Gehaltsabsprachen zwischen IT-Unternehmen reichen weiter als gedacht
Gegen Apple, Adobe, Google, Intel, Intuit, Pixar und Lucasfilm lÀuft eine Klage wegen illegaler Gehaltsabsprachen. Prozessdokumente zeigen nun, dass noch viel mehr Firmen auf das "Gentleman's Agreement" eingingen.
Die illegalen Gehaltsabsprachen zwischen IT-Unternehmen des Silicon Valley [1] sollen noch weitreichender sein als zunĂ€chst gedacht. So sollen neben Apple, Adobe, Google, Intel, Intuit, Pixar und Lucasfilm wesentlich mehr Firmen seit 2005 mit dem "Gentleman's Agreement" ĂŒbereingekommen sein, sich gegenseitig keine Mitarbeiter abzuwerben. Dies sollte vor allem die GehĂ€lter niedrig halten und kosten- und zeitaufwendige Mitarbeiterwechsel ausschlieĂen.
WĂ€hrend bisher davon ausgegangen wurde, dass rund 100.000 Arbeitnehmer aus der IT-Branche von den Absprachen ĂŒber Jahre betroffen waren, deutet sich nun an, dass ĂŒber eine Million Arbeitnehmer weltweit kĂŒnstlich auf einem abgesprochenen Gehaltsniveau gehalten wurden. Das berichtet [2] pando daily.
Dass Apple, Adobe, Google, Intel, Intuit, Pixar und Lucasfilm eine geheime Absprache ĂŒber Mitarbeiterabwerbung getroffen hatten, soll in einem Sammelklageverfahren [3] im Mai verhandelt werden. FĂŒr Apple, Google, Adobe und Intel wurde der erste Verhandlungstag auf den 27. Mai festgelegt. Pixar, Lucasfilm und Intuit wollen mit den KlĂ€gern einen Vergleich finden. Der Versuch der Firmen, das Sammelklageverfahren zu kippen, war im Januar gescheitert.
Liste der beteiligten Firmen angewachsen
Laut Pando daily, das nach eigenen Angaben in die Klageakten sah, erweitert sich nun auch die Liste der wohl involvierten Unternehmen unter anderem um Firmen wie Microsoft, Dell, IBM, eBay (Paypal), Comcast, Clear Channel, Dreamworks, Virgin Media, AOL, AskJeeves, Clear Channel, Earthlink, Lycos und NTL. Eine Klage gegen diese Firmen lÀuft derweil aber noch nicht. Einige der Unternehmen wurden lediglich im Laufe von Ermittlungen vorgeladen.
Bei einem GroĂteil der genannten Firmen ist bisher auch noch nicht klar, ob sie sich aktiv am Gentleman's Agreement beteiligten oder ob zunĂ€chst andere Firmen ĂŒber ihre Köpfe hinweg darĂŒber einig wurden, dass keiner der Wettbewerbsteilnehmer auch auf diesen Mitarbeiterpool zugreifen sollte. Manche Unternehmen können deshalb auf eine "Don't-call"-Liste gelangt sein, ohne davon zu wissen. Andere sollen unwissend Teil der Liste geworden sein und dem spĂ€ter zugestimmt haben.
Interne E-Mails legen auf jeden Fall nahe, dass es auch auĂerhalb des Gentleman's Agreement mĂŒndliche Absprachen im Silicon Valley gegeben haben muss, die dann wie das Gentleman's Agreement galten. Dies zeigt etwa eine E-Mail von Michael Dell an Eric Schmidt von Google. Wie schon der inzwischen verstorbene Apple-Chef Steve Jobs reagierte auch Michael Dell verstimmt und teils aggressiv auf Versuche von Mitarbeiterabwerbung. Jobs soll unter anderem dem damaligen Palm-Chef (und Ex-Apple-Kollegen) Jon Rubinstein mit Patentklagen [4] gedroht haben, sollte Palm wertvolle Mitarbeiter von Apple abwerben. (kbe [5])
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[1] https://www.heise.de/news/Verfahren-wegen-Rekrutierungs-Kartell-von-Apple-Google-und-Co-kann-beginnen-2098248.html
[2] http://pando.com/2014/03/22/revealed-apple-and-googles-wage-fixing-cartel-involved-dozens-more-companies-over-one-million-employees/
[3] https://www.heise.de/news/Klage-wegen-Beschaeftigungs-Absprachen-zwischen-Apple-Google-und-Intel-zugelassen-1544188.html
[4] https://www.heise.de/news/Prozess-gegen-Abwerbekartell-Steve-Jobs-drohte-Palm-mit-Patentklagen-1790151.html
[5] mailto:kbe@heise.de
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