zurück zum Artikel

Gigabell-Zukunft entscheidet sich bis Ende Oktober

Inzwischen recherchiert die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen wegen möglicher Insolvenzverschleppung und des Verdachts auf Insider-GeschÀfte.

Die Zukunft der insolventen Frankfurter Gigabell AG [1] wird sich bis Ende Oktober entscheiden. Bis dann steht nach Aussage von Insolvenzverwalter Dirk Pfeil fest, ob das finnische Telekommunikationsunternehmen Saunalahti bei Gigabell einsteigt [2] und damit den Fortbestand garantiert. Weitere Interessenten gebe es nicht, sagte Pfeil am Montagnachmittag in Frankfurt. Auch die Staatsanwaltschaft interessiert sich mittlerweile fĂŒr die UmstĂ€nde der Pleite.

Sollten sich die Finnen gegen eine Gigabell-Übernahme entscheiden, mĂŒsste er am 1. November den GeschĂ€ftsbetrieb einstellen, sagte Pfeil. Die finnischen Interessenten hielten sich derzeit in Frankfurt auf. Möglicherweise sei bereits in dieser Woche mit einer ErklĂ€rung zu rechnen. Auf den potenziellen KĂ€ufer könnten allerdings Belastungen von bis zu 100 Millionen Mark zukommen, schĂ€tzt Pfeil. Die Verbindlichkeiten gegenĂŒber Lieferanten bezifferte er auf 50 Millionen Mark, davon allein zehn Millionen Mark bei der Deutschen Telekom. Nach Darstellung Pfeils habe die Telekom darauf verzichtet, Gigabell die Leitungen zu sperren, offenbar nachdem MinisterprĂ€sident Roland Koch auf Pfeils Bitte bei der Telekom vorstellig geworden sei. Weitere zehn Millionen DM resultierten aus laufenden VertrĂ€gen. Hinzu kĂ€men mögliche Schadensersatzforderungen.

Die Staatsanwaltschaft recherchiert derweil nach Angaben Pfeils wegen möglicher Insolvenzverschleppung und des Verdachts auf InsidergeschĂ€fte. Heftige Kritik Ă€ußerte der Insolvenzverwalter an dem mittlerweile zurĂŒckgetretenen [3] Vorstandschef Daniel David. Dieser habe sich offenbar vor allem darum gekĂŒmmert, seine Aktien Gewinn bringend zu verkaufen. Daniel hat nach Pfeils Bericht in der Gigabell-Zentrale ein Chaos hinterlassen [4]. Akten seien möglicherweise verschwunden. Völlig unklar sei daher die Zahl der Mitarbeiter und die aktuelle GeschĂ€ftslage. Pfeil schĂ€tzt die Zahl auf 200 BeschĂ€ftigte, die im Oktober noch mit ihrem Gehalt rechnen könnten. Die Verluste sind im laufenden GeschĂ€ftsjahr weiter angestiegen. Waren es Ende Juni bereits 24,2 Millionen Mark und damit mehr als der Umsatz, sind bis zum Ende September weitere Verluste in Höhe von sechs bis acht Millionen DM aufgelaufen. Auch im Oktober habe sich die Ertragslage nicht verbessert. (dpa) (jk [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-30727

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Gigabell-steht-vor-der-Pleite-34227.html
[2] https://www.heise.de/news/Rettung-fuer-Gigabell-in-Sicht-27458.html
[3] https://www.heise.de/news/Gigabell-Chef-David-zurueckgetreten-30135.html
[4] https://www.heise.de/news/Schlamperei-beim-insolventen-Provider-Gigabell-26084.html
[5] mailto:jk@heise.de