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HP-Manager sollen vor Untersuchungsausschuss

Volker Briegleb

In der SchnĂŒffel-AffĂ€re bei HP sollen Aufsichtsratschefin Patricia Dunn und die Chefjuristin des Unternehmens vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses aussagen. Unterdessen werden immer neue Details der AffĂ€re bekannt.

WĂ€hrend die Spitzel-AffĂ€re [1] um den Aufsichtsrat des Computerherstellers Hewlett Packard [2] (HP) tĂ€glich neue Schlagzeilen produziert, ist immer noch nicht klar, wie genau die FĂŒhrungspersönlichkeiten des Konzerns ĂŒber die VorgĂ€nge informiert waren. Auch dieser Frage will sich ein bereits angekĂŒndigter [3] Untersuchungsausschuss des US-Kongresses widmen. Bis zum heutigen Montag hat HP Zeit, die angeforderten Dokumente zu liefern. Am 28. September sollen dann unter anderem Aufsichtsratschefin Patricia Dunn, die unter dem Druck der AffĂ€re ihren RĂŒcktritt [4] angekĂŒndigt hatte, und HPs ChefanwĂ€ltin Ann Baskins vor den Kongressabgeordneten aussagen.

Unterdessen sind am vergangenen Wochenende neue Details der unappetitlichen AffĂ€re an die Öffentlichkeit gelangt. Die Ermittler sollen auch vergeblich versucht haben, den Computer eines Journalisten mit einer Software zu infizieren, die Informationen ĂŒber die Weiterleitung von E-Mails zurĂŒckliefern sollte. DarĂŒber hinaus soll mindestens ein Journalist im Rahmen der Ermittlungen auch beschattet worden sein.

Die New York Times [5] (NYT) berichtet unter Berufung auf anonyme, mit einer HP-internen Untersuchung der AffĂ€re vertraute Quellen, dass die Ermittlungen gegen Aufsichtsratsmitglieder und Journalisten [6] erstmals im Januar 2005 eingeleitet wurden, nachdem Informationen aus dem Gremium in die Presse gelangt waren und es Spekulationen um eine Entmachtung der im Anschluss zurĂŒckgetretenen HP-Chefin Carly Fiorina gegeben hatte. Diese ersten Ermittlungen hĂ€tten bis August 2005 angedauert, aber keine wesentlichen Ergebnisse gebracht. Die zweite Ermittlung ab Januar 2006 fĂŒhrte schließlich zur Enttarnung des Aufsichtsratsmitglieds George Keyworth als Quelle fĂŒr Medienberichte. Keyworth trat nach anfĂ€nglicher Weigerung vergangene Woche zurĂŒck.

Unklar bleibt, ob die Ermittlungen schon seit ihrem Beginn im Januar 2005 mit fragwĂŒrdigen Mitteln gefĂŒhrt wurden. Nach einem Bericht des Wall Street Journal [7] ist zudem auch nicht geklĂ€rt, ob die Ermittlungen noch weiterliefen, nachdem CEO Mark Hurd im MĂ€rz von den Ergebnissen unterrichtet worden war, und ob der HP-Boss ĂŒber die fragwĂŒrdigen Methoden im Bilde war. Die Ermittlungen sollen anfangs zumindest unter gewisser Aufsicht von Dunn, Baskins und eines firmeneigenen Anwalts gestanden haben, dann aber schnell an verschiedene private Ermittlungsunternehmen abgegeben worden sein.

Diese hatten sich unter Angabe falscher IdentitĂ€ten Zugang zu den Telefondaten von AufsichtsrĂ€ten und Journalisten verschafft. Die rechtliche EinschĂ€tzung dieser "Pretexting" genannten Vorgehensweise, auf die sich HP entgegen mehrfach intern geĂ€ußerter Bedenken offenbar gestĂŒtzt hatte, stammt nach Angaben der NYT von einer Kanzlei mit Verbindungen zu einem der beauftragten Ermittlungsunternehmen. Die AffĂ€re hat jĂŒngst neuen Schub in die BemĂŒhungen der US-Legislative gebracht, Pretexting bundesweit einheitlich fĂŒr illegal zu erklĂ€ren.

Unterdessen hat Dunn in einer Mitteilung an die Mitarbeiter zugegeben, dass auch zwei HP-Angestellte im Visier der Ermittlungen standen. "Diese Methoden wurden bei einigen Personen angewandt, darunter bestimmte Aufsichtsratsmitglieder, zwei Angestellte und einige Personen außerhalb des Unternehmens, darunter Journalisten", erklĂ€rte Dunn. Es ist nicht ohne Ironie, dass einer der beiden zunĂ€chst ungenannten Mitarbeiter, gegen die wegen möglicher Pressekontakte ermittelt worden war, wenig spĂ€ter als Mike Moeller identifiziert wurde. Sein Job bei HP: Pressesprecher.

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[2] http://www.hp.com
[3] https://www.heise.de/news/US-Kongress-plant-Anhoerung-in-HP-Affaere-163109.html
[4] https://www.heise.de/news/HP-Aufsichtsratsvorsitzende-kuendigt-Ruecktritt-an-161751.html
[5] http://www.nyt.com/
[6] https://www.heise.de/news/Schnueffel-Affaere-bei-HP-weitet-sich-aus-160681.html
[7] http://www.wsj.com
[8] https://www.heise.de/news/US-Kongress-plant-Anhoerung-in-HP-Affaere-163109.html
[9] https://www.heise.de/news/Staatsanwalt-sieht-ausreichend-Beweise-fuer-Anklage-gegen-HP-162228.html
[10] https://www.heise.de/news/HP-Aufsichtsratsvorsitzende-kuendigt-Ruecktritt-an-161751.html
[11] https://www.heise.de/news/US-Regierung-interessiert-sich-fuer-HP-Affaere-161557.html
[12] https://www.heise.de/news/HP-Affaere-wird-zur-Schlammschlacht-160816.html
[13] https://www.heise.de/news/Schnueffel-Affaere-bei-HP-weitet-sich-aus-160681.html
[14] https://www.heise.de/news/Kalifornische-Justiz-interessiert-sich-fuer-Spitzelaffaere-bei-HP-160094.html