Ex-Siemens-Manager legen GestÀndnisse ab
Im Prozess um Korruption bei der Siemens-Kraftwerkssparte haben beide Angeklagte am heutigen Dienstag vor dem Landgericht Darmstadt GestÀndnisse abgelegt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Bestechung und Untreue in besonders schweren FÀllen vor.
Im Prozess um Korruption [1] bei der Siemens-Kraftwerkssparte [2] haben die beiden Angeklagten GestĂ€ndnisse abgelegt. Die 63 und 73 Jahre alten Ex-Manager des Konzerns rĂ€umten am Dienstag vor dem DarmstĂ€dter Landgericht ein, an der Zahlung von ĂŒber sechs Millionen Euro Schmiergeld an zwei EntscheidungstrĂ€ger des italienischen Energiekonzerns Enel [3] beteiligt gewesen zu sein. Das von Siemens gefĂŒhrte Konsortium mit der italienischen Firma Ansaldo soll so an AuftrĂ€ge mit einem Volumen von 450 Millionen Euro gekommen sein. Die beiden MĂ€nner sind wegen Bestechung und Untreue in besonders schweren FĂ€llen angeklagt [4].
In der Verhandlung wurde deutlich, dass Siemens zumindest bei der ersten Teilzahlung im Jahr 1999 ĂŒber ein System von Firmen und Treuhandkonten in Liechtenstein verfĂŒgte. Dies sei fĂŒr die Abwicklung legaler Provisionen genutzt worden, erklĂ€rte der angeklagte ehemalige Bereichsvorstand. Der 63-JĂ€hrige gab zu, die Zahlungen des Schmiergelds veranlasst zu haben. Im konkreten Fall sollen Zahlungen der ersten Tranche zur Verschleierung ĂŒber Abu Dhabi gelaufen sein.
"Die ZahlungsvorgÀnge waren vielen im Hause Siemens bekannt", sagte der 73 Jahre alte angeklagte Ingenieur, der nach seiner Pensionierung wegen seiner guten Kontakte wieder als Berater angeheuert worden war. Weitergehende Ermittlungen zu den Konten stocken laut StaatsanwÀltin Kerstin Lotz in Liechtenstein, wo ein Rechtshilfeersuchen bislang ohne Ergebnis geblieben sei.
Die zweite Zahlung stammt laut Anklage aus einer schwarzen Kasse, die der Bereichsvorstand von der Schweiz in eine Liechtensteiner Stiftung verlagert hatte. Das Geld unklarer Herkunft sei ihm von seinem Chefbuchhalter bei dessen Pensionierung ĂŒbergeben worden, sagte der 2004 in den Ruhestand versetzte Manager. Er habe es in eine Stiftung verlagert, um es fĂŒr den Konzern Gewinn bringend einzusetzen. Weder Siemens noch Enel sei mit dem GeschĂ€ft ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, selbst nach Abzug aller Straf- und Ausgleichszahlungen.
Die Enel-Manager hĂ€tten zunĂ€chst vier Prozent der Auftragssumme gefordert, sagte der 73-JĂ€hrige Ingenieur. Dies habe er spontan abgelehnt, spĂ€ter sei ihm der Satz von einem Prozent genannt worden, was eher ĂŒblich gewesen sei. Er habe stets auf Weisung gehandelt und sich nicht bereichert. Er fĂŒhle sich aber schuldig, an den Bestechungszahlungen mitgewirkt zu haben.
Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Rainer Buss mitgeteilt, dass in einem RechtsgesprĂ€ch zwischen den Beteiligten keine Einigung ĂŒber das StrafmaĂ erzielt worden sei. "Die Erwartungen klafften zu weit auseinander." Die frĂŒhen GestĂ€ndnisse könnten aber strafmildernd gewertet werden.
Siemens ist zu dem Prozess beigeladen, weil die Staatsanwaltschaft anstrebt, den illegalen Gewinn abzuschöpfen. Hier bedĂŒrfe es aber noch weiterer Beweise, erklĂ€rte Oberstaatsanwalt Ulrich Busch. Siemens-Anwalt Martin Reymann-Brauer sagte, er erwarte nicht, dass es zu einer derartigen Zahlung kommen werde.
Die beiden Enel-Manager sind wie zwei weitere Siemens-Verantwortliche bereits in Mailand zu Haftstrafen verurteilt worden. Der deutsche Konzern hat in Italien nach eigenen Angaben zudem bereits 6,6 Millionen Euro BuĂe und Gewinnabschöpfung gezahlt. Verbindungen des Kraftwerks-Falls zum deutlich gröĂeren Komplex im Unternehmensbereich Telekommunikation [5] wurden zunĂ€chst nicht deutlich. (dpa) / (pmz [6])
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[2] http://www.powergeneration.siemens.com/de/index.cfm
[3] http://www.enel.it/
[4] https://www.heise.de/news/Ex-Manager-von-Siemens-wegen-Bestechung-vor-Gericht-142409.html
[5] https://www.heise.de/news/Siemens-Schmiergeldaffaere-Beschuldigte-belasten-weitere-Top-Manager-137646.html
[6] mailto:pmz@ct.de
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