Erneute Klage gegen die US-Musikindustrie
Die Klage von Tanya Andersen gegen den Branchenverband der US-Musikindustrie RIAA geht in die nÀchste Runde.
Im Februar 2005 verklagte der Lobbyverband der US-Musikindustrie RIAA [1] unter anderem die alleinerziehende Mutter Tanya Andersen wegen illegalen Downloads von Musikdateien aus dem Internet. Die Klage hatte keinen Erfolg [2]. Andersen klagte daraufhin gegen den Musikverband [3] unter anderem auf Betrug, Verletzung der PrivatsphĂ€re, Verleumdung und ĂŒble Nachrede. Im Februar wies ein Bundesrichter diese Klage [4] (PDF-Datei) zurĂŒck, gab Andersen aber einen Monat Zeit, um erneut zu klagen. Am Freitag, den 14. MĂ€rz, endete die Frist und Andersens Anwalt Lory Lybeck [5] reichte erneut Klage gegen den Branchenverband ein.
Die Anklage enthĂ€lt unter anderem eine Anschuldigung gegen die damalige RIAA-Firma MediaSentry. Laut Lybeck sammelt MediaSentry Dateien von den Festplatten von Privatpersonen, ohne deren Zustimmung einzuholen. AuĂerdem kritisiert Lybeck die Schleppnetztaktik des Musikverbandes, der auch "Delfine", sprich Unschuldige wie Andersen, ins Netz gingen. Ein erfolgreicher Prozess könnte der Klagewelle seitens der Musikindustrie ein Ende bereiten, so die Hoffnung Lybecks.
Andersen hatte der RIAA 2005 erlaubt, ihre private Festplatte zu prĂŒfen. Dabei konnten die Ermittler keine illegal heruntergeladenen Dateien nachweisen. Anstatt die Klage fallen zu lassen, soll der Verband dann behauptet haben, Andersen habe einen anderen Rechner verwendet. AuĂerdem soll die RIAA so weit gegangen sein, Andersen damals achtjĂ€hrige Tochter in der Schule anzurufen, um sie als Zeugin vorzuladen [6].
Die RIAA-AnwĂ€lte setzten in einer groĂangelegten Klagewelle darauf, es durch hohe Streitwerte gar nicht erst zum Prozess kommen zu lassen, sondern durch Vergleiche jeweils ein paar Tausend US-Dollar Schadenersatz und eine UnterlassungserklĂ€rung zu erzielen. Die BeweisfĂŒhrung, die sich selten auf mehr als eine IP-Adresse und einen Dateinamen stĂŒtzt, steht nach Experten auf wackeligen Beinen. Der Prozess droht nun fĂŒr die RIAA zu einer Blamage zu werden. (akr [7])
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[1] http://www.riaa.com
[2] https://www.heise.de/news/P2P-Prozesse-Wieder-ein-Rueckzieher-der-US-Musikindustrie-135844.html
[3] https://www.heise.de/news/Faelschlich-des-illegalen-Songtauschs-Beschuldigte-verklagt-US-Musiklobby-144153.html
[4] http://www.ilrweb.com/viewILRPDFfull.asp?filename=andersen_riaa_070622complaint
[5] http://www.lybeckmurphy.com/seattle-attorneys/lybeck.html
[6] https://www.heise.de/news/Musikindustrie-will-10-Jaehrige-als-Zeugin-vor-Gericht-zitieren-161432.html
[7] mailto:akr@ct.de
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