Finanzinvestor sichert sich LĂ€nderdomains
Nordrhein-Westfalen und Bayern setzen beim Betrieb ihrer Top Level Domains auf den Finanzinvestor TLDH.
Nach der Stadt Köln und den LĂ€ndern Bayern sowie Nordrhein-Westfalen hat am Montag auch die Hamburger Senatskanzlei die Betreiberin ihrer geografischen Top Level Domain gekĂŒrt. Nach europaweiter Ausschreibung wurde der Hamburger Anwalt und eco-Vorstand Oliver SĂŒme ausgewĂ€hlt. NRW setzt hingegen wie Bayern auf den Finanzinvestor Top Level Domain Holdings (TLDH) beziehungsweise dessen Tochterunternehmen. Köln hatte sich bereits Mitte Januar fĂŒr das stadteigene Unternehmen Netcologne als Betreiber von .koeln und .cologne ausgesucht [1]. Berlin und Saarland haben sich noch nicht entschieden.
TLDH hatte auch mit der Aussicht auf eine hohe Gewinnbeteiligung fĂŒr die öffentliche Hand geworben. FĂŒr Hamburg sei die finanzielle Beteiligung nicht ausschlaggebend, hatte eine Vertreterin der Stadt im Februar versichert. Der Chef der Hamburger Senatskanzlei teilte mit, sie sei vom Erfolg der unterstĂŒtzten Bewerbung bei der ICANN ĂŒberzeugt und setze auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Hamburg Top-Level-Domain GmbH "zum Nutzen der Metropolregion Hamburg". StĂ€dte und LĂ€nder haben sich neben den finanziellen Beteiligungen zum Teil weitreichende Einflussmöglichkeiten ĂŒber BeirĂ€te gesichert.
In Bayern fordern die GrĂŒnen inzwischen den Widerruf der Vergabe. TLDH-Tochter BayernConnect habe "ein Vielfaches" im Vergleich zum unterlegenen Bewerber dotBayern e.V. geboten, bestĂ€tigte Franz Josef Pschierer, StaatssekretĂ€r im Bayerischen Finanzministerium, am Rande des CSU-Netzkongresses [2] vorige Woche. Pschierer hatte sich dort kritisch zur Vergabe der geo-TLDs durch eine private US-Organisation geĂ€uĂert, Bedenken wegen eines möglichen Zugriffs auf eine US-amerikanische Registry hatten bei der Vergabe an BayernConnect allerdings keine Rolle gespielt. Ein Primary Datacenter fĂŒr .bayern soll aber in Europa liegen, teilte eine Sprecherin von BayernConnect mit, "die Secondary Server befinden sich ebenfalls nicht in den USA".
NRW holte sich einen deutschen Backend-Registryprovider mit ins Boot, die Knipp Medien und Kommunikaton GmbH. FĂŒr das Land sei wichtig gewesen, "dass die Interessen der heimischen Community gesichert sind und die TLD .nrw zum Wohl der Allgemeinheit auf einer zuverlĂ€ssigen und technisch ausgereiften Plattform betrieben wird", erklĂ€rte Knipp, der auf das Registry-System Tango setzt. Den Partner TLDH lĂ€Ăt das Dortmunder Unternehmen in seiner Mitteilung [3] unter den Tisch fallen. TLDH und dessen Finanzpartner listen mittlerweile VertrĂ€ge [4] ĂŒber den Betrieb von geo-TLDs in den USA (.miami), Afrika (.zulu), Neuseeland (.kiwi) und Deutschland. (anw [5])
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[1] https://www.heise.de/news/Bieterkampf-um-neue-Staedte-und-Laender-TLDs-1420976.html
[2] https://www.heise.de/news/CSU-Netzkongress-Tablets-fuer-Schueler-statt-Netzsperren-1474220.html
[3] http://www.knipp.de/company/topical/overview.do#2012_02
[4] http://www.tldh.org/2012/03/mindsmachines-gmbh-wins-dot-nrw-contract/
[5] mailto:anw@heise.de
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