Energie sparen mit dem StromzÀhler
Ein vernetzter StromzÀhler soll den Energieverbrauch eines Haushalts sekunden- und wattgenau aufdecken.
Ab dem Sommer will die EnBW [1] in Baden-WĂŒrttemberg ihren Stromkunden einen intelligenten StromzĂ€hler ins Heimnetz hĂ€ngen, der eine sekundengenaue Abfrage der aktuell gezogenen Leistung, umgangssprachlich Stromverbrauch, per PC ermöglicht. Mit dem GerĂ€t soll man nicht nur Standby-Energiefressern auf die Schliche kommen, sondern gar potenzielle Gefahrenquellen entdecken können. Als Beispiel fĂŒr Ersteres fĂŒhrt die EnBW eine Espressomaschine an, die im Standby das Wasser warm hĂ€lt, damit der Kaffee möglichst schnell bereit steht. Allein diese Komfortfunktion verursacht ĂŒber 30 Euro Stromkosten pro Jahr. DemgegenĂŒber macht das AufbrĂŒhen von fĂŒnf Tassen Espresso tĂ€glich ohne Standby nur zwei Euro aus, auch wenn man etwas lĂ€nger warten muss. Auch deutlich weniger auffĂ€llige Standby-Stromschleudern wie Hifi-Anlagen soll man aufdecken können, denn das GerĂ€t zeigt die durchgehende Leistung aufs Watt genau an, heiĂt es. Mit Gefahrenvermeidung meint die EnBW, dass man beispielsweise beim Verlassen der Wohnung automatisch informiert wird, wenn bestimmte Verbraucher wie etwa der Elektroherd noch eingeschaltet sind.
Der ZĂ€hler meldet den aktuellen Verbrauch ĂŒber einen bestehenden Breitband-Internetanschluss an den Stromlieferanten. DafĂŒr besitzt er ein integriertes Powerline-Modul, das von Devolo [2] stammt. Ein mitgeliefertes GegenstĂŒck im ĂŒblichen Steckernetzteilformat schlieĂt man per LAN-Kabel an seinen Heimrouter an. Da der ZĂ€hler alle Viertelstunde ein Update schickt, ist eine DSL-Flatrate sinnvoll. Er puffert die Messwerte aber auch bis zu drei Monate lang, falls jemand seinen Internetzugang selten nutzt und dann manuell aktiviert. Im Pilotversuch [3], der mit zweimal 1000 Kunden seit Sommer 2007 lĂ€uft, geschieht die XML-DatenĂŒbermittlung noch im Klartext per http ĂŒber Port 8080, sodass man mit recht geringem Aufwand verfolgen kann, welche Daten das Heim verlassen. Der Regelbetrieb wird dagegen verschlĂŒsselt per https geschehen. Das wird DatenschĂŒtzern nicht schmecken, aber wohl kaum zu vermeiden sein, damit Bastler nicht mittels angepasster Firewall-Regeln im Eigenbaurouter ihre Stromkosten drĂŒcken.
Das auf der Hannover Messe in Halle 13, Stand C10 zu sehende System ist indes nicht aus reiner NĂ€chstenliebe entstanden. Vielmehr hat die EU den Stromlieferanten ins Stammbuch geschrieben, dass sie ihren Kunden bis 2012 die Energiekosten monatlich transparent machen mĂŒssen. Das dĂŒrfte auf eine monatliche Abrechnung wie beim Telefonanschluss oder Handy hinauslaufen, wenn die EU-Vorgabe einst in nationales Recht umgesetzt ist. Da aber kaum ein Kunde alle vier Wochen eine Postkarte mit dem aktuellen ZĂ€hlerstand ausfĂŒllen will und auch die Versorger ihre Ableser gewiss nicht zwölfmal so oft wie bisher herumschicken wollen, ist der Einsatz intelligenter ZĂ€hler mittelfristig unausweichlich.
FĂŒr die fernere Zukunft strebt die EnBW an, mit Haustechnikherstellern wie Miele oder Bauknecht zu kooperieren, damit sich energieintensive HausgerĂ€te fernsteuern lassen. So soll der Kunde beispielsweise sein Brot nachts zu einem gĂŒnstigeren Niedrigtarif backen. Den Stromlieferanten beschert die Fernsteuerbarkeit den Vorteil, ihre Netzauslastung besser steuern zu können. Zur Höhe der Tarife mochte EnBW noch keine Details nennen. heise online konnte lediglich erfahren, dass geringe Installationskosten, eine monatliche GrundgebĂŒhr sowie eine zwölfmonatige Mindestbindung anfallen. (ea [4])
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[1] http://www.enbw.de
[2] http://www.devolo.de/
[3] https://www.heise.de/news/Pilotprojekt-mit-vernetzten-Stromzaehlern-169647.html
[4] mailto:ea@ct.de
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