswerten (Werbe)Einnahmen erzielen. Erst einmal sollen mehr User angefixt werden. (ds [8])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Facebook-kann-Reingewinn-mehr-als-verdoppeln-2266008.html
[2] https://www.heise.de/news/Google-steigert-Umsatz-um-22-Prozent-2262458.html
[3] https://www.heise.de/news/Yahoo-haengt-an-Alibaba-2261128.html
[4] https://www.flickr.com/photos/schoffer/
[5] https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
[6] https://www.heise.de/news/Wachstumsschub-bei-Facebook-Zweimal-Deutschland-dazugekommen-2175792.html
[7] http://investor.fb.com/eventdetail.cfm?eventid=146445
[8] mailto:ds@heise.de
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