Erste Festnahme in Deutschland in der Diesel-AffÀre bei Audi
Die US-Justiz lĂ€sst bei der strafrechtlichen Aufarbeitung von "Dieselgate" nicht locker, und nun haben auch die MĂŒnchner StaatsanwĂ€lte zugeschlagen. Ein Ex-Manager der VW-Tochter Audi wurde festgesetzt.
Bei den Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-AffĂ€re ist erstmals in Deutschland ein Beschuldigter festgenommen worden. Ihm werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen II am Freitag bestĂ€tigte. Der Mann sei am Montag festgenommen worden und sitze in Untersuchungshaft. Wer er ist, welche Rolle er in der Diesel-AffĂ€re spielt und was ihm genau vorgeworfen wird, wollte die Behördensprecherin nicht sagen.
Bei dem Festgenommenen soll es sich laut Spiegel online [1] um einen Audi-Manager handeln, gegen den auch die US-Justiz VorwĂŒrfe erhebt. Laut einer Mitteilung der US-Behörden [2] gehen sie gegen einen Manager aus Audis Diesel-Entwicklungsabteilung vor. Er habe ab 2006 bis November 2015 ein Team von Ingenieuren geleitet, das dafĂŒr zustĂ€ndig war, Abgaskontrollsysteme zu entwickeln. Mit ihnen sollte bei den Dieselfahrzeugen fĂŒr die USA die Einhaltung von Abgasgrenzwerten unter anderem fĂŒr Stickstoffoxide garantiert werden.
Verschwörung
Gegen den 60-jĂ€hrigen Italiener haben die US-Behörden Strafanzeige gestellt. Sie werfen ihm Verschwörung zum Betrug und VerstöĂe gegen US-Umweltrecht vor. Er soll Teil der Verschwörung gewesen sein, bei der der vorsĂ€tzliche Abgasbetrug und damit die Verletzung des Luftreinhaltegesetzes beschlossen und angeordnet wurde. VW rĂ€umte die Manipulationen nach VorwĂŒrfen der US-Umweltbehörden im September 2015 ein und musste bereits 22,6 Milliarden Euro an Rechtskosten zur Beilegung von Klagen in Nordamerika wegen der AffĂ€re verbuchen.
Die MĂŒnchner Staatsanwaltschaft hatte Mitte MĂ€rz ein Verfahren wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung bei Audi eingeleitet. Dabei ging es zunĂ€chst um Abgas-Manipulationen in den USA, spĂ€ter wurde es auch auf FahrzeugverkĂ€ufe in Deutschland und Europa ausgeweitet.
Rechenschaft
WÀhrend die strafrechtliche Verfolgung in den USA mit den Vergleichen auf Konzernebene beigelegt wurde, versuchen die dortigen Behörden weiter mit Nachdruck, persönlich Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Der nun ins Visier geratene Ex-Audi-Manager ist bereits der achte Mitarbeiter des VW-Konzerns, gegen den das US-Justizministerium Strafanzeige gestellt hat.
Ein Manager wurde Anfang des Jahres in Florida verhaftet und wartet derzeit in Haft auf den Beginn seines Strafprozesses. Ein weiterer hatte im September 2016 ein SchuldgestĂ€ndnis abgegeben und einen Kronzeugen-Deal ausgehandelt. Er befindet sich gegen Kaution auf freiem FuĂ und erwartet seine UrteilsverkĂŒndung.
Weitere Ermittlungen
Die anderen Manager vermutet die US-Justiz in Deutschland, von wo ihnen keine Auslieferung droht. Erst im Juni berichteten SĂŒddeutsche Zeitung, NDR und WDR, die USA hĂ€tten sie ĂŒber die Polizeiorganisation Interpol zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben.
Ohnehin ist der Skandal, von dem weltweit rund elf Millionen Dieselwagen betroffen waren, fĂŒr VW und Audi noch lange nicht ausgestanden. In Deutschland ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Betrug gegen fast 40 Beschuldigte. Daneben gibt es in Europa zahlreiche Klagen von AktionĂ€ren sowie zivilrechtliche Klagen von Autobesitzern. Bislang strĂ€ubt sich der VW-Konzern auĂerhalb von Nordamerika gegen EntschĂ€digungszahlungen.
Chronologie des Abgas-Skandals (0 Bilder) [3]
(jk [5])
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[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/audi-abgasskandal-staatsanwaltschaft-laesst-motorenentwickler-festnehmen-a-1156114.html
[2] https://www.justice.gov/opa/pr/former-audi-manager-charged-connection-conspiracy-cheat-us-emissions-tests
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=3766842;back=3766842
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=3766842;back=3766842
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