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Geoblocking: US-Filmstudio lenkt im Streit mit BrĂŒssel ein

Volker Briegleb
Sky

(Bild: dpa, Marc MĂŒller)

Es kommt Bewegung ins EU-Kartellverfahren gegen regionale VertriebseinschrÀnkungen, die US-Filmstudios ihren Partner in Europa auferlegen: Das Studio Paramount will ZugestÀndnisse machen.

Im Geoblocking-Verfahren gegen US-Filmstudios hat Paramount Pictures der EU-Kommission ZugestĂ€ndnisse angeboten. Wie die Kommission am Freitag in BrĂŒssel mitteilte [1], können die betroffenen Marktteilnehmer nun Stellungnahmen zu den VorschlĂ€gen Paramounts abgeben. Das US-Studio bietet an, die Lizenzbedingungen fĂŒr Pay-TV-Sender zu lockern und deren Kunden damit den Zugriff auf die Programme auch außerhalb des Sendegebiets zu gewĂ€hren.

BrĂŒssel hatte die Untersuchung der Lizenzbedingungen der US-Filmstudios [2] 2014 angestoßen und den Studios vergangenen Jahr rechtswidrige VertrĂ€ge [3] vorgeworfen. Gegenstand der Untersuchung sind die VertrĂ€ge der Studios mit dem britischen Bezahlsender Sky. Die Lizenzbedingungen verbieten dem Sender, seinen britischen Kunden auch außerhalb von Großbritannien und Irland Zugriff auf das lizenzierte Programm zu gewĂ€hren oder Kunden im Ausland zu bedienen.

Dies stellen die Sender mittels Geoblocking sicher, das den Zugriff von AnschlĂŒssen außerhalb des Verbreitungsgebietes unterbindet. Die EU-Kommission hĂ€lt das fĂŒr einen “schwerwiegenden Verstoß gegen die Vorschriften der EU”. BrĂŒssel ist der Ansicht, dass Geoblocking den grenzĂŒbergreifenden Wettbewerb zwischen Pay-TV-Sendern ausschaltet und den Binnenmarkt entlang nationaler Grenzen aufteilt.

Laut Kommission bietet Paramount nun unter anderem an, zunĂ€chst fĂŒr fĂŒnf Jahre auf Lizenzbedingungen zu verzichten, die einen Pay-TV-Sender daran hindern, Kunden im Ausland zu bedienen. Zudem will das Studio VerstĂ¶ĂŸe gegen solche Verpflichtungen in laufenden VertrĂ€gen nicht verfolgen. Neben Paramount Pictures geht die EU-Kommission auch gegen Disney, NBCUniversal, Sony, Twentieth Century Fox und Warner Bros. vor. Diese Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es bei der Kommission.

Hintergrund der Untersuchung ist auch ein Grundsatzurteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs zu Pay-TV-Lizenzen [4] fĂŒr Sportveranstaltungen. Der EuGH hatte im Oktober 2011 den bei Fußball-Übertragungsrechten ĂŒblichen Gebietsschutz fĂŒr wettbewerbswidrig erklĂ€rt. KĂŒnstliche Preisunterschiede zwischen den abgeschotteten nationalen MĂ€rkten seien mit dem einheitlichen Binnenmarkt nicht vereinbar, lautete das Fazit der EU-Richter. Der britische Fußballverband hatte gegen Gastwirte geklagt, die das Sky-Monopol auf der Insel mit Receiver und Decoder eines griechischen Pay-TV-Senders unterliefen. (vbr [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3181876

Links in diesem Artikel:
[1] http://europa.eu/rapid/press-release_IP-16-1530_de.htm
[2] https://www.heise.de/news/Pay-TV-Bruessel-leitet-Kartelluntersuchung-gegen-Hollywood-ein-2084409.html
[3] https://www.heise.de/news/Pay-TV-EU-Kommission-sieht-rechtswidriges-Geoblocking-durch-Hollywood-2761379.html
[4] https://www.heise.de/news/EuGH-Exklusivlizenzen-fuer-Sport-im-Pay-TV-sind-wettbewerbswidrig-1353774.html
[5] mailto:vbr@heise.de