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Greenpeace mahnt Hersteller zur EindÀmmung der toxischen Schrottflut

Soenke Zehle

Die UmweltschĂŒtzer bieten in ihrem aktuellen Bericht eine ernĂŒchternde Bestandsaufnahme vielfach illegaler und unregulierter Entsorgungspraktiken und nimmt die Markenhersteller in die Pflicht.

Die Vereinten Nationen schĂ€tzen das Elektroschrott [1]aufkommen auf weltweit bis zu 50 Millionen Tonnen pro Jahr. Greenpeace International bietet in einem aktuellen Bericht [2] eine Bestandsaufnahme globaler, vielfach illegaler und unregulierter Entsorgungspraktiken und nimmt die Markenhersteller in die Pflicht. Erst wenn Hersteller den kompletten Lebenszyklus ihrer Produkte beachten und aus der Abfallkrise Konsequenzen fĂŒr nachhaltiges Produktdesign ziehen, könne die toxische Schrottflut eingedĂ€mmt werden.

Der Bericht vergleicht globale Verkaufszahlen mit den offiziellen Entsorgungsraten elektrischer und elektronischer GerĂ€te. Er Ă€hnelt in seiner allgemeinen Bestandsaufnahme vorhandenen Untersuchungen des Basel Action Network (BAN [3]), bietet aber vor allem eine umfassende Übersicht der Verkaufs- und Entsorgungsraten fĂŒr China, Indien, Thailand, Argentinien, die USA und die EU insgesamt.

In der EU-27 tauchen von so errechneten 8,7 Millionen Tonnen gerade mal 2,1 Millionen Tonnen in offiziellen Entsorgungsprozessen wieder auf, die restlichen 75 Prozent des Elektroschrottaufkommens landen zusammen mit anderen AbfĂ€llen auf MĂŒlldeponien, werden verbrannt, in Haushalten zwischengelagert, oder nach Afrika und Asien exportiert. Wo der gesammelte Schrott landet, ist nur selten dokumentiert, illegale Exporte sind auch in Europa weiterhin an der Tagesordnung.

In China, Indien und Thailand dominieren ineffiziente und gesundheits- und umweltbelastende Entsorgungspraktiken. Diese LĂ€nder produzieren zunehmend eigenen Elektroschrott, der zusammen mit illegalen Exporten die Entorgungskrise verschĂ€rfe. Solange die unregulierte Entsorgung aber eine willkommene Einkommensquelle biete, komme die EinfĂŒhrung effizienter, aber kostenintensiver Verfahren in diesen LĂ€ndern nur schwer voran.

Greenpeace setzt daher vor allem auf eine umfassende Umsetzung des Prinzips der individuellen Herstellerverwantwortung. Die RĂŒckgewinnung von Inhaltsstoffen solle auch im Interesse der Hersteller liegen. Höhere Recyclingquoten können zu einer Verringerung der Belastungen durch den konflikttrĂ€chtigen und ressourcenintensiven Bergbau beitragen, nachhaltiges Produktdesign könnte die ToxizitĂ€t von Elektroschrott verringern. (Soenke Zehle) / (anw [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-182733

Links in diesem Artikel:
[1] http://maps.grida.no/go/graphic/what_is_e_waste
[2] http://www.greenpeace.org/international/press/reports/not-in-our-backyard
[3] http://www.ban.org
[4] mailto:anw@heise.de