GM-Krise: Rick Wagoner muss gehen
Die Umstrukturierungspläne der US-Regierung für den angeschlagenen Autokonzern General Motors haben ein prominentes Opfer gefordert: Der bisherige Vorsitzende Rick Wagoner tritt mit sofortiger Wirkung zurück
Detroit (USA), 30. März 2009 – Das Tauziehen um den angeschlagenen US-Automobilkonzern General Motors (GM) geht weiter. Ging es bislang um finanzielle Hilfen, so fordert die Krise nun ihr erstes Opfer an höchster Stelle: Der bisherige GM-Boss Rick Wagoner nimmt mit sofortiger Wirkung seinen Hut.
Gegangen worden
Zu den näheren Umständen seiner Demission äußert sich Wagoner in einer offiziellen Mitteilung: Demnach habe er sich am vergangenen Freitag in Washington mit Vertretern der Regierung getroffen. Im Verlauf der Gespräche sei ihm der Rücktritt nahe gelegt worden. Nachfolger des 56-jährigen Wagoner wird Fritz Henderson (50), der bislang als Vize-Vorsitzender und Finanzvorstand tätig war. Als früherer Europa-Chef des Konzerns gilt Henderson auch als Kenner der Verhältnisse bei Saab und Opel. Womöglich ist aber auch Fritz Henderson nur eine Interimslösung, wie unter anderem die New York Times berichtet. Auch der größte Teil des Vorstands soll demnach in den nächsten Monaten ausgetauscht werden.
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Staatshilfe unter Bedingungen
GM und Chrysler war zuletzt eine Frist bis zu 31. März gesetzt worden, um akzeptable Sanierungspläne für ihre Unternehmen vorzulegen. Doch die bereits am Donnerstag vorgelegten Pläne lehnt die Auto-Arbeitsgruppe des Präsidenten ab. Daher sollen zunächst keine weiteren Finanzhilfen gewährt werden. Stattdessen erhält GM nur noch eine Finanzierungszusage für die kommenden 60 Tage. In dieser Frist soll das Unternehmen einen weitreichenden Sanierungsplan ausarbeiten. Was den Zeitpunkt von Wagoners Rückzug angeht, herrscht bei Beobachtern Verwunderung. Nach Meinung von Michael Useem, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Pennsylvania, war ein Rücktritt ohnehin zu erwarten gewesen, doch der Zeitpunkt sei unerklärlich. Der Republikaner Thaddeus G. McCotter aus Michigan fragt sich, warum man nun ein 60-Tage-Ziel vorgibt und Rick Wagoner ausbootet, ohne von Seiten der Regierung zu definieren, worin das Ziel überhaupt bestehen soll.
GM-Krise: Rick Wagoner muss gehen
Schleichender Niedergang
Laut FAZ hat GM in den vergangenen Jahren 82 Milliarden Dollar Verlust ausweisen müssen. Schlimm hat sich auch der Markanteil von GM in den USA entwickelt. Er ist laut New York Times auf 18,8 Prozent gefallen, 1994 seien es noch 33,2 Prozent gewesen. Doch es waren wohl nicht nur Zahlen und Sachgründe, welche die Regierung veranlasst haben, Wagoner aus seinem Amt zu entfernen, denn in der verbleibenden Gnadenfrist von 60 Tagen wird auch sonst niemand Wunder bewirken können.
Auch Chrysler wird Frist gesetzt
Während GM wohl noch 60 Tage Aufschub bekommt, hat die Regierung Chrysler aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen eine „Partnerschaft“ mit Fiat zu formen. Dass das gelingt, ist allerdings noch nicht sicher. Bisher war im Gespräch, dass Fiat seine Technik für Chrysler-Fahrzeuge zur Verfügung stellt und im Gegenzug 35 Prozent Anteile des Unternehmens erhält. Chryslers Schulden übernehmen will Fiat allerdings nicht.
Laut New York Times will Präsident Obama heute im Weißen Haus Details zu den Erwartungen an GM und Chrysler bekanntgeben. Zwei hochrangige Mitarbeiter sollen aber bereits unter der Hand eingeräumt haben, dass irgendeine Form von Insolvenz noch immer eine Option für beide Unternehmen sei – eine schnelle, gerichtlich überwachte Restrukturierung, wie sie es ausdrückten. (ggo) (rh [3])
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