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Gedenken an die Reichspogromnacht: Stolpersteine-App fĂŒr ganz Deutschland

Kristina Beer

Stolpersteine geben ĂŒber die Opfer des Nationalsozialismus Auskunft – an den Orten, an denen sie vor der systematischen Verfolgung zuvor lebten.

(Bild: d-Sire)

Das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit soll lebendig gehalten werden. Eine App will nun auf Stolpersteine deutschlandweit hinweisen und Daten zugÀnglich machen.

Gegen das Vergessen der GrĂ€ueltaten der Nationalsozialisten wurden von dem KĂŒnstler Gunter Demnig und seinen Vertretern mittlerweile mehr als 90.000 Stolpersteine verlegt. Die Agentur d-sire aus Köln hat nun eine App herausgegeben, welche Menschen den Weg zu den Stolpersteinen deutschlandweit weist.

Unter anderem anlĂ€sslich des Gedenkens an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 werden die Stolpersteine von vielen Freiwilligen Jahr fĂŒr Jahr geputzt und auch Blumen und Kerzen an ihnen aufgestellt. Die Stolpersteine geben darĂŒber Auskunft, welche ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner von GebĂ€uden wĂ€hrend der NS-Zeit enteignet, vertrieben, deportiert und auch getötet wurden.

Die Stolpersteine gelten als eines der grĂ¶ĂŸten dezentralen Mahnmale der Welt. Nicht nur in Deutschland werden die quadratischen Messingtafeln, die von Hand mittels Hammer und Schlagbuchstaben beschriftet werden, verlegt. Auch in 29 weiteren LĂ€ndern gibt es Stolpersteine. Gunter Demnig hat mit der Verlegung im Jahr 1992 begonnen.

D-Sire hat fĂŒr die App nach eigenen Angaben öffentlich verfĂŒgbare Daten von Wikipedia und OpenStreetMap verwendet. Bisher sind etwas mehr als 20.000 Stolpersteine in der App vorhanden, weitere sollen regelmĂ€ĂŸig ergĂ€nzt werden.

Update

Mittlerweile sind laut der Agentur d-sire 27.000 Stolpersteine enthalten.

Screenshot aus der App

(Bild: d-sire)

In der App kann ĂŒber eine Kartenansicht oder Orts-Verzeichnisse nach Stolpersteinen gesucht werden. In grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten können schon durch die Standortermittlung Steine in der NĂ€he angezeigt werden. Von den Steinen sind jeweils Fotografien und die eingeklopften Daten in der App sichtbar. FĂŒr Menschen mit erheblicher SehschwĂ€che und eingeschrĂ€nkter Motorik soll die App weitestgehend barrierefrei sein.

D-Sire weist darauf hin, dass die App "Stolpersteine Deutschland" (verfĂŒbgar bei Google Play [1] und im Apple App Store [2]) eigeninitiativ ohne Steuer- und Spendengelder realisiert wurde und dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus dient. Die Erinnerungskultur solle mit ihr digital unterstĂŒtzt werden.

Es gibt bereits ein paar Apps zu den Stolpersteinen, allerdings lokal begrenzt. Der Westdeutsche Rundfunk hat etwa fĂŒr das Land Nordrhein-Westfalen eine entsprechende App [3] herausgegeben.

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(kbe [5])


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[1] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.dsire.stolpersteine&gl=DE
[2] https://apps.apple.com/de/app/stolpersteine-deutschland/id1590824305
[3] https://www.heise.de/news/Neue-WDR-App-macht-Schicksale-hinter-Stolpersteinen-in-NRW-erlebbar-6335460.html
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