Entflieht der Fliehkraft
Neue Dimensionen der Fahrdynamik verspricht das neue MK 1 von Butchers & Bicycles aus Kopenhagen. Das Lasten-Dreirad mit Achsschenkellenkung erlaubt dem Fahrer dank Neigetechnik seine intuitive Fahrtechnik auch in rasanten Kurven beizubehalten
Kopenhagen (Dänemark), 22. Januar 2014 – Ein Lastendreirad fährt sich in etwa so wie es heißt. Das Schlimmste sind Kurven. Da muss man sich schon gehörig einspreizen und ist nie ganz sicher, ob und wann die Fuhre zu kippen beginnt. Neue Dimensionen der Trike-Fahrdynamik verspricht das MK 1 von Butchers & Bicycles aus Kopenhagen. Das Lasten-Dreirad mit Achsschenkellenkung soll dank Neigetechnik eine intuitive Fahrweise selbst bei rasanter Gangart erlauben und damit erstmals die Funktion eines Lastendreirads mit dem Fahrspaß eines Zweirads zusammenbringen.
Das Prinzip ist einfach: Die Aufhängung der vorderen Radnaben an Achsschenkeln und Querlenkern neigt die Vorderräder in einem ähnlichen (oder gleichen) Winkel wie ihn der hintere Teil des Rahmens mit seinem Hinterrad einnimmt. Damit kann der Fahrer seinen und den Schwerpunkt der Ladung immer senkrecht zur Resultierenden aus Gravitation und Fliehkraft halten – ganz so, wie mit einem Zweirad [1]. Das fühlt sich nicht nur besser an, es erspart einem auch die Anstrengung, sich gegen die Fliehkraft zu stemmen. Die Bahnen verschiedener Länder haben bestimmte Züge mit Neigetechnik ausgestattet, um höhere Geschwindigkeiten auf kurvigen Bahnstrecken zu erreichen. Sie fahren bis zu 30 Prozent schneller, ohne dass sich die Fahrgäste beschweren. Auch im Autobau [2] wird das Prinzip gelegentlich aufgegriffen.
Entflieht der Fliehkraft (0 Bilder) [3]
Entspannt zwischen Gravitation und Fliehkraft
Die Lenkung ist unabhängig vom Neigungswinkel, auch das hat das Dreirad mit einem Zweirad gemein. Eine Lenksäule überträgt die Befehle des Fahrers vom Lenker senkrecht nach unten. Ein am unteren Ende rechtwinklig angebrachter Lenkstockhebel bewegt je eine Spurstange zu den Achsschenkeln. Um das abgestellte Dreirad nicht vollkommen halt- und würdelos zur Seite umsinken zu lassen, kann der Fahrer von seinem Arbeitsplatz aus einen Parkständer ausklappen lassen. Zusätzlich haben die Ingenieure diagonal zwischen oberen und unteren Querlenker unterstützende Federstreben eingesetzt. Ein verstellbarer Fußpunkt der Spiralfeder macht die aufrichtenden Kräfte individuell abstimmbar. Wer das Ganze nachbauen möchte, sollte sich übrigens vorher dringend mit Butchers & Bicycles in Verbindung setzen, denn sie haben es sich patentieren lassen.
Der Rahmen ist aus dem klassischen Material für Rennradrahmen, gehärtetem Aluminium 7005 T6 geschweißt und pulverbeschichtet. Der Hersteller setzt zur Kraftübertragung gegen Aufpreis statt einer Kette einen kohlefaserverstärkten Zahnriemen Gates Carbon Drive™ CDX ein, das Getriebe in der Hinterradnabe ist ein stufenloses NuVinci [5]® N360™ mit einer Spreizung von immerhin 360 Prozent. Die Alu-Hohlkammerfelgen, vorn in 20, hinten 26 Zoll, tragen Schwalbe Marathon-Reifen, die hydraulisch betätigten Scheibenbremsen an allen drei Rädern kommen von Tektro. Als Ladefläche dient eine Kunststoffbox in den Maßen 90 x 60 x 60 Zentimeter und einer maximal erlaubten Zuladung von 100 Kilogramm. Sie bietet eine doppelte Isofix-Kindersitzaufnahme, Cupholder und ein abschließbares Handschuhfach. Optional erhältlich sind ein Regenschutz mit Fenstern, Sitzpolster und Dreipunktgurte.
Cupholder und abschlieĂźbares Handschuhfach
Gegen Aufpreis montiert Butchers & Bicycles am Tretlager einen 250 Watt leistenden Motor MPF Drive 5.0 und eine 12 Ah fassende Lithium-Ionen-Batterie mit Steuereinheit. Ein USB-Anschluss erlaubt den Anschluss eines Smartphones, das mit einer entsprechenden App auch als Navigationsgerät dienen kann – nicht uninteressant etwa für Lieferdienste.
Das Mk1 kostet 3395, das Mk1-E (als Pedelec) 4995 Euro. Butchers & Bicycles ist eine junge Firma, gegründet von drei Designern aus Kopenhagen. Der Name ist glücklicherweise nicht Programm, er kommt daher, dass ihre Headquarters in einem ehemaligen Fleischereigebäude liegen. (fpi [6])
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[2] https://www.heise.de/news/Kabinenroller-trifft-Neigetechnik-Der-Toyota-i-Road-1820488.html
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4737982.html?back=2092786;back=2092786
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/4737982.html?back=2092786;back=2092786
[5] https://www.heise.de/news/Der-NuVinci-Code-1731688.html
[6] mailto:fpi@heise.de
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