zurück zum Artikel

Funkdienste-Anbieter fordern Open-Access-Netzwerk in den USA

Rudolf Opitz

AnlĂ€sslich einer FCC-Versteigerung von freigewordenen Funkspektren plĂ€diert eine Gruppe von kleineren Mobilfunk-Unternehmen fĂŒr ein nationales offenes Funknetz fĂŒr kabellose Internet-Dienste.

Die Wireless Founders Coalition, eine neu gegrĂŒndete Allianz verschiedener Unternehmen, die mobile Dienste und GerĂ€te anbieten, hat einer Meldung [1] des Wall Street Journals zufolge in einem offenen Brief (pdf [2]) an Kevin Martin, Chairman der Federal Communications Commission (FCC [3]), ein USA-weites, offenes Funknetz fĂŒr Internetdienste vorgeschlagen. Anlass ist die geplante Versteigerung von Lizenzen fĂŒr FunkbĂ€nder, die die Fernseh-Sender nicht mehr benötigen. Zu den 15 Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem die GrĂŒnder von Virgin Mobile USA [4], einem Prepaid-Anbieter, der bislang das Funknetz von Sprint Nextel benutzt, der GrĂŒnder des Download-Portals Zingy [5], der Chairman des Push-Mail-Anbieters Seven Networks [6] sowie der CEO von mPortal [7], einem Hersteller von Handy-Software.

Die Forderung nach einem offenen Funknetz ist Teil einer Fehde zwischen den großen Funknetzbetreibern wie Verizon Wireless [8] und AT&T [9] und verschiedenen Zweigen der Mobilfunk-Industrie. Viele Anbieter beschweren sich ĂŒber Hemmnisse, ihre Dienste und GerĂ€te auf den Markt zu bringen, da die Netzbetreiber mit den Mobilfunknetzen auch die Kontrolle ĂŒber den Zugang dazu haben und Neues nur nach langwierigen und teuren Tests zulassen. Virgin-Mobile-USA-GrĂŒnder Amol Sarva zufolge brauche man eine Idee fĂŒrs Internet nur Online zu stellen, wĂ€hrend es bei einer GeschĂ€ftsidee fĂŒr Handys sehr schwierig sei, sie dem Verbraucher anzubieten. Bei Mobiltelefonen dauere die Zulassung durch die Netzbetreiber Monate und dann seien die VertrĂ€ge oft exklusiv. Als Beispiel nannte er das iPhone [10], das ab Ende Juni [11] nur bei AT&T zu haben sein wird. Etablierte Handy-Hersteller wie Nokia oder RIM halten sich mit öffentlicher Kritik an den abgeschotteten MobilfunkmĂ€rkten zurĂŒck, zumal sie von ihrer Erfahrung profitieren. Die Netzbetreiber hielten die geforderen Spezifikationen geheim, was den Marktzugang fĂŒr neue Firmen zusĂ€tzlich behindere, kritisierte Sarva.

Die Carrier bestehen dagegen auf eingehenden Tests und BandbreitenbeschrĂ€nkungen fĂŒr neue Dienste wie Video. Tom Tauke, VizeprĂ€sident von Verizon Communications, einem Unternehmen, das Verizon Wireless und Vodafone gehört, begrĂŒndete die Restriktionen, schon vier Slingboxen [12], EmpfĂ€nger fĂŒr Internet-TV, könnten eine Funkzelle lahmlegen. Daher mĂŒsse es Regeln fĂŒr das Netzwerk geben.

Zu den BefĂŒrwortern eines offenen Funknetzes gehört Frontline Wireless LLC [13], ein Startup-Unternehmen des frĂŒheren FCC-Chairmans Reed Hundt, das die Diskussion begonnen hatte, sowie Google und Skype. Die Netzbetreiber sehen dagegen keinen Bedarf fĂŒr ein offenes Netz und wollen bei der geplanten Versteigerung mitbieten. Verizon plant beispielsweise, mit den neuen Frequenzen seine mobilen Breitband-Dienste auszubauen und kritisierte den Frontline-Plan scharf. Die Entscheidung liegt nun bei der FCC, die in den nĂ€chsten Wochen die Regeln fĂŒr die Versteigerung der FunkbĂ€nder festlegen will. (rop [14])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-137639

Links in diesem Artikel:
[1] http://online.wsj.com/article/SB118124664668428164.html?mod=rss_whats_news_technology
[2] http://www.txtbl.com/LetterWirelessFoundersCoalitionforIn.pdf
[3] http://www.fcc.gov/
[4] http://www.virginmobileusa.com/
[5] http://www.zingy.com/
[6] http://www.seven.com/
[7] http://www.mportal.com/
[8] http://www.verizonwireless.com/
[9] http://www.att.com/gen/landing-pages?pid=9215
[10] http://www.heise.de/mobil/handygalerie/?rm=show_details&modell=1029
[11] https://www.heise.de/news/Apples-iPhone-ab-29-Juni-in-den-USA-erhaeltlich-135172.html
[12] http://www.mobilephones-info.com/SlingBox.htm
[13] http://www.frontlinewireless.com/
[14] mailto:rop@ct.de