Fahrbericht: Mercedes AMG GLC 43
Angesichts des Erfolgs bei den Crossovern im Allgemeinen und der soliden Nachfrage nach den „43er”-Motorisierungen im Besonderen war die neue Hochleistungsversion AMG GLC 43 vollkommen unvermeidlich
Angesichts des Erfolgs bei den Crossovern im Allgemeinen und der soliden Nachfrage nach den „43er”-AMG-Motorisierungen im Besonderen war die neue Hochleistungsversion AMG GLC 43 vollkommen unvermeidlich. Ins Visier kommt mit dem doppelt aufgeladenen V6 beispielsweise der Porsche Macan. Eine Version im Stil und Konzept der bisherigen AMG-Modelle darf man freilich nicht erwarten.
Damit bewegt sich der hochgelegte Mercedes auf C-Klasse-Basis ins Umfeld der BMW-SUV X3 und X4 [1], die es ebenfalls höher motorisiert, aber nicht als M-Modelle gibt. Oder des Audi Q5 [2], der bislang noch nicht als RS Q5 erhältlich ist. Daimler dagegen will im Sommer einen Mercedes AMG GLC 63 anbieten, der dann ein Wettbewerbsmodell zum Porsche Macan Turbo S [3] oder Alfa Romeo Stelvio [4] QV wird.
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Profaner, aber agiler Serienmotor
Das so gesehen gewissermaßen halbstarke Zwischenmodell AMG GLC 43 bekommt keinen handgeschraubten AMG-Tuningmotor nach der „one man – one engine”-Philosophie, er entstammt vielmehr der Mercedes-Serie. So treibt er mit etwas weniger Leistung auch die 400er-Modelle bei E-, C- oder S-Klasse und ist Basismotorisierung im Mercedes SL. Im GLC 43 leistet der Sechszylinder 367 PS und bietet 520 Nm 2500 und 4500/min.
Das ist natürlich eine andere Welt als mit den vierzylindrigen Otto-Motorisierungen GLC 250 und GLC 300 mit zwei Litern Hubraum, maximal 241 PS und ihrem ansonsten völlig unauffälligen Gebaren. Wer den rund 1,9 Tonnen schweren Allrad-SUV mit sechs Zylindern etwas dynamischer bewegen möchte und sich für den Dreiliter-Diesel nicht interessiert, kommt am GLC 43 nicht vorbei. In 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 ist durchaus beeindruckend, wenn auch einen Hauch hinter dem etwas schwereren Prosche Macan. Sein sorgfältig klanggestaltetes rauhes Grollen passt sicherlich gut zu den Vorstellungen der meisten Kunden von einem fahrdynamisch orientierten Auto. Schade, dass Daimler den Motor erst später mit einem Ottopartikelfilter ausstatten will.
Die guten Fahrleistungen verdankt der GLC 43 außer der Drehfreude und hohen Elastizität des Motors auch der kongenialen Zusammenarbeit der Neunstufen-Automatik mit dem Allradsystem, welches das Drehmoment im zentralen Differenzial per Planetenradgetriebe [7] fahrdynamisch im Verhältnis 31 zu 69 zwischen vorn und hinten verteilt. Dazu muss man wissen, dass der GLC 300 eine vergleichsweise langweilige Standardkraftverteilung von 45 zu 55 Prozent bietet. Das mittlere Differenzial behält aber die bewährte, passive Lamellenbremse mit einer Sperrwirkung von 50 Nm. Die Automatik agiert spürbar zackiger und schaltet auch aggressiv früher herunter, sobald man statt des „Comfort”-Modus „Sport” oder „Sport Plus” gewählt hat. Nur fürs Protokoll: Es gibt weiterhin den entspannten „Eco”-Modus.
Direkt, gefĂĽhlvoll, wĂĽrdig
Die elektrisch unterstützte Zahnstangenlenkung agiert direkt und bietet viel Gefühl für fahrdynamische Zustände. Das Fahrwerk mit modifizierter Vorderachse, steiferer Anbindung, leicht zurückgenommenem Sturz, rundum dreistufig variabler Dämpfung und 19- oder 20-Zoll-Rädern ist imstande, die Schere aus Leistung, Gewicht und hohem Schwerpunkt würdig zu bewältigen. Dabei bekommt die Luftfederung außer Komfortverbesserung und Niveauregulierung auch Aufgaben bei der Fahrdynamik: Sie muss aktiv Nicken, Wanken oder Rollen kompensieren.
Erhalten bleibt im AMG 43 der hohe Alltagsnutzen. Das gilt nicht nur für ein gutes Platzangebot im Fond, sondern auch einen Laderaum, in dem man 550 bis 1600 Liter verstauen können soll.
Ab 62.177 Euro füllt der AMG GLC 43 die breite Lücke oberhalb der Vierzylinder und dem ab Sommer erhältlichen „echten” AMG GLC 63. Mit seinem Preis-Leistung-Verhältnis hat der 43er seine eigene Berechtigung. Dass wegen solcher halbstarker AMGs vielleicht einige Puristen über die Verwässerung des Konzepts mosern, nimmt der Daimler kühl kalkulierend gern inkauf. Unter 80.000 Euro wird man den 63er nämlich bestimmt nicht bekommen.
Datenblatt
| Motorart | Otto, V-60° |
| Zylinder | sechs |
| Ventile pro Zylinder | vier |
| Hubraum in ccm | 2996 |
| Leistung in PS | 367 |
| Leistung in kW | 270 |
| bei U/min | 5500 bis 6000/min |
| Drehmoment in Nm | 520 |
| bei U/min | 2500 bis 4500/min |
| Antrieb | Echter permanenter Allradantrieb mit heckbetonter Momentenverteilung 31:69 |
| Gänge | neun |
| Getriebe | Wandlerautomat |
| Kraftverteilung | Differenzial mit Planetenradgetriebe und Lamellenbremse |
| Radaufhängung vorn | Doppelquerlenker |
| Radaufhängung hinten | Mehrlenker |
| Bremsen vorn | Scheibe, innenbelĂĽftet, 360 x 36 mm, 4-Kolben-Festsattel |
| Bremsen hinten | Scheibe, innenbelüftet, 320 x 24 mm, 1‑Kolben-Schwimmsattel |
| Wendekreis in m | 11,8 |
| Räder, Reifen vorn | 8,0 J x 19, 235/55 R 19 |
| Räder, Reifen hinten | 9,0 J x 19, 255/50 R 19 |
| Lenkung | Zahnstange, elektromechanisch unterstĂĽtzt |
| Böschungswinkel vorn in Grad | 19,8 |
| Böschungswinkel hinten in Grad | 20,8 |
| Wattiefe in mm | 300 |
| Länge in mm | 4656 |
| Breite in mm | 1890 |
| Höhe in mm | 1639 |
| Radstand in mm | 2873 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1855 |
| Zuladung in kg | 615 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 550 bis 1600 |
| Tankinhalt in Liter | 66 |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 250 abgeregelt |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 4,9 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 8,4 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 10,9 |
| EG-Verbrauch auĂźerorts in Liter/100 km | 7,0 |
| CO2-Emission in g/km | 192 |
| Modell | Mercedes-AMG GLC 43 4MATIC |
| Bohrung x Hub in mm | 88 x 82,1 |
(fpi [8])
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[2] https://www.heise.de/news/Vorstellung-Audi-Q5-3335974.html
[3] https://www.heise.de/news/Der-teure-Zwilling-2114955.html
[4] https://www.heise.de/news/Alfa-Romeos-neues-Crossover-SUV-Stelvio-3484539.html
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/4743748.html?back=3674260;back=3674260
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/4743748.html?back=3674260;back=3674260
[7] https://www.heise.de/news/Warum-moderne-Quermotorkonzepte-auch-mit-Allradantrieb-nicht-gefuehlsecht-sein-koennen-1768723.html
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