Falsch angekreuzt: Justiz rudert bei Staatstrojaner-Statistik zurĂŒck
(Bild: mahc/Shutterstock.com)
Die Polizei hat 2019 offenbar weniger oft IT-Systeme gehackt, als zunĂ€chst offiziell angegeben. ZustĂ€ndige waren wohl mit den Fragebögen ĂŒberfordert.
Im Dezember veröffentlichte das Bundesamt fĂŒr Justiz (BfJ) erstmals Statistiken dazu, wie hĂ€ufig Ermittler von Bund und LĂ€ndern von ihrer 2017 eingefĂŒhrten Befugnis Gebrauch machten, Internet-Telefonate und Messenger-Kommunikation bei Verdacht auf eine Vielzahl von Straftaten zu ĂŒberwachen sowie heimliche Online-Durchsuchungen durchzufĂŒhren. Demnach setzten Fahnder Staatstrojaner 2019 380-mal ein. Die Zahl der MaĂnahmen, die mit hohem Aufwand und tiefen Grundrechtseingriffen verknĂŒpft sind, ist aber offenbar zu hoch.
Falsch interpretiert
Die Justizministerien und Staatsanwaltschaften der LĂ€nder beharrten zwar zunĂ€chst auf ihren Angaben [1], heiĂt es in einem Bericht von WDR und NDR [2]. SchlieĂlich hĂ€tten sie teils aber eingerĂ€umt, versehentlich falsche Angaben gemacht zu haben. Man mĂŒsse in Sachen Quellen-TelekommunikationsĂŒberwachung "deutlich zurĂŒckrudern", erklĂ€rte dem Bericht zufolge etwa ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft.
Die gemeldeten FĂ€lle seien ĂŒberprĂŒft worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass ein Dezernent "die Bögen offenbar missinterpretiert hat. Wir haben im Ergebnis keine Umsetzung." Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen teilten Staatsanwaltschaften mit, sie hĂ€tten tatsĂ€chlich keine solchen Ăberwachungen veranlasst. Die hessischen und sĂ€chsischen Justizressorts Ă€uĂerten erhebliche Zweifel an den Zahlen und wollten eine Revision veranlassen. Aus dem Saarland hieĂ es, es handele sich um eine "fehlerhafte statistische Erfassung". Die dortigen ZustĂ€ndigen hatten zunĂ€chst 12 Anordnungen gemeldet, von denen 24 durchgefĂŒhrt worden seien, was keinen Sinn ergibt.
Sebastian Fiedler vom Bund deutscher Kriminalbeamter kritisierte das Schludern: "Den Justizverwaltungen hĂ€tte auf den ersten Blick auffallen mĂŒssen, dass die Zahlen so nicht stimmen können." Diese komplizierte Form der Ăberwachung gelinge in der Praxis nur selten. FĂŒr die deutsche Polizei sei die Quellen-TKĂ "kein Alltags-Werkzeug".
(kbe [4])
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[2] https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/polizei-staatstrojaner-kriminelle-101.html
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