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Finanzskandal bei SER

Torge Löding

Entgegen einem gerichtlichen Verbot verĂ€ußerte der SER-Vorstand das US-GeschĂ€ft an leitende Mitarbeiter.

Angesichts der drohenden Insolvenz der SER Systems AG [1] -- Spezialist fĂŒr Workflow- und Wissensmanagement-Software -- planten Vorstand und Aufsichtsrat, wesentliche Vermögensteile an leitende Mitarbeiter zu verĂ€ußern. Wie die Computerwoche [2] berichtet, verbot das Landgericht Koblenz die fragwĂŒrdigen Management-Buyouts per einstweiliger VerfĂŒgung. Trotzdem betrieb Vorstandschef Gert Reinhardt in einer Nacht- und Nebel-Aktion den Verkauf des gesamten US-GeschĂ€fts.

AktionĂ€rsschĂŒtzer sprechen von Bilanzmanipulationen und TĂ€uschung der Anleger. Auf einer eilig einberufenen Hauptversammlung am 26. April hatten verunsicherte AktionĂ€re in Anbetracht der schlechten Finanzlage des Unternehmens einem angeblichen Rettungsplan des Vorstands zugestimmt. Dieser sah vor, ĂŒber zwei Management-Buyouts fĂŒr die europĂ€ischen und US-amerikanischen Gesellschaften nahezu das gesamte Konzernvermögen an leitende Mitarbeiter zu verĂ€ußern. Doch am 4. Juni untersagte das Landgericht Koblenz die Übertragung der Vermögenswerte. In der UrteilsbegrĂŒndung heißt es nach dem Bericht des IT-Fachmagazins, die HV-BeschlĂŒsse "sind gesetzwidrig zustande gekommen und deshalb nichtig". In einer zweiten einstweiligen VerfĂŒgung verbot das Gericht am 13. Juni auch das Vorhaben Reinhardts, die US-AktivitĂ€ten ohne genehmigenden Beschluss der Hauptversammlung zu verkaufen. Trotzdem meldete SER am 18. Juni ĂŒberraschend den Vollzug. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin kam das Urteil "zu spĂ€t".

Die AktionĂ€rsschĂŒtzer reagieren empört: Auf der strittigen Hauptversammlung hĂ€tten Reinhardt und der Aufsichtsratschef Roland Paule die Anteilseigner "angelogen", wesentliche Informationen zu den beabsichtigten Management-Buyouts seien ihnen "bewusst vorenthalten worden". Reinhardt soll sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen in den USA aufhalten und wird voraussichtlich nicht mehr nach Deutschland zurĂŒckkehren. Der Schutzverband der Kleinanleger will weiter gerichtlich gegen den Vorstand vorgehen. (tol [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-66168

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Wissen-macht-reich-Wissensmanagement-nicht-56105.html
[2] http://www.computerwoche.de
[3] mailto:tol@heise.de