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Fisker Karma: Plug-in-Hybrid soll in Finnland gebaut werden

ssu

Noch vor kurzem geschockt vom Auslaufen der Fertigung des Porsche Boxster freut sich der finnische Auftragsfertiger nun über die Ankündigung der US-Firma Fisker, ihren exklusiven Viertürer an der Ostsee zu bauen

Uusikaupunki (Finnland), 15. Juli 2008 – Valmet Automotive schöpft neue Hoffnung: Das in den USA konstruierte Elektrofahrzeug Fisker Karma soll in Finnland gebaut werden. Dies sehe ein entsprechender Letter of Intent (LOI) mit dem Entwicklungsunternehmen Fisker Automotive vor, gab der finnische Automobil-Auftragsfertiger heute bekannt. Ziel sei es, dass der endgültige Vertrag in den "kommenden Monaten" unterzeichnet werden könne.

Noch vor wenigen Wochen sah es düster für die 1968 gegründete heutige Valmet Automotive aus, die zunächst Saab-Automobile baute und bei der seit elf Jahren Porsche Boxster und Cayman vom Band rollen. Weil Porsche diese Modelle ab 2012 bei der österreichischen Konkurrenz von Magna Steyr fertigen lässt, standen die Finnen ohne Folgeauftrag [1] da. Nun setzen die Finnen auf lokal emissionsfreie Antriebe: Die ersten Fisker Karma sollen im vierten Quartal 2009 in Nordamerika ausgeliefert werden, ab 2010 soll das aufregend designte Fahrzeug auch in Europa zu haben sein. Fisker Automotive peilt eine Jahresproduktion von 15.000 Einheiten an – über die Hälfte davon will Firmenchef Henrik Fisker außerhalb Nordamerikas absetzen.

Fisker Karma: Plug-in-Hybrid soll in Finnland gebaut werden (0 Bilder) [2]

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Der in Dänemark geborene Auto-Designer Henrik Fisker [4] war von 1989 an für BMW tätig, wo er das Außendesign des Luxus-Roadsters Z8 entwarf, Anfang des neuen Jahrtausends zeichnete er mit Aston Martin DB9 und V8 Vantage weitere Luxussportwagen in der Zeit als die britische Traditionsmarke zum Ford-Konzern gehörte.

Der Anfang 2008 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte Fisker Karma ist das erste Auto des in Privatbesitz befindlichen Unternehmens Fisker Automotive – einem Joint-venture der Firmen Fisker Coachbuild und dem börsennotierten US-Unternehmen Quantum Technologies, das sich auf Antriebslösungen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge mit Lithium-Ionen- (Li-Ion)-Akkus spezialisiert hat.

Der viertürige Karma ist als ein Plug-in-Hybrid ausgelegt, der rund 50 Meilen (80 Kilometer) rein elektrisch fahren kann. Der Akku-Pack und ein "kleiner" Verbrennungsmotor, der einen Generator zum Aufladen der Akkus antreibt, sind zwischen den Achsen und an zentraler Position im Fahrzeug untergebracht. Dies soll sowohl der Crash-Sicherheit dienen als auch zu einer nahezu idealen Gewichtsverteilung des Hecktrieblers führen. Wer sein Auto nicht mehr als 80 Kilometer pro Tag bewege und danach regelmäßig auflade, komme mit einer Benzinfüllung für den Range-Extender pro Jahr aus, prophezeit der Hersteller, ohne zu verraten, wieviel Sprit der Tank denn fasst.

Auf Wunsch ist für das Auto, das "so flach wie ein Porsche 911, so breit wie ein 7er BMW und so lang wie ein Mercedes CLS" ist, ein Solardach erhältlich, das die Akku-Nachladung unterstützt. Ferner will Fisker Solar-Panele für Garagendächer anbieten. Angeboten werden soll der Karma in besonders umweltfreundlichgestalteten Verkaufsräumen. Zu möglichen Vertriebspartnern machte das Unternehmen noch keine Angaben, ebensowenig zum Preis. Wegen der luxuriösen Ausstattung und der relativ kleinen Auflage dürfte das emissionsfreie Fahren zu einem teuren Vergnügen werden – immerhin fasst der Kofferraum zwei Golftaschen und zusätzliches Gepäck, verspricht Fisker der Zielgruppe.

Ob die Fertigung des Karma die Arbeitsplätze bei Valmet Automotive an der finnischen Ostseeküste im kommenden Jahrzehnt sichert, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren liefen im Durchschnitt über 15.000 Porsche pro Jahr von den Produktionsbändern in Uusikaupunki. Voll ausgelastet wäre das Werk also nur, wenn Fisker die komplette Produktion der angepeilten 15.000 Karma pro Jahr dorthin vergeben würde. Davon ist aber schon deshalb nicht auszugehen, weil die Hälfte der Produktion im Dollar-Raum abgesetzt werden soll. Auch wird sich zeigen müssen, ob in einem Werk, in dem seit vier Jahrzehnten Pkw mit Verbrennungsmotor gebaut werden, die Serienfertigung einer Neukonstruktion mit Elektromotor reibungsloser anläuft als dies die Schwierigkeiten bei Tesla Motors [5] befürchten lassen.

Valmet-Automotive-Chef Ilpo Korhonen gibt sich jedenfalls optimistisch, was die Umstellung der Fertigung auf die neuen Typen angeht, und er setzt auf Elektrofahrzeuge als Wachstumsmarkt. Doch noch kann niemand den Markterfolg der schnittig gezeichneten Elektroautos vom Schlage eines Tesla Roadster oder Fisker Karma vorhersagen. Und für die Finnen macht es einen weiteren Unterschied, ob ihre Auftraggeber seit Jahrzehnten etablierte, börsennotierte Autokonzerne oder Start-up-Firmen in Privathand sind. Käme es zum Beispiel zu Brandunfällen mit den schönen neuen Flitzern mit Li-Ion-Akkus in den USA, könnte das dortige Schadensersatzrecht nicht nur die betroffene Start-up-Firma in den Ruin treiben. (ssu [6])


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[1] https://www.heise.de/news/Porsche-Boxster-verabschiedet-sich-aus-Uusikaupunki-455017.html
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4715911.html?back=457113;back=457113
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4715911.html?back=457113;back=457113
[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Henrik_Fisker
[5] https://www.heise.de/news/Tesla-Roadster-Produktionsstart-im-Maerz-439851.html
[6] mailto:ssu@ct.de