Festplatten mit Kontodaten auf eBay verscherbelt
Noch ein Datenleck in Großbritannien: Über eine Million Daten von Bankkunden haben sich auf Festplatten befunden, die ein IT-Berater über eBay erstanden hat.
Der britische IT-Berater Andrew Chapman hat über eBay Festplatten erstanden, auf der sensible Informationen von mehr als einer Million Bankkunden abgespeichert sind. Die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet [1], Chapman habe die Festplatten für 35,88 Pfund (45 Euro) von einem früheren Mitarbeiter des Datenverarbeitungsdienstleisters Graphic Data [2] gekauft. Das Unternehmen digitalisiert beispielsweise im Auftrag von Banken papierne Dokumente und speichert sie.
Auf den Festplatten, die in einem SNAP-NAS enhalten waren, sollen sich unverschlüsselte Daten von Kunden von American Express, NatWest und der Royal Bank of Scotland befinden. Sie enthielten Namen, Adressen, Handy-Nummern, Konto- und Kreditkartennummern sowie Unterschriften. Der Server wurde früher im Graphic-Data-Datenlager in Shoeburyness in Essex verwendet. Der Verkäufer hatte es verpasst, die darauf enthaltenen Daten zu löschen, bevor er sie über das Online-Auktionshaus eBay anbot.
Chapman hat laut dem Bericht sofort nach der Entdeckung der Daten auf den Festplatten die Behörden informiert. Das für den Datenschutz in Großbritannien zuständige Information Commissioner's Office [3] hat bereits eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Graphic Data hat laut dem Bericht mitgeteilt, aus einem geschützten Bereich des Unternehmens sei IT-Ausrüstung entwendet worden, die "offenbar" Kundendaten enthielten.
Durch diese und andere Meldungen könnte der Eindruck entstehen, der Datenschutz werde in Großbritannien lax gehandhabt. Vor Kurzem wurde bekannt [4], dass britische Behörden Datenträger mit Informationen über gefährliche Straftäter vermissen. Zuvor gingen dem britischen Gesundheitsministerium Daten von hunderttausenden Patienten verloren [5], rutschten 25 Millionen Datensätze über Kindergeldempfänger durch ein Datenleck [6]. Auch die Privatsphäre von britischen Führerscheinanwärtern scheint nicht sicher [7]. (anw [8])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-199832
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.mailonsunday.co.uk/news/article-1049121/Personal-data-million-bank-customers-sold-eBay-35.html
[2] http://www.graphicdata.co.uk/
[3] http://www.ico.gov.uk/
[4] https://www.heise.de/news/Britische-Behoerden-vermissen-Datentraeger-mit-Informationen-ueber-gefaehrliche-Straftaeter-198579.html
[5] https://www.heise.de/news/Daten-von-hunderttausenden-Patienten-sind-in-Grossbritannien-verloren-gegangen-173494.html
[6] https://www.heise.de/news/Millionen-Briten-von-Datenpanne-betroffen-197858.html
[7] https://www.heise.de/news/Britischen-Behoerden-gehen-erneut-Millionen-Daten-verloren-171585.html
[8] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2008 Heise Medien