Europa-Cloud Gaia X: Deutschland holt Frankreich bei Cloud-Allianz an Bord
(Bild: agsandrew / Shutterstock.com)
Die NachbarlĂ€nder wollen die geplante europĂ€ische Dateninfrastruktur Gaia X gemeinsam vorantreiben und einen Schutz vor "extra-territorialen" AnsprĂŒchen bieten.
Der Bundesregierung ist es gelungen, bei ihrem im Herbst vorgestellten europĂ€ischen Cloud-Projekt Gaia X Frankreich fest mit ins Boot zu holen. Die beiden Nationen haben am Mittwoch ein gemeinsames Positionspapier fĂŒr die geplante europĂ€ische Dateninfrastruktur vorgelegt, das die Verhandlungspartner mit Vertretern aus Wirtschaft und BranchenverbĂ€nden erstellt haben. Auf vier Seiten formulieren sie dabei Anforderungen an die Initiative, die sich etwa auf gemeinsame Standards, offene Schnittstellen, PortabilitĂ€t sowie IT- und Datensicherheit beziehen.
Die Verfasser skizzieren auch ein gemeinsames IdentitĂ€ts- und Zugangsmanagement, wonach alle eingebrachten Ressourcen und GerĂ€te unabhĂ€ngig vom konkreten Provider identifiziert werden sollen. Eine einschlĂ€gige Lösung soll auf Basis bewĂ€hrter Verfahren und Musterlösungen ausgewĂ€hlt werden und die Grundlage fĂŒr "FlexibilitĂ€t hinsichtlich verschiedener technischer und nationaler rechtlicher Anforderungen" bilden. Darauf aufbauen werden dem Plan nach weitere einschlĂ€gige Login-Lösungen, um ein "robustes Ăkosystem bestehend aus Hunderttausenden Gaia-X-Knoten" zu ermöglichen.
Digitale SouverÀnitÀt
Die Cloud-Allianz soll dem Papier zufolge auch einen "Schutz gegen nicht-europĂ€ische extra-territoriale Regulierungen" bieten [1]. Es dĂŒrfe keinen missbrĂ€uchlichen Datenabgriff geben, heiĂt es. Auf Gesetze wie den Cloud-Act der USA, der unter bestimmten UmstĂ€nden einen Zugriff auf BestĂ€nde in Rechenzentren in anderen LĂ€ndern erlaubt, gehen die beiden Staaten nicht ein. Sie erwĂ€hnen auch nicht, dass die EU-Kommission mit der US-Regierung bereits ĂŒber gegenseitige Zugangsregeln zu "elektronischen Beweismitteln" verhandelt.
Wert legen die Partner auf Energieeffizienz bei Gaia X. So soll der Stromverbrauch angeschlossener Rechenzentren transparent und vergleichbar sein. Nutzer mĂŒssten erkennen können, welche Umwelt- und Klimakosten die Verarbeitung ihrer Daten produziere. VerschlĂŒsselt werden sollen gespeicherte Messwerte, "wenn es relevant ist". SchlĂŒssel selbst mĂŒssten dabei ĂŒbertragbar sein, die Verwaltungssysteme dafĂŒr interoperabel.
Das BĂŒndnis will sich zunĂ€chst auf Sektoren wie MobilitĂ€t, Finanzen, Gesundheit, Wohnen, Klimaschutz und Landwirtschaft, öffentliche Verwaltungsdienste und Industrie 4.0 konzentrieren. Alle Implementierungen sollen einen einfachen Datenaustausch sowie AnalysefĂ€higkeiten auch mit KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) unterstĂŒtzen. EinschlĂ€gige Modelle mĂŒssten mit dem vorgesehenen europĂ€ischen Rahmen fĂŒr "vertrauenswĂŒrdige KI" [2] im Einklang stehen und die "digitale SouverĂ€nitĂ€t" Europas stĂ€rken. Andere Mitgliedsstaaten sind eingeladen, sich der Initiative anzuschlieĂen und so weltweit vorbildhafte Praktiken voranzutreiben.
Ab Ende 2020
"Offenheit, Transparenz und europĂ€ische AnschlussfĂ€higkeit bleiben weiterhin zentral fĂŒr Gaia X", freute sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ĂŒber den Fortschritt bei seinem Prestigeprojekt [3]. Durch das gemeinsame Band mit Frankreich sei die Bundesregierung ihrem Ziel nĂ€her gekommen, den Cloud-Verbund "mit unseren Partnern in Europa" zu verwirklichen.
Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire begrĂŒĂten parallel die von der EU-Kommission vorgestellte Datenstrategie [4]. Mit der gemeinsamen Initiative fĂŒr Gaia X unterstĂŒtze man den Aufbau eines europĂ€ischen Datenraums aktiv. Deutschland und Frankreich hatten vor einem Jahr auch bereits eine verstĂ€rkte Zusammenarbeit im KI-Bereich auf den Weg gebracht.
In einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion erklĂ€rt die Bundesregierung [5], dass neben Frankreich weitere EU-Staaten Interesse an der Cloud-Allianz bekundet hĂ€tten. Unternehmen seien nicht angesprochen worden, alle bereits beteiligten Firmen [6] hĂ€tten sich proaktiv um eine Teilnahme bemĂŒht. Im aktuellen Haushalt stehen den Angaben zufolge 19 Millionen Euro fĂŒr Gaia X bereit, zwischen 2021 und 2023 sind bis zu 22,6 Millionen Euro eingeplant. Die Gesamtkosten und die Aufteilung zwischen den Beteiligten seien derzeit nicht bezifferbar. Gaia X werde sich "wirtschaftlich und qualitativ im Wettbewerb behaupten" mĂŒssen, eine erste Basisversion sei fĂŒr Ende 2020 geplant. (jk [7])
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[1] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/F/franco-german-position-on-gaia-x.pdf?__blob=publicationFile&v=10
[2] https://www.heise.de/news/EU-Digitalstrategie-Hochrisiko-KI-muss-zertifiziert-werden-4664305.html
[3] https://www.heise.de/news/Digitalgipfel-Die-datensouveraene-Wollmilch-Cloud-4571916.html
[4] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/20200219-altmaier-le-maire-begruessen-die-initiativen-der-europaeischen-kommission-zum-daten-binnenmarkt.html
[5] http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/168/1916816.pdf
[6] https://www.heise.de/news/Gaia-X-Microsoft-will-jetzt-doch-bei-der-europaeischen-Cloud-mitmachen-4637365.html
[7] mailto:jk@heise.de
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