EuropÀische Mondmission kurz vor dem Start
In der kommenden Nacht auf Sonntag (28.09.) soll die europÀische Sonde Smart-1 zum Mond starten. Die EuropÀer setzen bei ihrer ersten Mond-Mission auf modernste Technik.
Die Sonde Smart-1 [1] der europĂ€ischen Weltraumorganisation ESA [2] soll in der kommenden Nacht auf Sonntag kurz nach 1 Uhr MESZ auf die Reise zum Mond gehen. Dort soll das unbemannte GefĂ€hrt eine umfassende Röntgen-Karte der MondoberflĂ€che erstellen und die Verteilung verschiedener Elemente messen. Die Forscher erhoffen sich daraus weiteren Aufschluss ĂŒber die Entstehungsgeschichte des Mondes und ĂŒber eventuelle Wasservorkommen in den Polarregionen. Der Start erfolgt im Weltraumbahnhof Kourou, französisch Guyana, mit einer Ariane-5-TrĂ€gerrakete.
Smart-1 ist mit so genannten Ionen-Triebwerken ausgestattet. Anders als bei den herkömmlichen Verbrennungstriebwerken stammt die Energie fĂŒr den Vortrieb nicht aus einer chemischen Reaktion, sondern ausschlieĂlich aus elektrischem Strom, den das GefĂ€hrt aus Sonnenzellen gewinnt.
Beim Ionen-Triebwerk von Smart-1 [3] kommt als Treibstoff das Edelgas Xenon um Einsatz. Dieses wird zunĂ€chst ionisiert, das heiĂt die Elektronen werden von den Atomen getrennt; die Ionen werden dann durch ein elektrisches Feld beschleunigt und ausgestoĂen. Die ĂŒberschĂŒssigen Elektronen werden in den Ionen-Strahl eingeschossen, damit sich das Raumfahrzeug nicht elektrostatisch auflĂ€dt.
Der Vortrieb eines Ionen-Triebwerks ist sehr gering. DafĂŒr kann es aber ĂŒber Monate hinweg ununterbrochen arbeiten. Mit 1,4 Kilowatt liegt die Leistung ungefĂ€hr gleichauf mit der eines RasenmĂ€hermotors. Smart-1 benötigt fĂŒr die rund 400.000 Kilometer lange Strecke zum Mond denn auch 16 Monate. Die Sonde schraubt sich auf einer Spiralbahn Richtung Mond und bremst dort auf einer Spiralbahn wieder ab, sobald sie das Gravitiaionsfeld des Erdtrabanten erreicht hat.
FĂŒr den langen Flug sind nur 82 Kilogramm Xenon an Bord -- mit konventioneller Triebwerkstechnologie hĂ€tte die Sonde 200 Kilogramm Treibstoff mitnehmen mĂŒssen. Die Gewichtsersparnis liegt vor allem an der enorm hohen AusstoĂgeschwindigkeit des Gases. Diese liegt um bis zu zehn Mal höher als bei konventionellen Triebwerken. Entsprechend geringer ist die benötigte Gasmasse, um das Raumfahrzeug zu beschleunigen oder zu bremsen.
Das geringe Gewicht drĂŒckt auch die Kosten fĂŒr das Projekt: Nur 110 Millionen Euro kostet die gesamte Mission. Das GefĂ€hrt passt in einen WĂŒrfel mit einer KantenlĂ€nge von einem Meter und wiegt beim Start nur 367 Kilogramm. Zum Ăbertragen der Daten vom Mond kommt ein Laser um Einsatz. Damit lassen sich höhere Datenmengen ĂŒbertragen als per Funk, allerdings muss der Himmel bei der Empfangsstation in Teneriffa wolkenlos sein, wenn Smart-1 seine Daten ĂŒbertrĂ€gt. (uma [4])
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[2] http://www.esa.de
[3] http://www.esa.int/export/esaCP/SEMNRG0P4HD_Austria_0.html
[4] mailto:uma@ct.de
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