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Exoplanet im System Alpha Centauri entdeckt

Martin Holland

Astronomen haben im erdnĂ€chsten Sternsystem Alpha Centauri einen Planeten gefunden, der ungefĂ€hr die Masse der Erde hat. Auf dem Exoplaneten in 4,3 Lichtjahren Entfernung ist es jedoch zu heiß, um erdĂ€hnliches Leben zu ermöglichen.

EuropĂ€ische Astronomen haben einen Planeten im Alpha-Centauri-System entdeckt, dem Sternsystem, das unserem Sonnensystem am nĂ€chsten liegt. Der Planet umkreist den sonnenĂ€hnlichen Stern Alpha Centauri B und hat ungefĂ€hr die Masse unserer Erde. Das teilte [1] die EuropĂ€ische SĂŒdsternwarte [2] (ESO) am gestrigen Dienstag mit und erlĂ€uterte die Entdeckung in einem Fachartikel [3] (PDF-Datei). Dieser bislang leichteste Exoplanet um einen sonnenĂ€hnlichen Stern wurde mit dem Spektrografen HARPS am La-Silla-Observatorium in Chile nachgewiesen.

KĂŒnstlerische Darstellung des Alpha-Centauri-Systems

(Bild: ESO/L. Calçada/N. Risinger (skysurvey.org))

Wie die Sternwarte erlĂ€utert und in einem eigenen Video [4] visualisiert, handelt es sich bei Alpha Centauri um ein Dreifachsystem, das lediglich 4,3 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Es umfasst die Sterne Alpha Centauri A und B sowie Proxima Centauri. Weil es sich astronomisch gesehen in unmittelbarer Nachbarschaft der Sonne befindet, wurde es ein beliebter Schauplatz in der Science-Fiction. Beispielsweise spielt dort der Film Avatar oder das PC-Spiel Sid Meier's Alpha Centauri. Schon seit langem hĂ€tten Astronomen darĂŒber spekuliert, ob es dort auch in der RealitĂ€t Planeten gebe; dank HARPS sei nun der Nachweis geglĂŒckt.

Mit HARPS kann bei extremer Genauigkeit die Radialgeschwindigkeit eines Sterns bestimmt werden, jener Geschwindigkeitsanteil mit dem er sich auf die Erde zu oder von ihr weg bewegt. Dabei auftretende periodische Schwankungen deuten auf Planeten um diesen Stern hin. Bei der jetzt vorgestellten Messung sei die höchste Genauigkeit erzielt worden, die jemals mit dieser Methode erreicht wurde. Der Exoplanet sei verantwortlich fĂŒr eine Geschwindigkeitsabweichung des Sterns von gerade einmal 1,8 Kilometern pro Stunde, so schnell wie ein krabbelndes Baby.

Alpha Centauri im Sternbild Zentaur am SĂŒdsternhimmel

(Bild: ESO, IAU and Sky & Telescop)

Der neuentdeckte Planet ist der leichteste der bislang in der Umlaufbahn eines sonnenĂ€hnlichen Sterns nachgewiesen wurde. Er umkreist Alpha Centauri B in einer Entfernung von gerade einmal 6 Millionen Kilometern. Das ist viel weniger als die Erde, die die Sonne in rund 150 Millionen Kilometern umkreist. Der neue Exoplanet befindet sich deswegen auch deutlich außerhalb der habitablen Zone, in der Leben möglich ist, so wie wir es kennen. FĂŒr eine Umkreisung von Alpha Centauri benötigt er lediglich 3,2 Tage.

Seit 1995 sind laut der SĂŒdsternwarte insgesamt mehr als 800 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen worden, mehr als 2300 warten noch auf BestĂ€tigung. Viele davon hĂ€tten jedoch eine Ă€hnlich große Masse wie der Jupiter. Jetzt bestehe die Herausforderung darin, mehr Planeten zu finden, die eine erdĂ€hnliche Masse besitzen und ihren Stern in dem Bereich umkreisen, der erdĂ€hnliches Leben ermöglicht. Die vorgestellte Entdeckung sei ein wichtiger Schritt hin zum Nachweis einer solchen zweiten Erde in der unmittelbaren Umgebung der Sonne, erklĂ€rte der Astronom Xavier Dumusque: "Wir leben in spannenden Zeiten!" (mho [5])


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https://www.heise.de/-1731142

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.eso.org/public/germany/news/eso1241/
[2] http://www.eso.org
[3] http://www.eso.org/public/archives/releases/sciencepapers/eso1241/eso1241a.pdf
[4] http://www.eso.org/public/germany/videos/eso1241a/
[5] mailto:mho@heise.de