Sparspaß
Der Ansatz beim Thema Hybridantrieb ist bei VW ein anderer als beim Vorreiter Toyota. Der erste Golf mit Plug-in Hybrid ist zwar mit 1,5 Litern im NEFZ angegeben, 204 PS suggerieren aber, dass Askese im Lastenheft nicht an erster Stelle stand
Zürich, 4. September 2014 – Lange genug hat man bei Volkswagen versucht, das Thema Hybridantrieb auszusitzen. Mehr als 15 Jahre nach dem ersten Toyota Prius schickt sich nun auch VW an, einen Golf mit Elektro- und Benzinmotor zu den Händlern zu schicken. Der deutsche Ansatz ist allerdings ein gänzlich anderer als bei den Japanern: Schon die Systemleistung von 204 PS verdeutlicht, das maximale Sparsamkeit offenbar nur zweite Priorität hatte. Wir konnten bereits eine erste Proberunde mit dem Golf GTE drehen.
Bekannter Antrieb
Der VW Golf GTE wird von einem Hybridantrieb, bestehend aus einem 75-kW-Elektromotor und einem 150 PS starken 1,4-Liter-TSI-Benziner angetrieben. Den gleichen Strang mit Lithium-Ionen-Batterie und Plug-in-System fürs Laden zu Hause benutzt auch der Audi A3 Sportback e-tron, den es ebenfalls ab Jahresende geben wird.
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Der VW Golf GTE soll im noch in diesem Jahr zu den Händlern kommen. Bestellt werden kann er schon.
Beim ersten Ausflug wird schnell klar: Der Hybrid-Golf ist eine Mischung aus zwei Charakteren. Zum einen betont er das GT von „Gran Turismo“ in seinem Namen, zum anderen kann er, je nach eingestelltem Modus, ordentlich die Muskeln spielen lassen. 204 PS und bis zu 350 Nm Drehmoment machen Eindruck. Das ist schon beim Anfahren zu spüren, wenn Elektromotor und Verbrenner gemeinsam an einem Strang ziehen und den Fünftürer in minimal 7,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Das ist nur eine Zehntelsekunde mehr, als der 184 PS starke Golf GTD braucht. In der Spitze rennt das Hybridauto 217 km/h. Automobiler Verzicht klingt anders.
Doch die Performance ist nur eine Seite, das Auto hat auch das Zeug für lange Strecken. Nicht nur wegen seiner straffen, aber bequemen Sitze, sondern vor allem durch seinen leisen Antrieb. Es ist kaum zu hören und zu spüren, wenn sich der Verbrenner ab- oder zuschaltet. Der GTE hat viel von der Golf-Geschmeidigkeit behalten, das Fahrwerk bügelt Unebenheiten überraschend gut weg. Von den etwa 200 Kilogramm Mehrgewicht im Vergleich zum GTD ist bei schnellen Rechts-Links-Wechseln nicht viel zu spüren, der GTE fährt sich unverändert handlich.
Verschiedene Modi wählbar
Wie bei Hybridautos üblich, lassen sich im GTE-Golf verschiedene Modi anwählen, die das Vorankommen entweder rein elektrisch ermöglichen, die Batteriespannung auf einem bestimmten Level halten oder den Akku während der Fahrt vom Verbrenner laden lassen. Man kann das alles aber auch an einen Automatik-Modus delegieren, der für eine optimale Fahrweise die passende Wahl für Elektoantrieb, Otto oder die Kombination aus beiden trifft. Anzeigen in der Mittelkonsole verraten ebenso wie das sogenannte „Powermeter“ anstelle des Drehzahlmessers, was welche Komponente des Antriebs gerade tut.
Am Wahlhebel lässt sich außerdem einstellen, ob man beim Gaswegnehmen mit entkoppeltem Antriebsstrang „segeln“ möchte, oder im Schubbetrieb die Batterie per Rekuperation laden will. Wer ein bisschen übt und vorausschauend fährt, kann mit dieser Funktion auch prima bremsen, ohne aufs Pedal treten zu müssen. Anders als in Elektroautos wie dem BMW i3 kann die Stärke der Rekuperation aber nicht verstellt werden.
GTE-Taste: Spaß-Knopf
Wer Spaß will – etwa für den eingangs erwähnten Vollgas-Sprint – sollte den GTE-Knopf neben dem Wahlhebel drücken, und den Kompakten damit „scharf schalten“. Die Lenkung agiert direkter, der Antrieb spricht spontaner auf Gaspedalbefehle an und ein Soundaktor lässt verstärkten Motorsound an die Ohren dringen. Falls das adaptive Fahrwerkssystem DCC mitbestellt wurde, wird auch noch die Dämpfung gestrafft. Der GTE fährt sich jetzt so, wie wir das von einem sportlichen Golf erwarten.
50 Kilometer rein elektrisch
Nach dem Starten ist zunächst immer der Elektromodus aktiv und der GTE rollt, ausreichend Reststrom in der Batterie vorausgesetzt, nahezu lautlos voran. Bis zu 50 Kilometer schafft der Golf je nach Fahrweise mit einer Batterieladung und kann dabei bis zu 130 km/h schnell werden. Das dürfte manch einem Pendlern reichen, um kein Benzin zu verbrennen. Zu Hause oder in der Firma lässt sich der Akku an der Haushaltssteckdose in drei Stunden und 45 Minuten komplett voll laden, an einer Wallbox oder einer öffentlichen Ladestation dauert es zwei Stunden und 15 Minuten. Im Auto wird die Batterie je nach gewähltem Modus ebenfalls wieder gefüllt.
Wenn der Akku unterwegs leer wird, muss der TSI ran und verbraucht laut Bordcomputer schon mal zwischen fünf und sechs Liter Super. VW nennt für den GTE Verbrauchswerte von 11,4 kWh Strom auf 100 km. Der Spritverbrauch im NEFZ ist mit 1,5 Litern auf 100 Kilometer angegeben. Diese Angabe hat, wie schon mehrmals erwähnt, mit der Praxis nur wenig zu tun. Rechnet man die zurunde liegende Formel
C = (De x C1 + Dav x C2) / (De + Dav)
wie in diesem Artikel erklärt um, erhält man für 100 km, die nur mit dem Benziner gefahren werden einen Verbrauch von 4,5 Litern. Im Alltag sind ohne Steckdose also Werte um 5,5 Liter realistisch.
Blau gemacht
Der GTE unterscheidet sich optisch nicht nur von den anderen Gölfen, sondern auch von GTI und GTD. Wo die Rot respektive Schwarz tragen, ist der GTE blau. Das fällt am meisten an der dünnen Zierleiste an der Nase auf. Und auch bei den blauen Bremssätteln schaut man doch zweimal hin - so was sieht man schließlich eher selten. Hinter dem VW-Emblem versteckt sich der Anschluss für das Ladekabel des Akkus. Scheinwerfer und Kühlergrill erinnern an den GTI, der rein elektrisch angetriebene e-Golf musste als Spender für die C-förmigen Tagfahrleuchten herhalten. Ansonsten gibt es noch dezente Schwelleraufsätze, einen kleinen Dachkantenspoiler mit seitlichen Flaps, das Doppelauspuffende vom GTD - und das war es dann auch schon. Auch im Innenraum wurden die Farbtupfer von außen konsequent fortgeführt: Ob die Linien in den GTI-typischen Karositzbezügen oder ebenso gefärbte Nähte an Sitzen, Lenkrad und Schalthebel-Gewand, überall findet sich Blau wieder.
Der Hybrid-Golf ist 36.900 Euro teuer. Bei diesem Preis sind zwar schon feine Dinge wie LED-Scheinwerfer, 16-Zoll-Alus und der Touchscreen in der Mittelkonsole dabei. Sehr viel Geld ist das trotzdem. Der GTD mit DSG ist mit 31.625 Euro erheblich günstiger. Wenig tröstlich ist, dass die Konkurrenz nicht minder kräftig hinlangt: Der Toyota Prius Plug-In Hybrid kostet 36.550 Euro und der vergleichbare Audi A3 e-tron ist ab 37.900 Euro zu haben.
Datenblatt
| Motorart | Plug-in-Hybridantrieb: 1.4 TSI mit 150 PS, E-Motor mit 75 kW, Lithium-Ionen-Batterie |
| Zylinder | 4 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 1.395 |
| Leistung in PS | 150 |
| Leistung in kW | 110 |
| bei U/min | 5.000-6.000 |
| Drehmoment in Nm | 250 |
| bei U/min | 1.600-3.500 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Doppelkupplungsgetriebe |
| Spurweite vorn in mm | 1.544 |
| Spurweite hinten in mm | 1.509 |
| Räder, Reifen vorn | 6,5J x 16, 205/55 R16 |
| Räder, Reifen hinten | 6,5J x 16, 205/55 R16 |
| Länge in mm | 4.270 |
| Breite in mm | 1.799 |
| Höhe in mm | 1.457 |
| Radstand in mm | 2.631 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1599 |
| Zuladung in kg | 496 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 272 |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1.162 |
| Tankinhalt in Liter | 40 |
| Kraftstoffart | Super |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 217 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 7,6 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 1,5 |
| Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km | 5,5 |
| CO2-Emission in g/km | 35 |
| Schadstoffklasse | Euro 6 |
| Autonews Datenblatt-ID | 35757 |
| Modell | VW Golf GTE |
Preisliste
| Grundpreis | 36.900 |
| Währung | Euro |
| Klimaautomatik | Serie |
| Automatikgetriebe | Serie |
| Navigationssystem | 1855 |
| CD-Player | Serie |
| Schiebedach | 1080 |
| Metallic-Lackierung | 535 |
| Leichtmetallfelgen | Serie |
| Sitzhöheneinstellung | Serie |
| Tempomat | 210 |
| Lederausstattung | 1675 |
| Modell | VW Golf GTE |
(mfz)