zurück zum Artikel

Geheimnisdiebstahl bei selbstfahrenden Autos: Ex-Googler bekennt sich schuldig

Daniel AJ Sokolov
Anthony Levandowski an Rednerpult

Anthony Levandowski bei einem Vortrag als Uber-Experte Anfang 2017.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Ex-Waymo-Manager Anthony Levandowski bekennt sich schuldig, GeschÀftsgeheimnisse gestohlen zu haben. Ihm hatten hunderte Jahre Haft gedroht.

Anthony Levandowski bekennt sich des Geheimnisdiebstahls bei der Alphabet-Tochter Waymo schuldig. Waymo ist aus Google hervorgegangen und entwickelt selbstfahrende Autos. Levandowski war dort bis Anfang 2016 in leitender Funktion tĂ€tig. Dabei hat er tausende vertrauliche Dateien mitgehen lassen, in der Absicht, sie fĂŒr sich selbst und Uber zu nutzen.

Der Manager hatte heimlich eine eigene Firma gegrĂŒndet, die er kurz nach dem plötzlichen RĂŒcktritt bei Google an Uber verkaufte. Auch Uber arbeitet an selbstfahrenden Kfz, aber nicht lĂ€nger an selbstfahrenden Lkw. Nach dem Auffliegen des Skandals leugnete Uber zunĂ€chst, von den Machenschaften Levandowskis gewusst oder seine Informationen genutzt zu haben.

TatsÀchlich wusste der damalige Uber-Chef Travis Kalanick schon im MÀrz 2016 [1], dass sich Levandowski bei Waymos internen Servern bedient hatte. Laut Uber hat Kalanick Levandowski allerdings angewiesen, die Dateien zu löschen. Inzwischen hat sich Uber mit Waymo verglichen [2] und 0,34% der eigenen Aktien abgetreten. Zum damaligen Börsenwert entsprach das etwa 245 Millionen US-Dollar.

Levandowski ist angeklagt, 33 mal das Verbrechen des Geheimnisdiebstahls begangen zu haben. DafĂŒr drohen ihm bis zu 330 Jahre Haft. Nun hat sein Anwalt einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, wie aus einer Mitteilung der Behörde vom Donnerstag hervorgeht [3]. Levandowski bekennt sich in einem Fall schuldig und gesteht ein, dass dieser Fall einen Schaden von bis zu 1,5 Millionen US-Dollar verursacht haben kann.

Dem MultimillionĂ€r drohen dafĂŒr nur zehn Jahre Haft und 250.000 Dollar Geldstrafe, zusĂ€tzlich zur Wiedergutmachung des Schadens. Laut Reuters [4] wird die Staatsanwaltschaft dem Richter vorschlagen, 30 Monate Haft zu verhĂ€ngen und die weiteren 32 Anklagepunkte fallen zu lassen. Ein aufwĂ€ndiges Beweisverfahren entfĂ€llt aller Wahrscheinlichkeit nach.

Levandowski hat aber nicht nur umfangreich GeschĂ€ftsgeheimnisse mitgehen lassen, sondern auch Waymo-Mitarbeiter abgeworben. Damit hat er gegen seinen Arbeitsvertrag mit Google/Waymo verstoßen, wofĂŒr er von einem Schiedsgericht zu einer EntschĂ€digung von 179 Millionen Dollar verurteilt wurde. Ein US-Gericht hat das inzwischen bestĂ€tigt.

Waymos autonome Fahrzeuge (0 Bilder) [5]

[6]

Daraufhin musste Levandowski Privatkonkurs anmelden. Nach eigenen Angaben besitzt er weniger als 100 Millionen US-Dollar. Google hatte ihm einmal eine PrÀmie von 120 Millionen Dollar gewÀhrt. Allerdings ist unklar, wer die 179 Millionen Dollar am Ende zahlen muss.

Offenbar gibt es einen Vertrag zwischen Levandowski und Uber, wonach Uber fĂŒr solche AnsprĂŒche einsteht. Uber möchte dem nicht nachkommen, weshalb Levandowski auch einen juristischen Konflikt mit Uber auszutragen hat.

Der Geheimnisdiebstahl ist wohl durch ein Versehen eines LIDAR-Lieferanten ans Tageslicht gekommen: Laut Waymo hat der Lieferant im Dezember 2016 bei einer E-Mail an Uber irrtĂŒmlich einen Waymo-Mitarbeiter mit auf die EmpfĂ€ngerliste gesetzt. AngehĂ€ngt war die technische Zeichnung einer LIDAR-Platine, die Waymos selbst entwickelter LIDAR-Platine frappant Ă€hneln soll. Daraufhin beschuldigte Alphabet Uber in einer Klage des Geheimnisdiebstahls bei Technik fĂŒr selbstfahrende Autos [7].

Das Strafverfahren gegen Levandowski heißt USA v. Anthony Scott Levandowski und ist am Bundesbezirksgericht fĂŒr Nordkalifornien unter dem Az. 19-cr-0377 anhĂ€ngig.

(ds [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4687471

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Neue-Wendung-in-Roboterwagen-Streit-von-Google-Schwester-und-Uber-3754963.html
[2] https://www.heise.de/news/Waymo-und-Uber-beenden-Streit-ueber-angeblich-gestohlene-Technik-fuer-autonome-Autos-3964900.html
[3] https://www.justice.gov/usao-ndca/pr/former-uber-self-driving-car-executive-signs-agreement-plead-guilty-theft-trade-secrets
[4] https://www.reuters.com/article/us-uber-autonomous-levandowski/former-uber-self-driving-head-levandowski-agrees-to-plea-deal-over-google-secrets-idUSKBN21646I
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/836859.html?back=4687471;back=4687471
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/836859.html?back=4687471;back=4687471
[7] https://www.heise.de/news/Selbstfahrende-Autos-Alphabet-beschuldigt-Uber-des-Geheimnisdiebstahls-3633909.html
[8] https://www.heise.de/downloads/18/2/8/6/5/7/8/0/gov.uscourts.cand.346583.4.0.pdf
[9] mailto:ds@heise.de