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EuropÀische Union unterzeichnet ACTA

Vertreter der EU und von 22 Mitgliedsstaaten haben das umstrittene Abkommen ACTA unterzeichnet. Nun mĂŒssen die nationalen Parlamente und das EuropĂ€ische Parlament darĂŒber beraten.

Am Donnerstag hat das umstrittene Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) eine weitere HĂŒrde genommen. Das nach Initiative der USA und Japans in mehrjĂ€hrigen Verhandlungen 2011 fertiggestellte völkerrechtliche Abkommen [1] sieht unter anderem vor, dass Internet-Anbieter fĂŒr Urheberrechtsverletzungen von Kunden haftbar gemacht werden können. Kritiker sehen daher ACTA in einer Reihe mit Bestrebungen in einzelnen Staaten, das Urheberrecht zu verschĂ€rfen. Ähnliche Gesetzesvorhaben in den USA stießen vergangene Woche auf derart massive Proteste [2], dass im Kongress geplante Abstimmungen auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.

In Japan, wo die Dokumente von ACTA aufbewahrt werden, unterzeichneten 22 EU-Mitgliedsstaaten und die EuropĂ€ische Union am Donnerstag den Vertrag, dessen Ratifizierung aber noch aussteht. Erwartet wird, dass die restlichen fĂŒnf Staaten, zu denen auch Deutschland gehört, folgen werden, sobald das dazu nötige innerstaatliche Verfahren abgeschlossen ist. Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, muss ACTA aber noch vom Europaparlament und den nationalen Parlamenten gebilligt werden. Australien, Kanada, Japan, SĂŒdkorea, Marokko, Neuseeland, Singapur und die USA hatten das Abkommen bereits am 1. Oktober 2011 unterzeichnet.

Laut dem Vertreter des japanischen Parlaments hofft sein Land nun darauf, dass die EuropĂ€ische Union dem Abkommen schnell beitreten kann. Außerdem wolle sein Land gemeinsam mit der EU auch bei anderen Staaten fĂŒr deren Beitritt werben. Der Chef der europĂ€ischen Delegation in Japan, Hans Dietmar Schweisgut, sagte, das Abkommen ziele darauf, ein effektiveres Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzungen zu ermöglichen.

Angesichts der breiten Kritik an dem Vertrag versicherte der fĂŒr Handelspolitik zustĂ€ndige Sprecher der EuropĂ€ischen Kommission noch einmal, "ACTA beschrĂ€nkt nicht die Freiheit des Internets. ACTA will keine Internetseiten zensieren oder schließen". Außerdem verwies er auf den noch nötigen Prozess im Rahmen der Union: "Es ist wichtig daran zu erinnern, dass ACTA nur in Kraft treten kann nach einer lebhaften, freien und offenen Debatte im EuropĂ€ischen Parlament, gefolgt von einer Abstimmung im SpĂ€tsommer." Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums versicherte außerdem, "an der deutschen Rechtslage wird sich durch das ACTA-Abkommen ĂŒberhaupt nichts Ă€ndern".

Trotzdem wird der Protest in Europa immer lauter und zahlreiche Netzaktivisten rufen [3] dazu auf, das Abkommen zu verhindern. Auch die Europaabgeordnete Ska Keller von den GrĂŒnen erklĂ€rte, ACTA habe drastische Auswirkungen auf die Meinungs- und Informationsfreiheit im Internet und mĂŒsse abgelehnt werden. Die CDU dagegen unterstĂŒtzt das Abkommen. Ihr Europa-Abgeordneter Daniel Caspary bezeichnete ACTA als einen "Meilenstein im Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie".

Update: Berichterstatter im EU-Parlament tritt zurĂŒck

Der Berichterstatter im federfĂŒhrenden Handelsausschuss des Europaparlaments, Kader Arif, ist unter scharfem Protest zurĂŒckgetreten. "Ich nehme nicht weiter an dieser Maskerade teil", ließ er die Öffentlichkeit in einer Mitteilung [4] wissen. "Keine Einbindung der Zivilgesellschaft, fehlende Transparenz seit Beginn der Verhandlungen, die Unterschrift wurde ohne weitere ErklĂ€rung geleistet, die mehrfach geĂ€ußerten Bedenken [5] des Europaparlamentes [6] wurden einfach weggewischt", begrĂŒndete der Abgeordnete der französischen Sozialisten seinen Schritt.

Der beschleunigte Zeitplan habe dafĂŒr gesorgt, dass er seinen Aufgaben als Berichterstatter nicht habe nachkommen können. WĂ€hrend die Kommission immer wieder betont, dass ACTA keinen Einfluss auf europĂ€isches Recht habe, warnt Arif: "Dieses Abkommen kann massive Konsequenzen fĂŒr das Leben der BĂŒrger haben." (mho [7])


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https://www.heise.de/-1422621

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[1] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-beginnt-Debatte-um-ACTA-Ratifizierung-1421066.html
[2] https://www.heise.de/news/Proteste-gegen-PIPA-und-SOPA-zeigen-Erfolge-1416809.html
[3] http://stopp-acta.info/
[4] http://www.numerama.com/magazine/21424-acta-demissionnaire-kader-arif-denonce-une-mascarade.html
[5] https://www.heise.de/news/EU-Parlamentarier-wollen-ACTA-gerichtlich-pruefen-lassen-1399183.html
[6] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-beginnt-Debatte-um-ACTA-Ratifizierung-1421066.html
[7] mailto:mho@heise.de