zurück zum Artikel

Erste Anklage nach kino.to-Razzia

Volker Briegleb

Anfang der Woche hat die Generalstaatsanwaltschaft Dresden eine erste Anklage gegen einen Verantwortlichen des Streaming-Portals kino.to erhoben, das nach einer internationalen Polizeiaktion im Juni vom Netz genommen wurde.

Nach der Razzia [1] gegen das deutsche Streamingportal kino.to hat die Generalstaatsanwaltschaft Dresden [2] Anfang der Woche beim Landgericht Leipzig Anklage gegen einen mutmaßlichen Verantwortlichen erhoben. Das Gericht mĂŒsse sie nun prĂŒfen und zur Verhandlung zulassen, erklĂ€rte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft gegenĂŒber der dpa. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU [3]) hatte im April Strafantrag gestellt und damit die Ermittlungen gegen die HintermĂ€nner des populĂ€ren Portals ins Rollen gebracht.

kino.to versammelte Links zu meist illegalen Kopien aktueller Filme, die als Stream direkt im Browser angeschaut oder heruntergeladen werden konnten. Den mutmaßlichen HintermĂ€nnern des Streaming-Portals wird gewerbsmĂ€ĂŸige Urheberrechtsverletzung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Betreiber des Internetportals auch fĂŒr einige File-Hoster verantwortlich sind, auf denen die illegalen Filmkopien abgelegt wurden.

Anfang Juni hatten die Behörden bei Razzien in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden 13 VerdĂ€chtige festgenommen [4], von denen sechs nach Angaben der GVU noch in Haft sitzen. In Deutschland wurden ĂŒber 20 Wohnungen, GeschĂ€ftsrĂ€ume und Rechenzentren durchsucht. Dabei wurden umfangreiche DatenbestĂ€nde sichergestellt [5]. Auf Konten in Spanien, die dem Hauptbeschuldigten aus Leipzig zugeordnet werden, waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 2,5 Millionen Euro [6] beschlagnahmt worden. Einige VerdĂ€chtige waren wieder aus der Haft entlassen [7] worden, nachdem sie ausgepackt hatten.

Bei dem nun Angeklagten handelt es sich nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden nicht um den Hauptbeschuldigten aus Leipzig. Es gehe um einen "wichtigen MittĂ€ter", sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag der dpa. Dem Mann werde vorgeworfen, in mehr als einer Million FĂ€llen gewerbsmĂ€ĂŸig das Urheberrecht verletzt zu haben. Es werde vermutlich auch gegen die anderen fĂŒnf Inhaftierten Anklagen geben. (vbr [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1364311

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/kino-to-Polizeiaktion-gegen-Filmpiraten-1257486.html
[2] http://www.justiz.sachsen.de/gensta/
[3] http://www.gvu.de
[4] https://www.heise.de/news/Mutmassliche-Kino-to-Betreiber-bleiben-in-Haft-1258247.html
[5] https://www.heise.de/news/Ermittler-stellen-bei-kino-to-riesige-Datenmenge-sicher-1329723.html
[6] https://www.heise.de/news/Konten-nach-kino-to-Razzia-beschlagnahmt-1262984.html
[7] https://www.heise.de/news/Kino-to-Weiterer-Beschuldigter-aus-Haft-entlassen-1271125.html
[8] mailto:vbr@heise.de