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Galileo-Aufbau wird zur europÀischen Gemeinschaftsaufgabe

Peter-Michael Ziegler

Nach dem Willen der EU sollen die einst konkurrierenden Industriekonsortien iNavSat und Eurely das europÀische Satellitennavigationssystem Galileo nun gemeinsam aufbauen.

Das europĂ€ische Satellitennavigationssystem Galileo [1] wird aller Voraussicht nach von den einst konkurrierenden Industriekonsortien iNavSat [2] und Eurely gemeinsam aufgebaut. Wie die fĂŒr den Konzessionswettbewerb zustĂ€ndige Galileo Joint Undertaking (GJU [3]) am heutigen Montag in BrĂŒssel mitteilte, sollen auf Grundlage des in der vergangenen Woche von iNavSat (an dem unter anderem der europĂ€ische Raumfahrtkonzern EADS, die französische Thales Gruppe sowie Inmarsat Ventures aus England beteiligt sind) und Eurely (Alcatel, Finmeccanica, Hispasat, Aena) abgegebenen Gemeinschaftsgebots jetzt entsprechende Konzessionsverhandlungen aufgenommen werden.

Der KonzessionĂ€r erhĂ€lt fĂŒr 20 Jahre die Galileo-Vermarktungsrechte, muss dafĂŒr aber zwei Drittel der Milliarden-Kosten fĂŒr den Aufbau des 30 Satelliten umfassenden Systems sowie die Betriebskosten ĂŒbernehmen. Das Satellitensystem soll in der Telekommunikation, im Straßen-, Schienen und Luftverkehr sowie fĂŒr Energie- und Umweltanwendungen eingesetzt werden. SpĂ€testens im Jahr 2008 sollen jeweils zehn Satelliten auf drei verschiedenen Umlaufbahnen die Erde umkreisen. Positionsbestimmungen sollen mit Galileo genauer und zuverlĂ€ssiger sein, als dies heute mit dem US-amerikanischen Pendant GPS [4] (Global Positioning System) möglich ist.

Eigentlich wollte sich die GJU -- ein Gemeinschaftsunternehmen von EU und ESA (European Space Agency) -- schon Anfang MĂ€rz fĂŒr einen der beiden verbliebenen Bewerber entscheiden. Weil beide Offerten sich nach GJU-Angaben jedoch nur unwesentlich voneinander unterschieden, wurde die Angebotsfrist um weitere drei Monate verlĂ€ngert [5]. Im Zuge der Nachverhandlungen schmiedeten iNavSat und Eurely dann konkrete PlĂ€ne ĂŒber eine Zusammenarbeit, die schließlich in der Abgabe des gemeinsamen Angebots mĂŒndeten. Dieses habe sich in dem Auswahlverfahren als das Beste herausgestellt, teilte die GJU jetzt mit (PDF-Datei [6]).

Die Bundesregierung befĂŒrchtet unterdessen, dass Frankreich, Spanien und Italien das Galileo-Projekt bei einer Fusion industriepolitisch dominieren könnten und drohte unlĂ€ngst sogar mit dem Einfrieren von Anlaufkosten [7] in Höhe von 80 Millionen Euro. "Als grĂ¶ĂŸter Beitragszahler des Galileo-Projekts ist Deutschland nicht nur am wirtschaftlichen Systembetrieb, sondern auch an einer angemessenen Beteiligung der deutschen Industrie an Galileo interessiert. Es bleibt deshalb bei unserer unverzichtbaren Forderung nach einem adĂ€quaten industriellen RĂŒckfluss nach Deutschland beim Galileo-Aufbau und -Betrieb", sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe nach Bekanntgabe der GJU-Entscheidung. (pmz [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-111574

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/glossar/entry/Galileo-396587.html
[2] http://www.inavsat.com/
[3] http://www.galileoju.com
[4] http://www.heise.de/glossar/entry/Global-Positioning-System-395580.html
[5] https://www.heise.de/news/Konfusion-um-Zuschlag-fuer-europaeisches-Satellitennavigationssystem-Galileo-139245.html
[6] http://www.galileoju.com/doc/6533%20Press%20release%20concession%2027th%20June%202005.pdf
[7] https://www.heise.de/news/Deutschland-droht-mit-Finanzierungsstopp-des-Galileo-Projekts-162749.html
[8] mailto:pmz@ct.de