Gemalto hat Appetit auf Bundesdruckerei
Der niederlĂ€ndische Chipkartenkonzern, auch bei elektronischen PĂ€ssen aktiv, benötigt mehr KapazitĂ€ten, um weitere AuftrĂ€ge fĂŒr die elektronische Gesundheitskarte an Land ziehen zu können.
Der aus der Fusion von Axalto und Gemplus entstandene niederlĂ€ndische Chipkartenkonzern Gemalto [1] hat nach eigenen Angaben die Folgen der Fusion ĂŒberstanden und will weiter expandieren. In einem Interview [2] (e-Paper) mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklĂ€rte der Vorstandvorsitzende Olivier Piou: "Wir wĂŒrden gerne die Bundesdruckerei kaufen. Die wĂŒrde sehr gut zu uns passen."
Das Interesse von Gemalto an der profitabel arbeitenden Bundesdruckerei [3] ist in der anlaufenden Produktion der elektronischen Gesundheitskarte begrĂŒndet. Hier hat Gemalto den Zuschlag der AOK [4], die Gesundheitskarte fĂŒr 30 Millionen Versicherte zu produzieren. Damit sei das deutsche Werk in Filderstadt ausgelastet, erklĂ€rte der Piou im Interview. Gemalto könne daher derzeit bei anderen Krankenkassen nicht mitbieten, weil die KapazitĂ€t fehle. Ein Kauf der Bundesdruckerei sei eine Lösung des Problems. Gemalto, das als Hersteller der US-amerikanischen ReisepĂ€sse auch in der Produktion sicherer ID-Papiere vertreten ist, sei kein Finanzinvestor wie Apax Partner, mit dem die Bundesdruckerei Schiffbruch erlitten habe, betonte Piou. "Wir leben von unserer ZuverlĂ€ssigkeit."
Als schĂ€rfster Wettbewerber von Gemalto hat die MĂŒnchener Firma Giesecke & Devrient [5] ebenfalls ihr Interesse gezeigt, die Bundesdruckerei zu erwerben. Bei der Produktion der elektronischen Gesundheitskarte fĂŒr die AOK arbeiten Gemalto und Giesecke & Devrient zusammen: WĂ€hrend Gemalto die Karten produziert, kommt das Kartenmanagement-System von Giesecke & Devrient. Der Auftrag soll ein Volumen von weit ĂŒber 50 Millionen Euro haben.
Im Interview mit der FAZ gab Gemalto-Chef Piou zu, dass seine Firma in gewisser Weise von der Angst vor dem Terror profitiere. Er relativierte diese Aussage jedoch umgehend: "Ich halte es fĂŒr falsch, die Chips nur in Verbindung mit Ăberwachung oder ZwĂ€ngen zu sehen. Sie erhöhen doch vor allem unsere Freiheit, Sicherheit und Bequemlichkeit! Die elektronische Abfertigung an den Grenzen und FlughĂ€fen ist viel genauer und schneller. Das Gleiche gilt fĂŒr die Gesundheitskarte: Sie spart Zeit und Geld der Versicherten und kann wichtige Angaben zur Blutgruppe oder zu Allergien speichern. Im Notfall kann sie ĂŒber Leben oder Tod entscheiden." Dass die Angabe der Blutgruppe bereits seit einem Jahr aus dem Notfalldatensatz gestrichen ist (weil im Notfall mit Blutplasma behandelt wird), lieĂ Piou unerwĂ€hnt. (Detlef Borchers) / (jk [6])
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[1] https://www.heise.de/news/Fuehrende-SmartCard-Hersteller-fusionieren-155929.html
[2] http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/zwischenseite.asp&dx1={5DF79C17-363E-C652-4324-249D1B74D64D}6rub={cE5E4A7C-4D51-4EF4-9385-D627A87356A9}
[3] https://www.heise.de/news/ePaesse-bescheren-Bundesdruckerei-Umsatzrekord-162514.html
[4] https://www.heise.de/news/Elektronische-Gesundheitskarte-Erste-Auftraege-der-Krankenkassen-vergeben-Update-149722.html
[5] https://www.heise.de/news/Giesecke-Devrient-hat-Appetit-auf-Bundesdruckerei-131536.html
[6] mailto:jk@heise.de
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