Frankreich erhÀlt Websperren ohne Richtervorbehalt
Die französische Nationalversammlung und der Senat haben ein Gesetz zur StÀrkung der inneren Sicherheit verabschiedet, das unter anderem eine Blockade kinderpornographischer Webseiten und heimliche Online-Durchsuchungen vorsieht.
Die französische Nationalversammlung [1] und der Senat [2] haben am gestrigen Dienstag mit der Mehrheit der Regierungspartei UMP ein Gesetz zur StĂ€rkung der inneren Sicherheit ("Loppsi 2 [3]", Loi d'orientation et de programmation pour la performance de la sĂ©curitĂ© intĂ©rieure) verabschiedet, das unter anderem eine Blockade kinderpornographischer Webseiten vorsieht. Die Opposition will das Gesetz vom französischen Verfassungsgerichtshof prĂŒfen lassen.
GemÀà dem Gesetz soll eine Regierungsbehörde auf Basis einer noch zu erlassenden Verordnung Internetprovider zum Sperren inkriminierter Online-Angebote ohne EntschĂ€digung zwingen können. Ein richterlicher Beschluss ist im Gegensatz zu frĂŒheren EntwĂŒrfen [4] nicht mehr vorgesehen. Der entsprechende ĂŒberarbeitete Teil des Gesetzes hatte schon im Dezember das Parlament passiert [5] und wurde nun von den Senatoren bestĂ€tigt.
Mit Loppsi 2 werden die französischen Sicherheitsbehörden auch mit der Befugnis fĂŒr heimliche Online-Durchsuchungen ausgerĂŒstet. DafĂŒr ist zunĂ€chst eine Richtergenehmigung einzuholen. Ferner werden Webseiten verboten, die Kinder zu selbstmörderischen Spielen anregen. IdentitĂ€tsdiebstahl im Netz wird schwerer geahndet: Die Höchststrafen dafĂŒr liegen kĂŒnftig bei zwei Jahren Haft und 20.000 Euro Geldstrafe. Der Betrieb von Phishing-Seiten soll ebenfalls stĂ€rker bestraft werden. Nicht zuletzt wird mit dem Gesetz die VideoĂŒberwachung öffentlicher PlĂ€tze und StraĂen deutlich ausgeweitet.
Die BĂŒrgerrechtsorganisation "La Quadrature du Net" sieht [6] in den MaĂgaben des Gesetzes eine "unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit". Der Kollateralschaden einer Zensur sei unvermeidbar, sodass das Gesetz gegen die Verfassung verstoĂe. Besonders bedenklich sei, dass die französische Regierung das Thema einer stĂ€rkeren Netzkontrolle auch auf die Agenda der diesjĂ€hrigen GesprĂ€che der fĂŒhrenden Wirtschaftsnationen und aufstrebender EntwicklungslĂ€nder gesetzt habe. (vbr [7])
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[4] https://www.heise.de/news/Frankreichs-Nationalversammlung-segnet-Netzsperren-ab-928584.html
[5] https://www.heise.de/news/Franzoesisches-Parlament-fuer-Websperren-ohne-Richterbeschluss-1156100.html
[6] http://www.laquadrature.net/fr/loppsi-adoptee-internet-sous-controle
[7] mailto:vbr@heise.de
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